Gesundheitszustand der deutschen Wälder 2015 fast unverändert

Die Buche konnte sich gut erholen

Seit 1984 erfassen Fachleute der Bundesländer jeden Sommer stichprobenartig den Kronenzustand der deutschen Wälder. Das Institut für Waldökosysteme des Thünen-Instituts berechnet daraus ein Bundesergebnis. So können Veränderungen und Risiken früh erkannt und Prognosen über die Entwicklung einzelner Baumarten erstellt werden. Die Ergebnisse helfen, wichtige Entscheidungen zum Schutz der Wälder zu treffen. Der jährlich erscheinende Bericht des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) klingt erfreulicher als im Vorjahr: Der Kronenzustand der Buche hat sich im Vergleich zum Jahr 2014 stark verbessert. Bei den übrigen Baumarten ist der Zustand fast unverändert.

Waldzustand 2015 im Überblick

Maßstab zur Beurteilung des Waldzustands ist die sogenannte Kronenverlichtung. Sie gibt an, wie viel Blatt- bzw. Nadelmasse ein geschädigter Baum im Vergleich zu einem gesunden Baum verloren bzw. nicht gebildet hat. Es gibt fünf Schadstufen der Verlichtung: Ein gesunder Baum mit kaum merklichem Verlust wird unter der Stufe 0 geführt. Zur Stufe 1 zählen Bäume mit einer schwachen Kronenverlichtung zwischen elf und 25 Prozent, sie gilt auch als Warnstufe. Die Schadstufen 2, 3 und 4 zeigen eine „deutliche Kronenverlichtung“ ab 25 Prozent an. In die Erhebung 2015 sind insgesamt 10 209 Probebäume eingegangen. 38 Baumarten wurden erfasst, davon entfallen rund 80 Prozent auf die vier Hauptbaumarten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche.

Wie schon im Vorjahr war rund ein Drittel aller Bäume gesund. Der Anteil der Bäume, die leichte Schäden aufweisen und zur Schadstufe 1 zählen, hat sich um zwei Prozent auf 43 Prozent erhöht. 24 Prozent aller Bäume – 2014 waren es 26 Prozent – zeigen sogar eine deutliche Kronenverlichtung der Schadstufen 2 bis 4. Seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984 sind die Anteile der Schadstufen 2 bis 4 bei den Laubbäumen stark angestiegen. Im Durchschnitt aller Baumarten lässt sich allerdings kein klarer Trend erkennen.

Zustand der Hauptbaumarten in Deutschland

Bei der Buche (Fagus sylvatica) hat sich der Kronenzustand gegenüber 2014 deutlich verbessert: Der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen ist von 48 Prozent auf 33 Prozent gefallen. Der Anteil gesunder Bäume ist im Laufe eines Jahres um acht Prozent auf 22 Prozent gestiegen. Der Grund für diese gute Erholung ist, dass es 2015 nur wenige „fruktifizierende“ Bäume gab. Bäume mit schweren Früchten wie die Buche verbrauchen bei starker Fruchtbildung sehr viel Energie, was sich negativ auf den Kronenzustand auswirkt.

Bei der Eiche werden die einheimischen Arten Stiel-Eiche (Quercus robur) und Trauben-Eiche (Quercus petraea) gemeinsam ausgewertet. Alle Prozentwerte sind gegenüber dem Vorjahr scheinbar unverändert. Das ist jedoch die Folge regional gegenläufiger Entwicklungen, die sich im Durchschnitt wieder ausgleichen.

Die beiden am weitesten verbreiteten Nadelbäume litten 2015 weiter unter Nadelverlusten: Nur 35 Prozent der Fichten (Picea abies) waren gesund. Wie im Vorjahr wiesen insgesamt 28 Prozent eine deutliche Kronenverlichtung auf. Von den Kiefern (Pinus sylvestris) waren 2013  noch 47 Prozent gesund, 2015 sind es nur noch 36 Prozent. Rund die Hälfte der Kiefern zählen zur Warnstufe. Der Anteil der Bäume, die eine deutliche Kronenverlichtung aufweisen, ist leicht auf 13 Prozent gestiegen.

Waldzustand und Klimaschutz

Auf den Gesundheitszustand des Waldes wirken verschiedene Faktoren ein: Dazu gehören zum Beispiel das Baumalter – ältere Bäume sind in der Regel stärker von Kronenverlichtungen betroffen als jüngere –, die Bewirtschaftung, Standortfaktoren, das Auftreten von Schadorganismen, der Eintrag von Luftschadstoffen und die Witterung. Aber auch die Klimaänderung birgt Risiken für den Wald. Andererseits leistet der Wald einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Allein in Deutschland sind in lebenden Bäumen und im Totholz 1,17 Milliarden Tonnen und im Waldboden 850 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) gebunden. Der deutsche Wald dient als CO2-Senke und entlastet die Atmosphäre jährlich um etwa 52 Millionen Tonnen CO2. Den Wald für den Klimawandel zu rüsten, ist eine wichtige Aufgabe der Forstwirtschaft.