Der Zustand der deutschen Wälder hat sich 2014 nur leicht verschlechtert

33 Prozent aller Bäume sind gesund

Seit 1984 wird der Waldzustand untersucht. Auch für 2014 veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft wieder die Ergebnisse der bundesweiten Waldzustandserhebung. Für die Erhebung wurden insgesamt 10 229 Probebäume überprüft. 38 verschiedene Baumarten wurden erfasst. Die untersuchten Bäume sind zu rund 80 Prozent die vier Hauptbaumarten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche. Der im Februar erschienene Bericht des Ministeriums stellt fest, dass sich zwar die Eichen leicht erholen konnten, doch der Zustand der Buchen sowie des Waldes insgesamt hat sich im Vergleich zu 2013 leicht verschlechtert. Nur ein Drittel aller Waldbäume ist kerngesund.

Der Kronenzustand der Wälder ist ein wichtiges Maß für den Waldzustand

Seit 1984 erheben die Bundesländer jedes Jahr systematisch und stichprobenartig den Kronenzustand in ihren Wäldern. Das Bundesergebnis wird am Institut für Waldökosysteme des Thünen-Instituts berechnet. Seit Beginn der Erhebungen hat sich der Zustand der Nadelbäume leicht verbessert und der Zustand der Laubbäume deutlich verschlechtert. Die sogenannte Kronenverlichtung gibt an, wie viel Blatt- bzw. Nadelmasse ein Baum im Vergleich zu einem kerngesunden Baum verloren oder nicht gebildet hat. Die kontinuierliche Erhebung der Kronenverlichtung lässt Rückschlüsse über die langfristige Entwicklung einzelner Baumarten zu. Aufgrund der Ergebnisse können geeignete Maßnahmen zum Schutz der Wälder eingeleitet werden. Es gibt fünf Schadstufen bei der Verlichtung: Ein Baum mit kaum merklichem Verlust – einer Verlichtung von null bis zehn Prozent – wird unter der Stufe 0 geführt. Er gilt somit als gesund. Zur Stufe 1 zählen Bäume mit einer schwachen Kronenverlichtung zwischen elf und 25 Prozent, sie gilt auch als Warnstufe. Die Schadstufen 2, 3 und 4 zeigen eine „deutliche Kronenverlichtung“ ab 25 Prozent an, wobei immer in Fünf-Prozent-Schritten abgestuft wird.

Waldzustand 2014 im Überblick

Nachdem sich die Wälder in Deutschland in 2013 leicht erholen konnten, ging es im vergangenen Jahr wieder einen Schritt zurück. Nur ein Drittel – 33 Prozent – aller Bäume wies keine Verlichtung auf und war somit vollkommen gesund. Das sind insgesamt fünf Prozent mehr kranke Bäume innerhalb eines Jahres. Der Anteil der Bäume, die „nur“ leichte Schäden aufweisen und daher zur Schadstufe 1 zählen hat sich um zwei Prozent auf 41 Prozent erhöht. 26 Prozent aller Bäume – 2013 waren es noch 23 Prozent – zeigen sogar eine deutliche Kronenverlichtung der Schadstufen 2 bis 4.

Situation der häufigsten deutschen Baumarten

Die beiden am weitesten verbreiteten Nadelbäume litten im vergangenen Jahr stark unter Nadelverlusten. Nur 33 von ehemals 38 Prozent der Fichten (Picea abies) waren gesund, das heißt im Vollbesitz ihrer Nadeln. Insgesamt 28 Prozent wiesen eine deutliche Kronenverlichtung auf.

Von den Kiefern (Pinus sylvestris) waren 2013 noch 47 Prozent gesund, 2014 nur noch 38 Prozent. Statt 42 Prozent, gehören nun 50 Prozent der Kiefern der Warnstufe an. Der Anteil der Bäume, die eine deutliche Kronenverlichtung aufweisen, ist mit zwölf Prozent gleich geblieben.

War 2013 die Eiche die Baumart mit der stärksten Verlichtung, so ist es nun die Buche (Fagus sylvatica): Ihr Kronenzustand hat sich deutlich verschlechtert, über 48 Prozent aller Bäume zeigen eine deutliche Verlichtung. 2013 waren es noch 35 Prozent. Auch der Anteil der Bäume ohne Schäden ist innerhalb eines Jahres von 23 auf 14 Prozent gesunken.

Einzig bei der Eiche verbesserte sich das Ergebnis gegenüber dem Vorjahr: Die deutliche Kronenverlichtung sank um sechs Prozent, auf 36 Prozent. Gesund waren 24 Prozent aller Eichen. 2013 waren es nur 19 Prozent. Die einheimischen Arten Stiel-Eiche (Quercus robur) und Trauben-Eiche (Quercus petraea) werden in der Erhebung gemeinsam ausgewertet. 

Der Buchenspringrüssler machte den Buchen 2014 schwer zu schaffen

Für die erhebliche Verschlechterung des Buchenzustands gibt es zwei Gründe. Zum einen trugen die Bäume 2014 besonders viele Bucheckern und dadurch naturgemäß weniger Blätter. Das bessert sich von allein. Ähnlich ist es bei den erheblichen Fraßschäden, die der Buchenspringrüssler (Rhynchaenus fagi) im letzten Jahr verursacht hat. Der unscheinbare, zwei bis zweieinhalb Millimeter kleine Käfer aus der Familie der Rüsselkäfer frisst im Frühling und Frühsommer Löcher in die jungen Buchenblätter. Die Blätter verfärben sich später braun und sterben ab. Doch der Käfer schädigt die Bäume nicht nachhaltig. So kann die nächste Waldzustandserhebung wieder ein ganz anderes Bild zeigen.

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