Schutz vor fremden Schädlingen und Krankheiten

	Dr. Reiner Schrage, vom Pflanzenschutzdienst NRW, kontrolliert importierte Pflanzen auf Schaderreger
  • <p><br/>	Importierte Pelargonienstecklinge aus Kenia werden am Flughafen K&ouml;ln/Bonn auf phytosanit&auml;re Unbedenklichkeit hin untersucht. Dieser Pr&uuml;fung m&uuml;ssen sich alle Pflanzen bei ihrer Einfuhr aus Drittl&auml;ndern unterziehen.</p><br/>
  • <p><br/>	Zwei phytosanit&auml;re Kontrolleure &uuml;berpr&uuml;fen Topfblumen bei LANDGART in Straelen auf ihre Exportf&auml;higkeit.</p><br/>
  • <p><br/>	Importe von Schnittblumen aus Drittl&auml;ndern werden vor der Vermarktung insbesondere auf Quarant&auml;neschaderreger untersucht, die mit ihnen eingeschleppt werden k&ouml;nnten.</p><br/>
  • <p><br/>	Asiatischer Laubholz-Bockk&auml;fer.</p><br/><p><br/>	Quelle: Bayerische Landesanstalt f&uuml;r Bodenkultur und Pflanzenbau.</p><br/>

Dr. Reiner Schrage, vom Pflanzenschutzdienst NRW, kontrolliert importierte ...

20.04.2006 - Umwelt & Verbraucher

Pflanzenbeschau und Quarantänekontrolle schützen die beteiligten Wirtschaftszweige und auch die Volkswirtschaft als Ganzes vor finanziellen Schäden

Die Einschleppung gefährlicher Pflanzenkrankheiten und -schädlinge ist nicht neu. Mit der Zunahme des globalen Handels landen zu Wasser, Luft und Land auch immer mehr pflanzliche Produkte auf unseren Märkten. Für den Schutz vor unerwünschten Begleitern ist bei uns der Pflanzenschutzdienst zuständig. Profil sprach mit Dr. Reiner Schrage vom Pflanzenschutzdienst Nordrhein-Westfalen (NRW) über die Kontrollen. Dabei geht es nicht nur um die Ware selbst, sondern auch um das Verpackungsmaterial. Einstichstellen im Obst oder Gemüse, Verfärbungen, faule Stellen oder Raupenkot in Verpackungskisten sind zum Beispiel schon Hinweise darauf, dass die eingeführte Ware nicht gesund ist. Das Erkennen der teilweise kaum sichtbaren Spuren setzt jahrelange praktische Erfahrung voraus.

Wie hoch ist das Risiko, dass gefährliche Schädlinge oder Krankheitserreger eingeschleppt werden?

Mit dem zunehmenden internationalen Handel steigt auch das Risiko. Hinzu kommt, dass sich die eingeschleppten Schädlinge bei uns unter Umständen sogar noch besser entwickeln können als dort, wo sie herkommen. Das kann daran liegen, dass sie hier auf günstigere klimatische Bedingungen treffen, keine natürlichen Gegenspieler haben und besonders schmackhafte Wirtspflanzen vorfinden.

Wie organisiert man heute den Schutz vor solchen Gefahren?

Der Schutz beginnt mit der internationalen Pflanzenschutzkonvention, in der Qualitätsstandards und Regeln festgelegt sind. Danach ist zunächst einmal der Versender verpflichtet, dass die Ware, die er ausführen möchte, gesund und frei von Schädlingen ist. Im Empfängerland werden dann Stichproben kontrolliert. Dabei wird auf Waren, die bereits bei anderen Kontrollen aufgefallen sind, das besondere Augenmerk gerichtet. Zu den Pflanzen mit einem hohen phytosanitären Risiko gehören zum Beispiel solche, die zum Anpflanzen und zur Weiterkultur bestimmt sind, wie Stecklinge, Jungpflanzen oder Obstbaumunterlagen. Bei Verdacht wird die Ware zur genaueren Untersuchung in das Diagnoselabor des Pflanzenschutzdienstes gebracht.

