Biostimulantien – für höhere Widerstandsfähigkeit, Qualität und Erträge von Kulturpflanzen

Im Mai 2017 beschloss die Mitgliederversammlung des Industrieverbands Agrar e. V. (IVA) die Einrichtung eines dritten Fachbereichs Biostimulantien, neben den Fachbereichen Pflanzenschutz und Pflanzenernährung. Zu dem neuen Fachbereich gehören sowohl Unternehmen, die bereits in den anderen IVA-Fachbereichen mitwirken, als auch neue Mitglieder. Im IVA-Fachbereich Biostimulantien haben sich insgesamt 11 Mitgliedsunternehmen zusammengeschlossen (Stand: Juni 2017). Der IVA vertritt die Interessen der Biostimulantien-Hersteller in Deutschland gegenüber Politik, Verwaltung, Fachinstitutionen und der Öffentlichkeit. Auf europäischer Ebene spielt diese Rolle das European Biostimulants Industry Council (EBIC), mit dem der IVA eng zusammenarbeitet.

Der neue Fachbereich wird sich bis Herbst 2017 konstituieren und seine Strukturen sowie sein Arbeitsprogramm festlegen.

Was sind Biostimulantien?

Biostimulantien ist der Oberbegriff für eine Klasse von Betriebsmitteln, die weder Pflanzenschutz - noch Düngemittel sind und rechtlich künftig unter die EU-Düngemittelverordnung fallen. Dazu zählen unterschiedliche Rezepturen aus Verbindungen, Stoffen (z. B. Aminosäuren , Huminsäuren und andere naturchemische Verbindungen, Pflanzen- und Seetang-Extrakte) sowie Mikroorganismen. Sie werden eingesetzt, um Widerstandsfähigkeit, Qualität und Erträge von Kulturpflanzen, deren Toleranz gegen abiotische Stressfaktoren wie extreme Temperaturen oder Trockenheit zu erhöhen oder die Bodenfruchtbarkeit zu stärken.

Uneinheitliche Regulierung hemmt Innovationen

Biostimulantien dienen weder als Nährstoffquelle noch haben sie eine spezielle, zielgerichtete Wirkung gegen Pflanzenschädlinge. Deshalb sollen sie zukünftig als eigenständige Produktgruppe im Rahmen des derzeit auf europäischer Ebene diskutierten neuen Düngemittelrechts erfasst werden. In den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten ist der Einsatz und die Zulassung biostimulatorischer Präparate bisher uneinheitlich geregelt und der Warenaustausch im Rahmen der gegenseitigen Anerkennung unbefriedigend. Die abweichenden Regelwerke der Mitgliedsstaaten verzerren den Wettbewerb und behindern Innovationen sowie die Entwicklung und Markteinführung neuer Produkte.

Praxistaugliche Definition für nachhaltigen Einsatz

In Deutschland werden Produkte mit biostimulatorischen Eigenschaften bisher häufig als Pflanzenstärkungsmittel nach dem Pflanzenschutzrecht oder als Pflanzenhilfsmittel bzw. Bodenhilfsstoffe nach der Düngemittelverordnung vermarktet. Bei allen drei Produktgruppen ist die Definition nicht optimal und wird der wachsenden Bedeutung von Biostimulantien in der Praxis nicht gerecht. Die EU-Kommission will mit ihrem Verordnungsentwurf zum neuen EU-Düngemittelrecht [KOM (2016) 157] Biostimulantien einheitlich regeln und Innovationen fördern.