Eichenprozessionsspinner wird bekämpft

Bürgerschutz aus vollen Rohren

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea L.) breitet sich witterungsbedingt in Deutschland weiter aus. Die Raupen des Wärme liebenden Schmetterlings besitzen Brennhaare, die beim Menschen zu schweren, gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können. Die Kommunen müssen deshalb schweres Geschütz auffahren, um ihre Bürger vor Schäden zu bewahren.

Den kleinen Eichenprozessionsspinnern ist nur ein kurzes, unscheinbares Leben gegönnt. Das "hässliche Entlein" unter den Schmetterlingen hinterlässt so gut wie keine bleibenden Eindrücke. In ihrer jugendlichen Entwicklungsphase wandern die Raupen bevorzugt in reihenförmigen Kolonien zusammen, was wie eine Prozession aussieht und der Art so ihren Namen verliehen hat. Bewehrt mit giftigen Nesselhaaren machen sie sich heißhungrig über junge Eichenblätter her. Der Schaden, den sie dabei anrichten, bleibt vergleichsweise gering. Dennoch treten die Kommunen der Raupenaktivität konsequent mit Flammenwerfern, chemischen und biologischen Maßnahmen entgegen. Aus gutem Grund. Denn die massenhaft auftretenden Raupen werfen nach einer gewissen Zeit ihre Brennhaare ab und gefährden dadurch die Gesundheit des Menschen.

Mehr und mehr Raupen in den letzten Jahren

Auch der Kreis Heinsberg ist davon betroffen. Der Kreis teilt sich ein Stück Grenze mit den Niederlanden. Von dort sind auch die Eichenprozessionsspinner eingewandert - er ist dabei aber keine invasive, gebietsfremde Art, sondern eine einheimische Art die sich aufgrund von Klimaveränderungen einen neuen Lebensraum erschließt. Der Leiter der Straßenmeisterei, Guido Domsel, erinnert sich: „Anfangs haben wir nur die betroffenen Eichen in der Nähe zu Schulen und Jugendzeltplätzen gezielt mit Nasssaugern abgesaugt. Im Jahr darauf wurden die Raupen auf den befallenen Bäumen abgeflämmt.“ Das Abflämmen ist für die betroffenen Mitarbeiter eine sehr unangenehme und gefährliche Arbeit, bei der die Brennhaare verwirbeln und sich verbreiten können. Die mit Widerhaken versehenen 0,1 - 0,3 Millimeter kurzen Brennhaare der Raupe die zusätzlich zu den langen Haaren gebildet werden, enthalten das Nesselgift Thaumetopoein, das eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auslöst. Sie entwickeln sich ab dem dritten Larvenstadium. Bei warmer und trockener Witterung und Luftströmung können die Brennhaare über weite Strecken transportiert werden. Unmittelbar nach dem Hautkontakt kommt es zu einer allergischen Reaktion*. Sie kann sich durch einen unangenehmen Juckreiz und Hautentzündungen, zum Beispiel in Form von Insektenstich-ähnlichen Flecken bis hin zur Nesselsucht äußern. Augen sind besonders empfindlich und eingeatmete Brennhaare können zu einer Reizung der oberen Atemwege führen. Auch Allgemeinsymptome wie Schwindelgefühl und Fieber sind möglich.

Um Menschen davor zu bewahren, müssen Eichenprozessionsspinner auch dann bekämpft werden, wenn die Population zu klein ist, um den Eichenbestand zu gefährden. Mechanische, biologische und chemische Maßnahmen einzeln oder auch in Kombination kommen in Betracht. Man kann die Nester mit Industriestaubsaugern absaugen oder mit Flammenwerfern abflämmen. Das Chemikalien- und Biozidrechtsieht auch denEinsatz von Biozidenvor. Vor dem dritten Larvenstadium können auch zugelassene Insektizide nach Biozidrecht lokal ausgebracht werden. Es ist sinnvoll, die Nester vor dem Abflämmen mit Mitteln wie zum Beispiel Haarspray oder Wasserglas zu besprühen, um die Nesselhaare zu verkleben und ein explosionsartiges Abwerfen zu verhindern. Anschließend wird die Kontaktstelle zur Rinde abgeflämmt, was wegen der damit verbundenen Brandgefahr nicht ganz ungefährlich ist.

