Zwischen Heuhotel und Hofcafé

Urlaub auf dem Bauernhof ist im Trend

„Urlaub trifft Landwirtschaft“, so könnte man die Kerndefinition von Bauernhofurlaub, Ferien auf dem Bauernhof und Co. beschreiben. Ponys und Kälbchen streicheln für die Kleinen am Nachmittag, Grillfest für die Familie und die Erwachsenen am Abend. Doch Urlaub auf dem Bauernhof bietet mehr als geselliges Beisammensein oder Ruhe und Entspannung. Freizeitsuchenden werden vor Ort viele und vor allem authentische Informationen über Landwirtschaft und das Leben auf dem Land aus erster Hand geboten! Urlaub auf dem Bauernhof heißt etwas erleben. Live, direkt, zum Anfassen.

Ferien-Bauernhof, Reiterhof, Wellnesshof, Urlaub mit dem Hund auf dem Hof, Winzerhof oder Weingut – die Liste der auf ein bestimmtes Gäste-Klientel spezialisierten Höfe ist vielfältig. Sogar Obsthöfe und Fischerhöfe sind mit dabei. Allen gemeinsam ist, dass die Höfe mit Angeboten für Ferienwohnungen oder Pensionen aktiv Landwirtschaft im Haupt- oder Nebenerwerb betreiben. Manche Anbieter und Portale ziehen den Kreis auch weiter und nehmen Landgasthöfe oder Schlösser und Burgen auf. So vielfältig, wie die einzelnen Höfe sind, so vielfältig ist auch die Anbieter-Landschaft.

Von Flensburg bis in die bayerischen Alpen

In vielen Bundesländern haben sich Arbeitsgemeinschaften und Landesverbände gebildet. In Niedersachsen bietet beispielsweise die „Arbeitsgemeinschaft Urlaub & Freizeit auf dem Lande e. V.“ unter www.bauernhofferien.de Urlaub von der Nordseeküste über die Lüneburger Heide bis in den Harz an. In Brandenburg koordiniert der Verein pro Agro unter www.landurlaub-brandenburg.de die Urlaubshöfe von der Uckermark über den Spreewald bis in den Fläming. In Baden-Württemberg finden Urlaubssuchende bei der dortigen Landesarbeitsgemeinschaft unter www.urlaub-bauernhof.de ihren passenden Hof im Schwarzwald, in Oberschwaben oder im Allgäu. Die Initiativen in den einzelnen Bundesländern haben sich in der „Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus“ zusammengeschlossen. Deren Internetauftritt wird von der zu diesem Zweck gegründeten Landtourismus Marketing GmbH unter www.landsichten.de betreut. Andere Internet-Suchportale sind an Landwirtschaftsverlage gekoppelt, außerdem gibt es freie Medienagenturen, bei denen sich Höfe bewerben lassen können, ohne einem Verband anzugehören.

Vom Zelt übers Heu bis zur Sterne-Ferienwohnung

Das Angebot an Themen und Unterkünften ist breit und umfasst beispielsweise „Bett & Box“ für Reiter, Kinderreisen für allein reisende Kinder, Heuhotel für Radlergruppen bis hin zum Wanderurlaub im Gebirge mit Übernachtung in der Almhütte. Manche Höfe beschreiben sich als „Mitmachhof“, dort ist das über die Schulter schauen bei der täglichen Arbeit der Landwirtsfamilie und bei der Stallarbeit helfen durchaus erwünscht. Auf manchen Höfen können die Gäste dabei ein sogenanntes „Stalldiplom“ erwerben. Andere Betriebe bieten geführtes Ponyreiten, Traktor- oder Kutschenrundfahrten, Anpacken bei der Obsternte oder eine Hof-Olympiade an.

Objektiv geprüfte Qualität mit Gütezeichen

Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) setzt in ihrem Kriterienkatalog für das von ihr vergebene Gütezeichen „Urlaub auf dem Bauernhof“ regelmäßige Hofführungen, Informationsquellen über die Landwirtschaft anhand von zum Beispiel Schautafeln, Info-Abenden oder Kooperationen mit anderen Betrieben mit ergänzenden Betriebszweigen voraus. Die Urlauber sollen in die tägliche Arbeit der Landwirtsfamilie mit einbezogen werden, bei der Herstellung von regionalen Produkten wie Käse, Wolle oder Öl zusehen dürfen oder an Moor-, Wald-, Kräuter- oder Pilz-Naturwanderungen mit entsprechenden Erläuterungen teilnehmen können. Beim „Winzerhof“ muss der Betrieb beispielsweise die Mithilfe im Weinberg, Mithilfe bzw. Zuschauen in der Kelterei, Weinproben oder eine Weinvesper, Wanderungen und Picknick in den Weinbergen oder die Möglichkeit zum Kauf regionaler Produkte wie Weingelee oder Schnaps anbieten. Ein „Landurlaub“ wird von der DLG mit „ländlicher Atmosphäre bzw. Ambiente“ umschrieben und beworben. Das kann eine ehemalige Hofanlage, ein Landgut oder Herrenhaus, eine historische Unterkunft, zum Beispiel eine alte Mühle, bis hin zum Schäferwagen, Tipi oder Weinfass sein.

Ein Gewinn für alle

Der Landtourismus belebt den ländlichen Raum, schafft direkte Wertschöpfung für die gastgebenden Familien und ermöglicht nicht zuletzt eine Öffentlichkeitsarbeit „direkt vom Erzeuger“ vor Ort auf den landwirtschaftlichen Betrieben. Die Betriebe bekommen eine weitere Absatzmöglichkeit für ihre selbst hergestellten Produkte und können ländliches Wissen an Besucher aus den Städten vermitteln. Etwa 10 Prozent der Betriebe beziehen aus der Vermietung an Feriengäste ein weiteres Einkommen, ermittelte das Statistische Bundesamt 2011. Das Statistik-Portal Statista hat die Anzahl der Interessenten für Urlaub auf dem Bauernhof/Lande von 1998 bis 2011 dokumentiert. Die Zahl schwankte zwischen 6,1 und 9 Millionen Interessenten. Bei einer weiteren Statista-Befragung zwischen 2012 bis 2016 zur Bevorzugung von Urlaub auf dem Bauernhof bzw. auf dem Land bei Urlaubsreisen gaben rund 10,5 Millionen Menschen in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre an, dass sie Urlaub auf dem Bauernhof/auf dem Land reizen würde. Das Bundeslandwirtschaftsministerium ermittelte in einer repräsentativen Befragung im Zeitraum 2010/2011 4,5 Millionen Deutsche, die ihren Urlaub auf dem Bauernhof verbracht haben. Die Tendenz zum Landurlaub jedenfalls ist steigend, nicht zuletzt, weil sich inzwischen das Angebot vom reinen Familienurlaub mit Kindern um viele weitere Aktivitäten und Facetten erweitert hat.