# Die Kirschessigfliege bedroht Obst- und Weinbau

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- Created: 2026-08-28T11:07:13+00:00
- Updated: 2026-08-28T11:34:45+00:00
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- Topics: Haus & Garten, Landwirtschaft, Pflanzenschutz
- Teaser text: Die Kirschessigfliege ist ein Beispiel dafür, wie eine unscheinbare invasive Art innerhalb weniger Jahre zu einem ernsthaften Problem für die Landwirtschaft und den Weinbau werden kann. Ihre geringe Körpergröße steht dabei in starkem Kontrast zu ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Sie verbindet eine hohe Fortpflanzungsleistung mit der Fähigkeit, gesunde Früchte kurz vor der Ernte zu befallen – eine Kombination, die ihre Bekämpfung besonders schwierig macht.

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© iStock Kirschessigfliegen befallen fast alle Beeren und weichschaliges Obst.

28.08.2026

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Kirschessigfliegen befallen fast alle Beeren und weichschaliges Obst.

28.08.2026

Die Kirschessigfliege bedroht Obst- und Weinbau

## Unscheinbares Insekt mit enormer Schadwirkung

Die Kirschessigfliege ist ein Beispiel dafür, wie eine unscheinbare invasive Art innerhalb weniger Jahre zu einem ernsthaften Problem für die Landwirtschaft und den Weinbau werden kann. Ihre geringe Körpergröße steht dabei in starkem Kontrast zu ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Sie verbindet eine hohe Fortpflanzungsleistung mit der Fähigkeit, gesunde Früchte kurz vor der Ernte zu befallen – eine Kombination, die ihre Bekämpfung besonders schwierig macht.

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Kirschessigfliegen befallen fast alle Beeren und weichschaliges Obst.

[ ![Auch der Klimawandel fördert die Ausbreitung der Kirschessigfliege.](https://www.iva.de/sites/default/files/styles/16_9_1152x648/public/2026-08/iStock-1310614380.jpg.webp?h=140710cd&itok=MKCgJXbh "Auch der Klimawandel fördert die Ausbreitung der Kirschessigfliege.") ](https://www.iva.de/sites/default/files/2026-08/iStock-1310614380.jpg)© iStock

Auch der Klimawandel fördert die Ausbreitung der Kirschessigfliege.

Sie ist nur wenige Millimeter groß und wirkt auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Fruchtfliege. Doch die Kirschessigfliege *Drosophila suzukii* hat sich in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Schädling im Obst- und Weinbau entwickelt. Ursprünglich stammt die invasive Art aus Südostasien. Über den internationalen Fruchthandel gelangte sie vermutlich über befallene Früchte nach Europa und wurde ab 2008 zunächst in Spanien nachgewiesen. In Deutschland wurden die ersten Tiere Ende 2011 gefangen; bereits 2012 war die Art in weiten Teilen Badens verbreitet. Heute ist die Kirschessigfliege in nahezu allen Regionen Deutschlands anzutreffen.

## **Große Schadwirkung, da gesunde Beeren befallen werden**

Die Kirschessigfliege gehört zur Familie der Taufliegen. Im Gegensatz zu den heimischen Essig- oder Fruchtfliegen befällt sie nicht ausschließlich beschädigtes oder bereits faulendes Obst. Ihre besondere Gefährlichkeit liegt darin, dass die Weibchen ihre Eier in gesunde, reifende Früchte ablegen können. Hierfür nutzen sie ihren sägeartigen Legeapparat, mit dem sie die Fruchthaut öffnen. Besonders gefährdet sind weichschalige Früchte wie Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Schlehen, Pfirsiche, Pflaumen, Holunderbeeren und roten Weintrauben. Äpfel sind dagegen meist sicher vor ihnen. Das breite Wirtspflanzenspektrum ist es auch, was die Kirschessigfliege so gefährlich macht. Fast alle weichen Obstarten gehören dazu und auch die Beeren von Efeu oder Lorbeerkirsche beziehungsweise Kirschlorbeer. Die Männchen sind mit 2,6 bis 2,8 Millimetern etwas kleiner als die Weibchen. Diese werden 3,2 bis 3,4 Millimeter groß.

## **Schnelle Vermehrung, rasant anwachsende Populationen**

Ihre große Bedeutung als Pflanzenschädling verdankt die Kirschessigfliege vor allem ihrem hohen Vermehrungspotenzial. Nach der Eiablage schlüpfen die Larven bereits nach kurzer Zeit und beginnen, sich vom Fruchtfleisch zu ernähren. Unter günstigen Bedingungen kann sich eine Generation innerhalb von etwa acht bis 14 Tagen entwickeln. Ein einzelnes Weibchen kann mehrere hundert Eier ablegen. Dadurch kann sich die Population innerhalb einer Saison sehr schnell vergrößern. Deswegen sind besonders spät reifende Früchte und Beeren stark gefährdet. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) nennt unter günstigen Bedingungen bis zu 13 Generationen pro Jahr.

Die Kirschessigfliege ist dabei an gemäßigte Temperaturen gut angepasst. Ihre Aktivität nimmt bei Temperaturen von etwa 30 Grad Celsius und darüber deutlich ab. Erwachsene Tiere überwintern an geschützten Orten, beispielsweise in Hecken, Wäldern oder in der Nähe von Siedlungen. Im Frühjahr werden die überlebenden Fliegen wieder aktiv und können neue Obstbestände besiedeln.