Was geschieht, wenn Krankheiten oder Schädlinge festgestellt werden?

In seltenen Fällen wird die Annahme der Ware verweigert und die Sendung zurückgeschickt. Bei verderblichen Gütern ist die beaufsichtigte Vernichtung am häufigsten. Bei sehr wertvollen Gütern, wie zum Beispiel Bonsais, kann auch eine Behandlung angeordnet werden. Der Befall wird sofort über das EU-Meldesystem EUROPHYT gemeldet, so dass nach kürzester Zeit alle Flughäfen und anderen EU-Einlassstellen informiert sind und ggf. die Kontrollen verstärken können.

Wie sieht es mit Quarantänemaßnahmen aus?

Quarantäne wird nur selten angeordnet, da sie schwer durchzuführen ist. Meistens werden die Pflanzen, bei denen man Nach-Quarantäne-Maßnahmen für notwendig hält, in den Gartenbaubetrieben beobachtet, die die Ware eingeführt haben. Hier werden die Pflanzen in abgeschlossenen Abteilen untergebracht, damit man sie im Notfall vernichten kann, ohne andere Pflanzen zu gefährden.

Ist bekannt, wieviel eingeführt und untersucht wird?

Im Jahr 2005 wurden ca. 5 000 Importe von Pflanzen und pflanzlichen Gütern nach NRW an den Flughäfen und Einlassstellen kontrolliert. Dabei kann eine Sendung einen Karton Schnittblumen aus Thailand oder einen ganzen Container mit Pflanzen umfassen. Für den Export wurden für mehr als 50 000 Sendungen Pflanzengesundheits-Zeugnisse ausgestellt.

Können Sie einige Ergebnisse der Kontrollen in 2005 beispielhaft nennen?

Von den Importkontrollen wurden insgesamt 28 Sendungen beanstandet. Darunter waren 12 Sendungen Nelkenschnittblumen mit Ursprung Türkei, Marokko und Spanien mit dem Altweltlichen Baumwollkapselwurm Helicoverpa armigera befallen. Diese Sendungen wurden verbrannt. Weiterhin kam es bei 6 Sendungen zu Beanstandungen, da in der anhaftenden Erde phytopatogene, also pflanzenschädliche, Nematoden festgestellt wurden. Es handelte sich um die Warengruppen Bonsai und Grünpflanzen mit Ursprung Japan und Costa Rica.

Welche Krankheiten sind aktuell bedrohlich? Gibt es für sie besondere Sicherheitsvorkehrungen?

Es gibt zahlreiche Quarantäneschaderreger, die aktuell in so genannten „Alert-Listen“ für den Europäischen Bereich veröffentlicht werden. Für die Landwirtschaft wäre die Einschleppung und Verbreitung des westlichen Maiswurzelbohrers Diabrotica virgifera eine Katastrophe. Bislang trat er in Nordeuropa nur punktuell in der Nähe von Flughäfen auf, allerdings auch ganz in der Nähe der deutsch-niederländischen Grenze.

Für unseren Wald könnte der Schadpilz Phytophthora ramorum, zu dessen Wirtspflanzen in den USA zahlreiche Gartengehölze gehören, eine ernste Gefahr werden, wenn er auch auf Eiche und Buche überginge. Auch die Kiefernnematode aus Asien und USA, die bereits nach Portugal eingeschleppt wurde, könnte unseren Kiefernbestand ernsthaft bedrohen. Eine ständige Gefahr sind die Kartoffelbakteriosen, die mit infizierten Kartoffeln importiert werden und eine Ansteckungsgefahr für die einheimische Produktion darstellen. Auch der Fund des Asiatischen Laubholzbockkäfer Anoplophora glabripennis in Bornheim bei Bonn stellt eine potenzielle Gefahr für den Baumsbestand der Umgebung dar. Bei so gefürchteten und aktuellen Schädlingen und Krankheiten werden spezielle und zum Teil sehr aufwändige Monitorings durchgeführt.