Der Stauwasserboden ist Boden des Jahres 2015

Kein Boden für den Ackerbau, aber für Wälder, Grünland und seltene Tier- und Pflanzenarten

Um mehr Licht in die Welt unter unseren Füßen zu bringen, ruft ein Fachkuratorium jährlich am 5.Dezember, dem Weltbodentag, den „Boden des Jahres“ für das Folgejahr aus. Für 2015 fiel die Wahl auf den Stauwasserboden (Pseudogley). Mit einer Fläche von über 40 000 Quadratkilometern  – das entspricht nahezu der Fläche der Niederlande – und mehr als zehn Prozent der Gesamtfläche Deutschlands, ist dieser Boden bei uns weit verbreitet. Sein Wechselspiel zwischen nass und trocken macht ihn für den Ackerbau schwer nutzbar. Er ist vor allem als Waldstandort und als Grünland geeignet.

Ein wechselhafter Boden – mal nass, mal trocken

Im Winter und Frühling sowie nach längeren Regenphasen ist der Stauwasserboden besonders nass beziehungsweise feucht. Im Sommer und Herbst hingegen kann er vollständig austrocknen. Der wechselfeuchte Boden ist von oben nach unten wie folgt aufgebaut: Nach einem Stauwasserleiter, einer für Nässe gut durchlässigen Schicht, folgt ein dichterer, undurchlässiger Staukörper. Dieser besteht häufig aus Ton oder Lehm. Hier staut sich das im Boden versickernde Niederschlagswasser – daher auch der Name des Bodens.

Bei großer Nässe wird der Sauerstoff innerhalb des Bodens knapp. Deshalb wachsen auf dem Stauwasserboden nur Pflanzen, die wenig Sauerstoff benötigen und Nässe vertragen. Sobald der Sauerstoff im Boden aufgebraucht ist, nutzen Bakterien seine Eisen- und Manganverbindungen zur Energiegewinnung. Das Ergebnis dieses Prozesses ist mit bloßem Auge sichtbar: Es entsteht ein gefleckter bis marmorierter Boden mit nassgebleichten und rostfarbenen Bereichen. Häufig bilden sich harte Eisen- und Mangan-Anreicherungen.

Der einzigartige Bodentyp ist wichtig für den Naturhaushalt

Insbesondere seltene Pflanzen- und Tierarten lieben die extremen Standortbedingungen des Stauwasserbodens als Lebensraum. Auf ihm entstehen vor allem Waldgesellschaften, die es wechselfeucht mögen – Stieleichen-Hainbuchenwälder gedeihen beispielsweise besonders gut. Stauwasserboden mit besonders langen Nassphasen entwickelt häufig Torfdecken, auf denen über einen längeren Zeitraum Übergangs- oder Hochmoore entstehen können. Zudem kann der Boden nahe liegende Grundwasserböden und Gewässer mit seinem langsam abziehenden Stauwasser versorgen.

Die Nutzbarkeit des Stauwasserbodens durch die Landwirtschaft ist hingegen begrenzt: Um ihn als Ackerland zu nutzen, sind aufwändige Entwässerungsmaßnahmen nötig, da er im Frühjahr meist zu nass ist. Das Befahren mit Maschinen ist nur schwer möglich und zerstört zudem den Bodenaufbau. Im Sommer dagegen ist der Boden häufig zu trocken, um auf ihm Feldfrüchte anzubauen. Am ehesten eignet sich ist der Stauwasserboden für die Grünlandnutzung.

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