Arzneipflanzenanbau in Deutschland

Lebensmittel, Heilpflanzen und Gewürzkräuter aus heimischer Produktion

Rund 75 verschiedene Heilpflanzen werden in Deutschland auf 13 000 Hektar erwerbsmäßig angebaut. Dabei gelten hohe Qualitätsansprüche, die durch bestes Saatgut, angepasste Produktionsverfahren und abgestimmten Pflanzenschutz sichergestellt werden. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt KAMEL untersucht besonders den Anbau von Kamille, Melisse und Baldrian. Der Name setzt sich aus verschiedenen Buchstaben dieser drei Heilpflanzen zusammen.

Der Arzneipflanzenanbau hat in Deutschland vor allem in den östlichen Bundesländern eine lange Tradition, wo schon zu DDR-Zeiten Heilkräuter angebaut wurden. Weitere Anbauländer sind Bayern, Hessen und Niedersachsen. Den größten Anteil an der Gesamtanbaumenge hat die Kamille, gefolgt von Lein, Mariendistel, Pfefferminze, Sanddorn, Fenchel, Johanniskraut und dem Wolligen Fingerhut. Auch die Bedeutung ursprünglich in China beheimateter Heilpflanzen, wie zum Beispiel der Chinesische Engelwurz, nimmt in Deutschland zu. Die Bundesregierung hat es zum Ziel erklärt, die Anbaufläche bis zum Jahr 2020 auf 20 000 Hektar zu erweitern. Viele Pflanzen werden als Küchenkräuter oder Gewürze sowie als Heiltee verwendet. Dabei werden unterschiedliche Pflanzenteile als Rohstoffe für die pharmazeutische, kosmetische, chemische oder für die Nahrungsmittelindustrie genutzt. Bei Baldrian, Ginseng und Knoblauch sind es die Wurzeln, bei der Kamille, Ringelblume, Spitzwegerich oder Schafgarbe Blüten oder Blätter und bei Anis, Fenchel oder Nachtkerze Früchte und Samen.

Hohe Qualitätsansprüche an Heilpflanzen

Die Grundsätze guter fachlicher Praxis gelten auch für Arzneipflanzen. Doch an die Kräuter und Heilpflanzen werden besonders hohe Anforderungen an Qualität und Reinheit der Erzeugnisse gestellt. Sie müssen praktisch frei von unerwünschten Bestandteilen oder von Pflanzenschutzmittelrückständen sein. Doch Krankheiten und Schädlinge machen auch vor Heilpflanzen nicht halt, Im praktischen Anbau wird der Landwirt mit einigen Problemen konfrontiert: Echte Kamille, Spitzwegerich, Petersilie, Kerbel oder gemeine Ringelblume sind empfindlich gegen Mehltau. Johanniskraut wird von einem Welkepilz dahingerafft. Rostpilze befallen Melisse und Pfefferminze. Blattläuse und andere saugende Insekten mögen und schädigen fast alle Kräuter. Bei den Doldenblütlern wie beim Fenchel können Wanzen großen wirtschaftlichen Schaden anrichten und ganze Blütenanlagen vernichten. 2012 wurde durch späten Befall in einigen Gegenden die gesamte Ernte vernichtet. Auch Beikräuter wie Ackerfuchsschwanz, Einjähriges Rispengras oder Knötericharten machen vielen Arzneipflanzen Konkurrenz und beeinträchtigen die Qualität des Ernteguts. Die unerwünschten Pflanzen werden sowohl durch mechanisches Hacken und Striegeln als auch chemisch mit für diesen Bedarfsfall zugelassenen Pflanzenschutzmitteln bekämpft.

Forschungsprojekt zum Arzneipflanzenanbau gestartet

Um den wettbewerbsfähigen Anbau von Arzneipflanzen in Deutschland zu fördern, unterstützt das Bundeslandwirtschaftsministerium ein Demonstrationsprojekt, bei dem Forschergruppen und Unternehmen für den Anbau von Kamille, Melisse und Baldrian nach züchterischen Optimierungen sowie verbesserten Trocknungs-, Anbau- und Erntetechniken suchen (KAMEL). Gelingt es, die Anbaupotenziale für Arzneipflanzen zu erschließen, bietet sich der deutschen Landwirtschaft ein neuer Einkommensbereich mit hoher Wertschöpfung und für die deutsche Pharmaindustrie eine größere Unabhängigkeit von Importen.

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