Perspektive Pflanzenbau: 15 Maßnahmen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft

Eine zukunftsfähige Landwirtschaft ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Die Ausgestaltung einer zukunftsfähigen Landwirtschaft ist eines der zentralen Themen unserer Zeit. Unsere Branche spielt dabei eine wichtige Rolle: Gesellschaft und Politik erwarten auf dringende ökologische Fragen wie den Erhalt der Biodiversität oder den Schutz unserer Gewässer auch von den Pflanzenschutz- und Düngemittel-Produzenten neue Antworten.

Diese und weitere agrarumweltpolitische Herausforderungen erfordern ein grundsätzliches Umdenken, besonders im Umgang mit unseren Betriebsmitteln. Mineraldünger, Pflanzenschutzmittel und die junge Produktgruppe der Biostimulanzien leisten einen essentiellen Beitrag zur Pflanzengesundheit und damit zur Sicherung und Steigerung landwirtschaftlicher Erträge. Sie werden auf lange Zeit unverzichtbar bleiben, doch ist es ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, diese Betriebsmittel nachhaltig einzusetzen. Zugleich sollen die mit ihrem Einsatz verbundenen Risiken weiter reduziert werden.

Wir als Industrieverband Agrar haben uns dieser Aufgabe gestellt, Themen und Handlungsfelder analysiert und weitergedacht. Gemeinsam mit unseren Mitgliedsunternehmen haben wir einen Maßnahmenkatalog entwickelt, mit dem wir die Diskussion über eine zukunftsfähige Landwirtschaft in Deutschland um konkrete Lösungsvorschläge bereichern wollen.

Eine zukunftsfähige Landwirtschaft erfordert Mut für neue Wege

Der IVA schlägt folgende Maßnahmen vor:

1. Effizienteste Nährstoffquelle

1. Effizienteste Nährstoffquelle

Nährstoffüberschüsse können zur Belastung von Grund- und Oberflächengewässern führen. Mineraldünger, deren Nährstoffgehalte klar definiert sind, ermöglichen eine zielgenaue und bedarfsgerechte Versorgung der Nutzpflanze. Damit werden ungewollte Nährstoffverluste vermieden.

2. Fünf Meter Gewässerrandstreifen

2. Fünf Meter Gewässerrandstreifen

Bei der Ausbringung aller Pflanzenschutz- und Düngemittel soll ein Abstand von mindestens 5 Metern zu Gewässern eingehalten werden. Dadurch wird das Risiko von Einträgen in Oberflächengewässer durch Abdrift oder Abschwemmung maßgeblich reduziert.

3. Bewachsene Ackerrandstreifen

3. Bewachsene Ackerrandstreifen

Die Anlage von mit Gräsern bewachsenen Ackerrand- und Filterstreifen an Gewässern beziehungsweise im Feld reduziert das Risiko von Einträgen in Oberflächengewässer (Run-off) erheblich. Die flächendeckende Anlage der Streifen muss durch Förderprogramme, wie zum Beispiel Greening-Maßnahmen, unterstützt werden.

4. Konservierende Bodenbearbeitung

4. Konservierende Bodenbearbeitung

Nicht-wendende Bodenbearbeitung erhöht die Stabilität des Ackerbodens. Pflanzenreste auf der Bodenoberfläche reduzieren die Bodenerosion und somit das Risiko des Austrags von Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln in Gewässer. Zur Umsetzung müssen geeignete Pflanzenschutzmittel (vor allem Herbizide) zur Verfügung stehen.

5. Mehrjährige Blühstreifen

5. Mehrjährige Blühstreifen

Der Verlust an Lebensraum und Nahrungsangebot gilt als wichtige Ursache für den Insektenrückgang. Die Anlage von mehrjährigen Blühstreifen, bestenfalls bestehend aus mehreren, regionalen Arten, wirkt sich hierbei positiv auf die Individuen- und Artenanzahl aus.

6. Erweiterte Fruchtfolgen

6. Erweiterte Fruchtfolgen

Kurze und einseitige Fruchtfolgen sollen durch Kulturen, die Infektionsketten unterbrechen und weniger anfällig gegenüber Schaderregern sind (zum Beispiel Wechsel von Blatt- und Halmfrüchten, Integration von Leguminosen/Hafer) aufgelockert werden. Anreizprogramme für bessere Absatzmöglichkeiten der in die Fruchtfolge aufgenommenen Ackerfrüchte sind eine politische Aufgabe.

