Mit Lockstoffen gegen Schädlinge

Pheromone helfen im Vorrats-und Materialschutz

„Um Lagergüter und Materialien vor schädlichen Insekten zu schützen, sind seit über dreißig Jahren Pheromone im Einsatz“, berichtet Dr. Rüdiger Plarre von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung aus Berlin im Journal für Kulturpflanzen. „Wissenschaftler konnten in den letzten Jahrzehnten die chemischen Strukturen der Pheromone aller wirtschaftlich bedeutsamen Vorrats- und Materialschädlinge entschlüsseln. Auch zukünftig werden die Lockstoffe besonders in der Forschung eine große Rolle spielen.“

Anziehende Botenstoffe

Laut Definition sind Pheromone „Substanzen, die von einem Individuum nach außen abgegeben werden und bei einem anderen Individuum der gleichen Art spezifische Reaktionen auslösen“. Meist geben Insektenweibchen Sexualpheromone ab, um ihre Geschlechtspartner anzulocken. In Sexuallockstofffallen, die das künstliche Pheromon enthalten, tappen daher zum Beispiel die paarungsbereiten Männchen der Dörrobst-, der Mehl- und der Speichermotte oder des Brot- und des Tabaknagekäfers. Neben Sexualpheromonen bilden überwiegend die Männchen zum Beispiel des Korn- und des Reismehlkäfers auch Aggregationspheromone. Diese wirken anziehend auf beide Geschlechter. Die Lockwirkung wird oft durch die Gerüche der bevorzugten Vorräte oder Materialien verstärkt.

Chemie der Lockstoffe

Pheromone bestehen in der Regel aus einer Hauptkomponente und mehreren Nebenkomponenten. Die Hauptkomponenten der Pheromone unterschiedlicher Insektenarten können chemisch identisch sein. Es hat sich bewährt, in den Pheromonfallen nur eine solche Hauptkomponente einzusetzen. Dadurch kann eine Falle ein größeres Spektrum an Schädlingen fangen. Die Namen der Pheromone enthalten oft einen Hinweis auf die lockstoffproduzierende Insektenart, etwa „Stegobione“ für Stegobium paniceum (Brotkäfer). In hohen Konzentrationen können die Pheromone anstatt lockend auch abschreckend wirken.

Praktischer Nutzen von Pheromonfallen: Sie beugen vor und bekämpfen

Bei der „Verwirrtechnik“ wird ein zu schützender Bereich mit Sexuallockstoffen so überladen, dass die Kommunikation der Schädlinge gestört ist. Die Begattung unterbleibt und damit auch die Vermehrung. Beim „Massenfang“ lockt eine Falle möglichst viele Tiere einer Population an und tötet sie ab. Eine weitere, jedoch seltenere Methode ist, die gefangenen Insekten in den Fallen mit Krankheitserregern zu infizieren und dann wieder zu entlassen. Draußen stecken sie dann ihre Artgenossen an.

Der vorbeugende Nutzen der Fallen besteht darin, das Vorkommen eines Schädlings frühzeitig anzuzeigen. So kann die Populationsentwicklung überwacht und seine Bekämpfung optimal geplant werden.

Die Fallen können auch wertvolle biologische Informationen über die Insekten liefern. Zum Beispiel zeigen Freilanduntersuchungen, dass vorratsschädliche Motten auch außerhalb von Lagern und Betrieben der Lebensmittelindustrie anzutreffen sind. So gewinnen Wissenschaftler auch Erkenntnisse zur geografischen Verbreitung eines Schädlings und zu seinen natürlichen Lebensräumen. Außerdem ermöglichen diese Fänge, das Risiko eines (Neu-)Befalls abzuschätzen.

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