Möhren: Besser gekocht als roh essen

20.11.2014 Schule & Wissen

Rundum gesund, besonders für Haut und Augen, Allroundtalent in der Küche

Gute Augen und eine schöne Haut – regelmäßiger Möhrenkonsum soll sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken. Der maßgebliche Inhaltsstoff ist Betacarotin, die Vorstufe vom Vitamin A. Möhren sind in der Küche vielseitig verwendbar. Dabei können Köche zwischen orangen, cremefarbenen oder violetten Sorten wählen. Hobbygärtner sollten vor allem auf die geringe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern achten. Die geringe Selbstverträglichkeit macht lange Anbaupausen erforderlich.

Wissenswert

Generationen von Müttern können nicht irren: Für`s  Baby das Beste, und dazu zählen Möhren. Der Nachwuchs mag deren süßlichen Geschmack und verträgt sie meistens gut. Die typische „gesunde“ Hautfarbe ist eine Folge des regelmäßigen Genusses. Betacarotin, einer Vorstufe des Vitamin A, verursacht diesen Farbeffekt. Der Inhaltsstoff beeinflusst außerdem die Sehkraft sowie das Immunsystem. Als Antioxidans erhält er die Haut frisch und jung. Mütter füttern ihre Kleinen mit püriertem und erhitztem Brei. Die Zellwände sind darin größtenteils zerstört. Mit etwas Butter lässt sich das fettlösliche Vitamin besonders gut aufnehmen. Was für Babys gut ist, gilt hier auch für Erwachsene: Wenn es auf die Inhaltsstoffe ankommt, sind gekochte Möhren oder Möhrensaft ergiebiger als grob geraspelte Rohkost.

Außer Betacarotin enthalten Möhren viel Natrium, Eisen und

Vitamin B. Noch mehr Betacarotin als gelb-orange Möhren enthalten violette Sorten, die vereinzelt im Handel zu finden sind. Für die Farbe ist Anthocyan verantwortlich. Dieser Farbstoff dient übrigens in der Lackindustrie als nachwachsender Rohstoff. Daneben gibt es gelbe, weiße und cremefarbene Sorten. Die kurzen und stumpfen Möhrchen werden Karotten genannt. Je nach Region sind Begriffe wie Mohrrüben, Rübli, Gelbe Rüben oder Wurzeln üblich.

Bevor die Kartoffel im 18. Jahrhundert ihren Siegeszug in Mitteleuropa begann, waren Möhren noch stärker als heute verbreitet. In der modernen Küche hat das Gemüse seinen festen Platz. Tiefgekühlt, gekocht oder als Salat, in Konfitüren, Suppen, Aufläufen, Kroketten und Röstis oder als Zutat in saftigen Kuchen und Broten.

Herkunft und Ansprüche

Unsere Speisemöhre (Daucus carota ssp. sativus) ist die Kulturform der wilden Möhre, die oft an Wegrändern und auf Wiesen wächst. Seit dem 14. Jahrhundert ist die Kultur in Europa bekannt. Die Wildformen wurden im antiken Griechenland und Rom als Heilpflanzen geschätzt. Möhren mögen leichte Böden mit genügend Humus, aber auch lehmigen Sand und sandigen Lehm. Die Böden sollten steinfrei, tiefgründig und gut mit Wasser versorgt sein, aber keine Staunässe aufweisen. Die feinen Samen – 1 000 Stück wiegen ein Gramm – benötigen bei der Aussaat einen sehr feinkrümeligen und gut abgesetzten Boden.   

Anbau

Im professionellen Anbau wachsen Möhren auf Dämmen, die der Anbauer mit einer Bodenfräse formt. Die Samen platziert er auf der Oberseite, etwa ein bis zwei Zentimeter tief. Der Erddamm erwärmt sich schneller, bei starkem Regen fließt das Wasser besser ab, und im lockeren Boden bilden sich längere und gleichmäßigere Möhren als im ebenerdigen Anbau. Die Aussaat beginnt in milden Regionen und auf sandigen, leicht erwärmbaren Böden bereits im Februar. Vlies und Folienauflagen beschleunigen die Entwicklung, sodass schon ab Mitte Mai sogenannte Bundmöhren frisch mit Laub auf den Markt kommen. Die Saattermine für Lager- oder Waschmöhren, die im Oktober oder November reifen, liegen im Mai und Juni. Diese kommen ohne Kraut und Wurzel auf den Markt und sind nach dem Waschen fertig zum Reinbeißen.

Pflanzenschutz und Düngung

Möhren sind besonders in der Jugendentwicklung konkurrenzschwach. Daher müssen die Anbauer Unkräuter gezielt ausschalten. Die wichtigsten pilzlichen Krankheiten sind Möhrenschwärze und Cercospora. Möhrenfliege und Möhrenminierfliege sind nur schwer zu bekämpfen und daher die bedeutendsten Schädlinge. Zwischen den Kulturen und zu anderen Doldenblütlern wie Sellerie oder Fenchel sollten mindestens vier- bis fünfjährige Anbaupausen eingehalten werden, um Möhrenschwärze und anderen Schaderregern vorzubeugen. Möhren haben im Vergleich zu anderen Gemüsekulturen einen geringen Stickstoffbedarf. Auf sehr gut versorgten Böden kann unter Umständen auf Stickstoffdüngung ganz verzichtet werden. Ein Überangebot fördert nämlich Pilzerkrankungen und das Aufreißen der Wurzeln. Ausreichende Phosphat- und Kaliumgaben fördern Ertrag und Qualität. 

Ernte und Lagerung

Weit verbreitet sind Klemmbandroder, die die Möhren am Kraut aus dem Boden herausziehen. Je nach späterer Verwendung wird das Kraut bereits auf dem Acker von den Wurzeln entfernt. Im Herbst geerntete Lagermöhren werden mit der anhaftenden und frischhaltenden Erde in Kisten gefüllt. Diese Kisten kommen ins Kühllager, das einen „Winterschlaf“ von November bis in den April ermöglicht. Weil die neue Ernte ab Mitte Mai startet, können deutsche Anbauer den Markt nahezu ganzjährig mit eigener Ware versorgen. Man sollte das Gemüse nicht zusammen mit Äpfeln, Tomaten und anderen Nahrungsmitteln, die Ethylen abgeben, lagern. Das Gas beschleunigt die Alterung. Im Gemüsefach des Kühlschranks bleiben Möhren lange knackig-frisch. In Folie eingepackt verlieren sie kaum Wasser.

Zahlen

Im Jahr 2013 bauten rund 1 800 Betriebe auf 10 189 Hektar Möhren an. Die Gesamtgemüsefläche umfasste 112 229 Hektar. Der durchschnittliche Ertrag pro Hektar lag bei 57,28 Tonnen. Diese Zahlen finden sich beim Statistischen Bundesamt. Mengenmäßig rangieren Möhren auf Platz drei der beliebtesten Gemüsesorten. Platz eins und zwei belegen Tomaten und Zwiebeln.

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