7. Umweltschonende Applikationstechnik

7. Umweltschonende Applikationstechnik

Präzisere Ausbringtechnik wird helfen, mögliche negative Auswirkungen beim Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln zu reduzieren. Hierzu gehört neben Sensortechnik auch neue Düsentechnik, die eine zielgenaue Ausbringung ermöglicht (zum Beispiel Biomasseerfassung, Dropleg-Technik).

8. Ökologische Schadschwelle

8. Ökologische Schadschwelle

Entscheidungsgrundlage für den Einsatz chemischer Mittel ist im Rahmen des Integrierten Pflanzenschutzes die „wirtschaftliche Schadschwelle“ (Bekämpfung nur, wenn Schaden höher ist als Behandlungskosten). Eine ökologische Schadschwelle würde zusätzlich Biodiversitätserhalt und -förderung in die Berechnung miteinbeziehen. Das wird den Integrierten Pflanzenschutz weiter optimieren und dazu beitragen, die Zahl der Behandlungen zu minimieren.

9. Biodiversität: Beratung

9. Biodiversität: Beratung

Biodiversität soll in der praktischen Landwirtschaft mehr Raum erhalten. Maßnahmen zu Erhalt und Förderung der Biodiversität bedeuten aber Mehraufwand und Erlösminderungen für die Landwirte. Hierzu sollte es eine verbesserte amtliche Beratung geben, die für mögliche biologische Aufwertungsmaßnahmen sensibilisiert, besonders geeignete Bereiche auf dem Betrieb identifiziert und aufzeigt, wie sich solche Maßnahmen ökonomisch vertretbar in die Betriebsabläufe integrieren lassen.

10. Biodiversität: Fördermittel

10. Biodiversität: Fördermittel

Landwirte stellen für Erhalt und Förderung der Biodiversität ihre Flächen zur Verfügung, die dann für die Produktion von Lebensmitteln jedoch ausfallen und für den Landwirt Erlösausfälle bedeuten. Diese Leistungen für einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen kann der einzelne Landwirt nicht alleine tragen. Daher ist unabdingbar, dass durch die öffentliche Hand mehr finanzielle Mittel für Biodiversitätserhalt und -förderung zur Verfügung gestellt werden.

11. Digitale Infrastruktur

11. Digitale Infrastruktur

Die Kombination von moderner Ausbringtechnik und digitalen Lösungen wird weiter zu einer gezielteren und bedarfsgerechteren Ausbringung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln führen. Für die Umsetzung ist die Landwirtschaft aber auf die flächendeckende Verfügbarkeit eines schnellen mobilen Breitbandnetzes (5G-Standard) zwingend angewiesen. Dazu gehört auch ein klarer Rechtsrahmen über die Eigentums- und Nutzungsrechte dieser Daten.

12. Digitale Entscheidungstools

12. Digitale Entscheidungstools

Die agrochemische Industrie verstärkt die Entwicklung von neuen Verfahren und Konzepten bei der Anwendung und Umsetzung von digitalen Tools, die dem Landwirt bessere Grundlagen für eine Entscheidung über den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln sowie Biostimulanzien bieten.

13. Digitalisierte Dokumentation der Anwendungsdaten

13. Digitalisierte Dokumentation der Anwendungsdaten

Eine standardisierte digitale Dokumentation der Anwendungsdaten erleichtert es dem Landwirt, seinen fach- und sachgerechten Einsatz der Betriebsmittel Pflanzenschutz- und Düngemittel sowie Biostimulanzien nachzuweisen. Das Eigentum dieser Daten liegt dabei bei den Anwendern.

14. Digitale Modellregionen

14. Digitale Modellregionen

Die Digitalisierung der Landwirtschaft wird eine breite technologische Erneuerung sowie mehr Akzeptanz und Wissen über die neuen Möglichkeiten erfordern. Daher sollten Modellregionen eingerichtet werden, in denen Ackerbaubetriebe in einer Region mit neuester Technik ausgestattet und durch intensive Beratung von amtlicher Seite betreut werden.

15. Europäische Harmonisierung

15. Europäische Harmonisierung

Damit der deutsche Ackerbau gegenüber anderen Regionen in Europa nicht benachteiligt wird, bedarf es einheitlicher Wettbewerbsbedingungen beim Zugang zu Pflanzenschutzmitteln, Mineraldüngern und Biostimulanzien in Europa. Dazu gehört unter anderem die Einhaltung von EU-weit einheitlichen Bewertungskriterien und Maßstäben bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln.