Das Spargeljahr 2017 – Spitzenstart in die Saison

Interview mit Simon Schumacher zum Spargelanbau in Deutschland

Die Spargelzeit begann in diesem Jahr mit Rekordernten. Schon im März konnten die Anbauer die ersten Stangen im Freiland unter Folienbedeckung stechen. Spargel ist der Spitzenreiter im Gemüseanbau. 2016 wurden die köstlichen Stangen auf 22 Prozent der deutschen Gemüseanbaufläche angepflanzt. Das IVA-Magazin sprach mit Simon Schumacher, Geschäftsführer des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e. V. (VSSE), über den Spargelanbau in Deutschland.

Können Sie heute schon eine Zwischenbilanz der Spargelsaison 2017 ziehen?

Einen derart frühen und ertragreichen Erntestart haben wir in den letzten zehn Jahren nicht erlebt! Dank der gesunden Spargelpflanzen im Herbst 2016 und dem kalten Winter sind die Stangen im sonnigen März geballt ausgetrieben und haben für Rekordernten gesorgt.Die Nachtfröste und die wenigen Sonnenstunden Ende April und Anfang Mai haben die Ernten jedoch deutlich gebremst. Derzeit übersteigt die Nachfrage teilweise das Angebot.

Wagen Sie schon eine Prognose abzugeben, wie es in der Saison weitergeht?

Wenn die Wettereskapaden endlich überwunden sind, kommen wir aus der Phase mit dünnen Stangen und wenig Ware heraus. Die späteren Sorten, die ab Mitte Mai reif sind, sorgen für gute Qualitäten und höhere Erträge.

Wie beurteilen Sie die Spargelpreise 2017?

Im März waren die Verbraucher noch nicht auf die Spargelzeit eingestellt. Das Angebot war groß und die Nachfrage niedrig, so sind die Preise sehr früh schnell gesunken. Seit jedoch das Angebot durch das Regenwetter sinkt, haben sich die Preise stabilisiert. Wie der Durchschnittspreis über die gesamte Saison ausfallen wird, ist noch ungewiss und hängt stark vom Wetterverlauf ab. Übrigens: Wir bieten in diesem Jahr allen Spargelanbauern erstmals die App „mein-tagespreis.de“ an. Damit können diese einfach und schnell regionale und überregionale Durchschnittspreise vergleichen.

Die Märkte für Lebensmittel sind im Umbruch. Wo sehen Sie die zukünftige Herausforderung der deutschen Spargelanbauer?

Das Informationsbedürfnis der Verbraucher wächst. Anbauer bieten schon jetzt vermehrt Hofführungen an und berichten auf ihren Webseiten oder ihre Facebook-Seiten über die Produktion. Auch der Convenience-Anteil wird weiter steigen. Zum Beispiel bieten die Anbauer geschälten Spargel als „Set“ mit weiteren Zutaten wie Kartoffeln, Schinken, Sauce und dem passenden Wein an. Wachstumspotenzial steckt auch im Grünspargel; der deutsche Selbstversorgungsgrad liegt bislang nur bei 30 Prozent. Auch jüngere Verbraucher fragen zunehmend Grünspargel nach. Jedoch ist seine Produktion weniger gut zu steuern, da das Folienmanagement nicht so einfach ist und auch Schädlinge die oberirdischen Stangen lieben.

Apropos Schädlinge – welche ungeliebten Gäste machen den heimischen Spargelanbauern zu schaffen?

Der Spargel hat wie jede andere Nutzpflanze mit zahlreichen Feinden zu kämpfen. Hier mal drei Beispiele: Ab Mitte April ist die gefürchtete Spargelfliege aktiv. Sie legt ihre Eier in die jungen Triebe ab, die daraufhin absterben. Das Spargelhähnchen, eine Käferart, legt ab Mitte Mai seine Eier ab. Die Larven können ganze Triebe kahl fressen. Und der Spargelrost, ein Pilz, befällt im Sommer das Spargelkraut, sodass die Pflanze nicht genügend Reservestoffe für das nächste Jahr einlagern kann.

Wie sieht es eigentlich mit Unkraut zwischen den Spargelpflanzen aus?

Unkraut kann den Spargelertrag stark verringern und muss unbedingt in Schach gehalten werden. Die mechanische Bekämpfung kann die Unkräuter jedoch nicht immer ausreichend entfernen, daher ist eine Ergänzung durch Anwendung von Pflanzenschutzmitteln nötig. Besonders durch schwarze Folie wird das Unkraut unterdrückt und auch der Bohnenfliegenbefall vermindert.

Warum wird Spargel überhaupt unter Folie angebaut?

Frische heimische Ware zu einem vernünftigen Preis und in bester Qualität können wir nur dank Folie anbieten. Mit der Folie können die Anbauer die Temperatur im Spargeldamm optimal und gleichmäßig steuern. Der Stress der Pflanzen nimmt ab und die Stangen verholzen weniger. Dadurch schmeckt der Spargel besser und sieht auch besser aus. Der Anbau unter Folie führt zu gleichmäßigen und hohen Erntemengen, und die Ernteperiode kann um bis zu vier Wochen verlängert bzw. „verfrüht“ werden. Außerdem sparen die Anbauer dadurch etwa 40 Prozent ihrer Produktionskosten. So ist ein niedriger Spargelpreis möglich – insbesondere in der Hauptsaison.

Warum endet die deutsche Spargelzeit konsequent am 24. Juni, dem Johannistag?

Vom Johannistag bis zum ersten Frost sind es mindestens 100 Tage. Diese Zeit braucht der Spargel, um genügend Kraft für die nächste Saison zu sammeln. Das macht er, indem aus den Stangen kräftige Büsche mit feinen nadelförmigen Blättern wachsen. Mit diesem Spargelkraut betreibt die Pflanze die Photosynthese und lagert Energie in den Wurzen ein.

Wie essen Sie persönlich den Spargel am liebsten?

Ich finde alle Varianten spannend. Aber am liebsten esse ich weißen Spargel – ganz klassisch in Wasser gekocht oder gedämpft. Nicht fehlen darf Butter und Salz, frische Petersilie, Kartoffeln und Schinken oder Parmesan. Auch den hellen Grünspargel mag ich sehr gerne. Der ist toll für Spargelsalat. Wenn es draußen heiß wird, passt er super zum Grillen oder als leichtes Abendessen. Auf unserer Facebook-Seite „Spargel von hier“ bieten wir Verbrauchern aktuelle Informationen, praktische Tipps und leckere Rezepte an.