In Heinsberg hat man sich für den Einsatz eines Insektizids entschieden, das im sogenannten `Raupenstadium ohne Nesselhaare`, also frühzeitig, eingesetzt wird.

Die Schädlinge nehmen das biologische Insektizid mit dem Wirkstoff Bacillus thuringiensis beim Fressen auf.Dieser Wirkstoff zerstört den Darm der Raupen. Sie sterben ab. Manuelle Bekämpfungsaktionen wie Abflämmen oder Absaugen sind danach nur noch im Ausnahmefall erforderlich.

Den optimalen Zeitpunkt abpassen

Der beste Zeitpunkt für die Behandlung der Raupen des Eichenprozessionsspinners ist direkt nach dem Hauptschlupf aus den Eiern sowie nach dem Blattaustrieb Ende April/Anfang Mai. Die jungen Raupen haben dann die höchste Empfindlichkeit für den Wirkstoff. „Die jungen Larvenstadien leben noch unauffällig am Stamm und in den Kronen der Eichen. Eine genaue Kontrolle ist deshalb wichtig, um den optimalen Bekämpfungszeitpunkt festzulegen“, erläutert Domsel. „Sobald die Raupen durch die Bildung der Nesselhaare ihr Gefahrenpotenzial geschaffen haben, kommt die Behandlung mit Bacillus thuringiensis zu spät. Trotz des Absterbens der Raupen bleibt das Nesselgift der Haare bis in den Winter hinein wirksam.“

Mit „Kanonen“ auf Raupen schießen

Inzwischen beteiligen sich schon zehn Gemeinden des Kreises an den Einsätzen, rund 9000 Eichen werden so in jedem Frühjahr mit dem Bazillus vorbeugend behandelt. Dazu beauftragt der Kreis das Lohnunternehmen Fuchs aus dem niederländischen Ort Born. Der Betrieb verfügt über mehrjährige Erfahrung bei der Eichenprozessionsspinner-Bekämpfung und auch über die notwendige Schlagkraft, um das kurze, etwa dreiwöchige Zeitfenster optimal nutzen zu können. Dafür stehen drei Spezialspritzen samt Personal mit Sachkundenachweis zur Verfügung. Die Spritze arbeitet elektrostatisch. Eine Turbine vernebelt das Sprühmittel, das durch Düsen am Ende des Rohres mit hohem Druck nach außen gepresst wird. Der austretende Sprühnebel wird elektrostatisch aufgeladen. So lässt sich das Haftverhalten der Tröpfchen an den Blättern verbessern.
 

*Allergische Reaktion nach Hautkontakt mit Eichenprozessionsspinner - Mögliche Symptome:

Die Symptome zeigen sich als Juckreiz der Haut, Reizungen der Augen und Atemwege. Die Brennhaare können zunächst zu einem starken, bis zu sieben Tagen dauernden Juckreiz führen. Dann kann ein Hautausschlag folgen, der sich in verschiedenen Erscheinungsbildern zeigen kann: Quaddeln, Hautentzündungen oder mehrere, z.T. aufgekratzte Knötchen, die an Insektenstiche erinnern. Betroffen sind vor allem Gesicht, Hals und Unterarme /Armbeugen (unbedeckte und besonders empfindliche Hautstellen). Bei Kontakt mit den Augen kann es zu Augenbindehaut-, Augenhornhautentzündungen und in äußerst seltenen Fällen zu einer Entzündung des Augeninneren (Gifthaare gelangen in die Augenkörper) kommen. Das Einatmen der Brennhaare kann zur Reizung des Rachenraumes mit Halsschmerzen, der Atemwege mit schmerzhaftem Husten bis zur Atemnot und in seltenen Fällen sogar zum Auftreten eines  Asthmaanfalls führen. Auch grippeähnliche Allgemeinsymptome wie Schwindel, Benommenheit und Fieber können vorkommen, möglicherweise sogar (allergische) Schockzustände.

Quelle: Pflanzenschutzamt Berlin 

Informationsblatt der Senatsverwaltung Berlin (PDF, 3,13 MB)

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