Imposant und gar nicht schädlich: Nashornkäfer bereichern die Gartenfauna

26.06.2014 Schule & Wissen

Ihre Engerlinge leben und wachsen im Kompost

Auch die Nashornkäfer gehören zur weit verzweigten Familie der Blatthornkäfer. In tropischen Regionen kommen sie häufig vor, und dort fallen einige Arten als Schädlinge unangenehm auf. Von den in Europa heimischen Arten ist der Gemeine Nashornkäfer der bekannteste. Groß, aber harmlos bereichert er die Gartenfauna.

Der Gemeine Nashornkäfer Oryctes nasicornis gehört zur Unterfamilie der Riesenkäfer. Unter den europäischen Käfern gilt er mit bis zu vier Zentimeter Länge als groß. Seine Verwandten aus den Regenwäldern Mittel- und Südamerikas können – wie der Herkuleskäfer – sogar 17 Zentimeter erreichen. Den Gemeinen Nashornkäfer kann man beim Kompostumsetzen entdecken. Hier finden sich seine zuweilen daumendicken Engerlinge oder die braunen Käfer, die dort auf ihre Flugzeit warten.

Nashornkäfer sind von beeindruckender Schönheit

Die in den meisten Regionen Europas vorkommenden zwei bis vier Zentimeter großen braunen Gemeinen Nashornkäfer sind an ihrem nach hinten gebogenen Horn und dem empor gewölbten Halsschild mit deutlichen Einkerbungen gut zu erkennen. Die Weibchen haben statt des Horns einen kleinen Hornschild. Die Flügeldecken der Käfer sind glänzend-kastanienbraun bis braunschwarz. Die Unterseite und die Beine sind fuchsrot behaart. Die Larven können bis zu zwölf Zentimeter lang werden. Mit dem verdickten Hinterleib sehen sie denen der Maikäfer sehr ähnlich. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal sind neben der Größe die rotumrandeten Atemlöcher. Bei Maikäferengerlingen sind diese gelbumrandet.

Lebensweise

Die Nashornkäfer fliegen in warmen Nächten in der Abenddämmerung, meist Ende Mai, Anfang Juni. Wovon sich die erwachsenen Käfer ernähren ist nicht sicher geklärt. Manche Autoren sind der Meinung, dass sie in den vier bis fünf Wochen ihres Käferlebens keine Nahrung aufnehmen, andere vermuten, dass sie sich von Baumsäften ernähren. Früher waren die Nashornkäfer vorrangig im Holzmulm absterbender Laubholzstämme oder Äste besonders von Eichenwäldern zu finden. Später fanden sie in der Eichenrinde (Gerberlohe), in Sägespäne- und Rindenhaufen von Sägewerken ein Biotop , und schließlich folgten sie dem Menschen in die Gärten und besiedelten Stroh-, Mist- oder Komposthaufen. Hier legen die Weibchen etwa 30 bis 40 der 0,35 bis 0,5 Zentimeter großen Eier ab. Beim Verrotten stellen sich ausreichend hohe Temperaturen für die Entwicklung der Larven ein. Die Engerlinge fressen zellulosereiches Pflanzenmaterial, wie verrottende Holzbestandteile z. B. geschredderte Äste und Zweige, Sägeabfälle oder verholzte Staudenteile. Schädlich sind sie also nicht. Die Entwicklungszeit der Larven beträgt je nach Temperatur zwei bis fünf Jahre. Nach drei Larvenstadien verpuppen sie sich in einem selbst hergestellten Kokon aus Holz- und Rindenmaterial sowie Sekret. Die Kokons können pflaumen- bis gänseeiergroß sein. Der Käfer bleibt nach dem Schlupf noch einige Wochen in dem Kokon ehe er aus der Erde kommt.

Unterschiedliche Häufigkeit in Deutschland

Der Riesenkäfer ist in Berlin und Brandenburg verbreitet. Es gibt aber auch aus den westlichen Bundesländern Hinweise auf Funde im Kompost von Gärten. Vermutlich ist es ähnlich wie beim Maikäfer: In manchen Regionen gilt er als verschwunden, in anderen tritt er regelmäßig auf, und mancherorts wird er sogar zur Plage. Letzteres ist beim Nashornkäfer noch nicht beobachtet worden. Er steht unter dem Schutz der Bundesartenschutzverordnung, und das Bundesnaturschutzgesetz verbietet es, die Tiere und ihre Entwicklungsformen zu fangen, zu verletzen oder zu töten.

Was kann der Hobbygärtner zum Schutz der Nashornkäfer tun?

Im Kompost leben bei uns nur die Engerlinge des Rosenkäfers und des Gemeinen Nashornkäfers. Beides sind geschützte Arten. Also heißt es, vorsichtig mit dem Kompost umgehen. Um die Käfer zu schonen, sollte man ihn möglichst nicht vor Anfang bis Mitte Mai umsetzen. Dann kann der reife Kompost durch ein großes Sieb vorsichtig abgesiebt werden. Dabei „ausgesiebten“ Engerlinge sollte man sofort wieder in den frischen oder halbreifen Kompost setzen. Die erwachsenen Nashornkäfer sind auf der abgesiebten Erde bestens aufgehoben, wo sie sich rasch wieder eingraben und pünktlich zur Flugzeit leicht ans Licht gelangen können.