## **Kleiner Einstich, großer Schaden**

Ein Befall bleibt zunächst häufig unauffällig. An der Frucht sind lediglich kleine Einstichstellen zu erkennen. Mit einer Lupe können die charakteristischen, fadenförmigen Atemanhänge der Eier sichtbar werden. Nach dem Schlupf fressen sich die Larven durch das Fruchtfleisch. In der Folge werden die Früchte weich, beginnen einzufallen und verderben. Zusätzlich können Pilze und Bakterien in die beschädigten Früchte eindringen und den Qualitätsverlust beschleunigen. Damit unterscheidet sich die Kirschessigfliege deutlich von vielen anderen Obstschädlingen. Sie befällt die Früchte gerade in jener Phase, in der sie für die Ernte interessant werden. Die Schäden können deshalb unmittelbar vor der Ernte auftreten und innerhalb kurzer Zeit erhebliche Ausmaße annehmen. Im Extremfall sind vollständige Ernteausfälle möglich.

## **Schwierige Bekämpfung**

Die Bekämpfung der Kirschessigfliege stellt Obstbau und Gartenbesitzer vor eine große Herausforderung. Eine einzelne Maßnahme reicht in der Regel nicht aus. Vielmehr ist eine Kombination verschiedener Strategien notwendig. Eine wichtige Grundlage bildet die Bestandshygiene: Reife und befallene Früchte sollten möglichst vollständig und regelmäßig geerntet und befallenes Obst aus der Anlage entfernt werden. Eine einfache Kompostierung befallener Früchte ist dagegen ungeeignet, da sich die Tiere darin weiterentwickeln können. Auch eine möglichst frühe Ernte kann den Befall reduzieren. Bei Kulturen wie Himbeeren und Brombeeren empfiehlt sich ein möglichst kurzes Ernteintervall, regelmäßiges Durchpflücken und vollständige Ernte.

Fallen können eingesetzt werden, um die Population zu überwachen oder die Einwanderung in gefährdete Bestände zu verzögern. Als besonders wirkungsvoll gilt die Einnetzung der Kulturen mit ausreichend feinmaschigen Netzen von maximal einem Quadratmillimeter. Diese müssen allerdings rechtzeitig angebracht werden, bevor die Früchte ihre Farbe verändern, also von Grün auf Rot umschlagen und dann die Fliegen attraktiv werden. Natürliche Feinde der Kirschessigfliege sind Vögel, Ohrwürmer und Spinnen, aber auch Erz-, Brack-, Gall- und Zehrwespen, die gegen die Larven und Puppen vorgehen. Geforscht wird daher am Einsatz natürlicher Feinde, dem Massenfang mittels Lockstoffe und der Anwendung von Repellentien (Vergrämungsmittel). Im Erwerbs- Obst- und Beerenanbau werden die Bestände mit Monitoringfallen überwacht und es können auch Insektizide eingesetzt werden. Dabei müssen die Spritztermine gut geplant werden, denn zu frühe Behandlungen verfehlen die Fliegen und zu späte (wenn die Früchte bereits Maden tragen) haben keinen Effekt.

## **Forschungen laufen**

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hat über mehrere Jahre das Demonstrationsprojekt „Einnetzen von Obstkulturen zum Schutz gegen die Kirschessigfliege" finanziert. Das Modellvorhaben umfasste bis zu 30 Demonstrationsbetriebe in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, die die besonders gefährdeten Kulturen Kirschen, Strauchbeeren und wiederaustreibende Erdbeeren anbauen und jeweils repräsentativ für ihre Region sind. Ziel des Projekts war, das Einnetzen von Obstkulturen in der Praxis weiter zu verbreiten und auch betriebswirtschaftlich zu bewerten. Es zeigte sich beispielsweise, dass die Netze frühzeitig angebracht werden und die Früchte komplett umschlossen werden müssen, um eine optimale Wirkung zu erzielen.

Die Netze verhindern auch das Eindringen weiterer Fruchtschädlinge, wie zum Beispiel der Kirschfruchtfliege. Problematisch war dagegen, wenn die Schädlinge in den eingenetzten Bestand eingedrungen waren, ihre natürlichen Feinde aber nicht mehr zuwandern konnten. Im dem Forschungsprojekt „ParaDrosu“ des Julius Kühn-Instituts (JKI), das federführend vom Institut für Biologischen Pflanzenschutz und dem Institut für Pflanzenschutz im Obst- und Weinbau in Dossenheim bearbeitet wird, wird untersucht, wie Schlupfwespen gezielt gegen die Kirschessigfliege eingesetzt werden können. Die Schlupfwespen spüren die Tönnchenpuppen der Kirschessigfliege am Boden, in Früchten oder an Pflanzen auf, parasitieren sie und töten sie dadurch ab.

In einer Masterarbeit wurde untersucht, ob sich die Schlupfwespe Leptopilina japonica besser unter frühsommerlichen oder spätsommerlichen Bedingungen entwickelt. Die Termine spiegeln den Beginn beziehungsweise den Höhepunkt der Populationsentwicklung der Kirschessigfliege wider. Mit den Ergebnissen lässt sich die Populationsentwicklung der Schlupfwespe im Freiland besser verstehen.

## **Klimawandel begünstigt weitere Ausbreitung**

Die Ausbreitung der Kirschessigfliege wird durch den Klimawandel befördert. Milde Winter können die Überlebenschancen der erwachsenen Tiere erhöhen, während sehr heiße und trockene Perioden die Aktivität und Populationsgröße begrenzen. Die Anpassungsfähigkeit der Art, ihr breites Spektrum an Wirtspflanzen und ihre schnelle Generationenfolge erleichtern ihre dauerhafte Etablierung. Die Kirschessigfliege bleibt deshalb nicht nur ein Schädling für Obst, sondern auch eine Herausforderung für einen vorausschauenden und nachhaltigen Pflanzenschutz.

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