Portulak: seltenes Gemüse, aber häufiges Unkraut

20.04.2017 Schule & Wissen

Jahrhundertelang vergessen, jetzt wieder sporadisch auf dem Teller

Portulak startet in deutschen Küchen momentan ein ganz vorsichtiges Comeback. Das Gemüse hinkt der Wildform jedoch weit hinterher, die weltweit zu den wichtigsten Unkräutern zählt. Die dickfleischigen Blätter und Stängel haben einen milden säuerlich-salzigen und nussartigen Geschmack. Nach der Ernte müssen sie innerhalb von wenigen Tagen verarbeitet werden, weil sie schnell austrocknen. Typisch ist der hohe Gehalt an wertvollen Omega 3-Fettsäuren.

Wissenswert

Portulak war bei uns im 19. und 20. Jahrhundert fast vollständig von der Bildfläche verschwunden. Mittlerweile gibt es ihn in sehr gut sortierten Geschäften und auf einigen Wochenmärkten wieder zu kaufen. Etwas beliebter ist die bis zu 40 Zentimeter hohe, krautige Pflanze bei unseren westlichen Nachbarn in Frankreich, Belgien und den Niederlanden. In Indien und im mittleren Osten ist sie hingegen sehr gefragt. Die Zubereitungsformen sind unterschiedlich. Eine bekannte Variante ist der holländische Portulak. Dabei werden die Blätter kleingehackt, in Butter gedünstet, gewürzt und mit Eigelb und Mehl gebunden. Etwas Figur-verträglicher ist die Verwendung als Salat, Rohkostbeilage oder Würzmittel in Dips und Suppen. Typisch für Portulak sind die Omega 3-Fettsäuren, die vor Herz- und Kreislaufkrankheiten schützen können. Der Gehalt übertrifft Spinat um das Fünffache und Blattsalat sogar um das Zwanzigfache. Außerdem werden Portulak antibakterielle und harntreibende Wirkungen nachgesagt. Allerdings sollten Menschen mit Rheuma, Nierensteinen oder Arthritis vorsichtig sein, weil die Blätter auch reichlich Oxalsäure enthalten.

Als Unkraut kommt wilder Portulak überwiegend in milderen und trockenen Regionen Deutschlands wie zum Beispiel in der Pfalz vor. Wenn die einjährigen Pflanzen im Garten aussamen, sind sie wegen ihrer widerstandsfähigen Samen sehr hartnäckig.

Die Blätter des Wärme liebenden Gemüse-Portulaks (Portulaca oleracea) ähneln denen des sogenannten Winter-Portulaks (Claytona perfoliata), der auch als Postelein bezeichnet wird. Das kältetolerante Gemüse kann sich selbst in einem ungeheizten Gewächshaus über den Winter gut entwickeln und den Speiseplan bereichern.

Herkunft und Ansprüche

Die Herkunft des Portulaks ist nicht geklärt, sie wird aber im Gebiet zwischen Vorderasien und dem Himalaya vermutet. Bereits vor mehreren tausend Jahren war die Kultur in Ägypten, Indien und Babylon bekannt. Portulak gehört ähnlich wie die Kakteen zu den sukkulenten Pflanzen, die viel Wasser in ihren Organen speichern. Mit seinen dickfleischigen Blättern kann er auch längere Trockenphasen überstehen. Um das Wachstum zu beschleunigen, sollten Gärtner aber auf einen feuchten Boden achten. Ansonsten mag er warme und sonnige Standorte mit lockeren und sandigen Böden.

Anbau

Im Freiland wird das Saatgut ab Mitte Mai ausgesät und dabei lediglich angedrückt. Es sollte nicht mit Erde überdeckt werden, weil es ein Lichtkeimer ist. Bereits nach drei bis vier Wochen, im Gewächshaus nach 20 Tagen, ist das Gemüse erntereif. Den letzten Sommerportulak gibt es im Oktober. Winterportulak wird hingegen ab Oktober rund einen Zentimeter tief in den Gewächshausboden gesät und ist nach rund acht Wochen erntereif. Seine Saison reicht bis in den April.

Pflanzenschutz und Düngung

Portulak zählt zu den pflegeleichten Pflanzen. Bei feuchtkühler Witterung gilt es auf Pilzkrankheiten und Schnecken zu achten. Die Nährstoffansprüche sind gering.

Ernte und Lagerung

Blätter und Stängel werden oberhalb der untersten zwei Blätter abgeschnitten. Weil die Pflanze nachwächst, kann sie zwei bis vier Mal beerntet werden. Die Blütenknospen sollten regelmäßig entfernt werden. Bilden sich Blüten, bekommen die Pflanzen einen bitteren Geschmack. Die Knospen können übrigens als Kapernersatz verwendet werden. Frischen Portulak erkennt man an den saftig glänzenden Blättern und an den feuchten Schnittflächen am Stängelende. Er lässt sich ähnlich wie Feldsalat nur kurz, also rund zwei Tage im Kühlschrank lagern. Bei 0 bis 1 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit sind es maximal drei bis fünf Tage.

Zahlen

Zum Portulak-Anbau und -Verzehr in Deutschland liegen keine Statistiken vor.