Gurken – gut waschen, aber nicht schälen

29.06.2017 Schule & Wissen

Fruchtgemüse nun auch in Gin und Limonaden

Sie besteht aus 97 Prozent Wasser. Doch die Gurke hat mehr zu bieten als schnittfeste Flüssigkeit. Traditionell verwenden wir sie als Gemüse mit vielen Zubereitungsvarianten oder auch als Gesichtsmaske in der Kosmetik. Seit einiger Zeit taucht sie auch in Getränken auf, so zum Beispiel als Zusatz in Gin und als erfrischende Limonade. Wer das Kürbisgewächs selbst anbauen will, sollte wissen, dass die Pflanze Wärme braucht und anfällig gegenüber Pilzkrankheiten ist.

Wissenswert

Salatgurken, Schlangengurken, Schälgurken, Senfgurken, Essiggurken, Gewürzgurken, Landgurken, Einlegegurken, Schälgurken, Schmorgurken oder Cornichons – die Liste der Sorten und Verwendungsmöglichkeiten ist lang. Botanisch betrachtet sind alle Gurken identisch. Grundsätzlich lassen sie sich in zwei Sortengruppen einteilen. Einlegegurken werden überwiegend durch Salz, Essig oder Milchsäuregärung konserviert und später verzehrt. Sie sind meistens zwischen 6 und 12 Zentimeter lang. Rund 80 Prozent stammen aus dem Freilandanbau. Die mild und erfrischend schmeckenden Salatgurken liegen hingegen mit etwa 25 bis 30 Zentimetern und 500 Gramm zum Frischverzehr in den Regalen. Sie werden auch als Schlangengurken oder im Freilandanbau, dessen Umfang deutlich geringer als der des Gewächshausanbaus ist, als Landgurke bezeichnet. Ihre Schale ist meistens dunkelgrün und glatt. Voll im Trend sind die Minigurken. Das sind die lediglich 15 Zentimeter langen Salatgurkenvarianten. Genau wie ihre großen Geschwister sollten sie vor der Zubereitung gründlich gewaschen, aber nicht geschält werden. Die Schale enthält nämlich den Großteil der Mineralstoffe und Vitamine.

In der Kosmetik hat die Gurke ihren festen Platz. Ihre Inhaltsstoffe klären und beruhigen die Haut. Die enthaltenen Aminosäuren binden das Wasser in der Haut, schützen sie vor Austrocknung und glätten Falten. Mildes Gesichtswasser aus Gurkensaft ist speziell für Mischhaut zu empfehlen.

Seit Ende der 1990er Jahre gibt es Gin mit einem Zusatz von Gurken- und Rosenessenz. Was früher Verwunderung hervorgerufen hätte, ist heute weit verbreitet. Viele verschiedene Drinks werden mittlerweile mit Gurkenextrakten zubereitet. Was bei alkoholischen Getränken funktioniert, geht seit wenigen Jahren auch bei Erfrischungsgetränken. Gurkensaft dient als Grundlage für eine hellgrüne Brause, die mit Fruktose gesüßt und mit etwas Basilikum veredelt wird. Sie ist in gehobenen Bars und gut sortierten Getränkeläden zu finden.

Herkunft und Ansprüche

Die Gurke (Cucumis sativa) stammt vermutlich aus Indien, wo sie schon seit etwa 3000 Jahren angebaut wird. Von dort gelangte sie über das alte Rom um 1500 n. Chr. nach Mitteleuropa. Sie zählt wie Kürbis, Melone oder Zucchini zu den Kürbisgewächsen. Ebenso wie ihre Verwandten benötigt die Gurke viel Wärme und ist frostempfindlich. Sie mag sonnige, windgeschützte Standorte. Ideal sind humusreiche, lockere und leicht erwärmbare Böden sowie regelmäßiger Regen.

Anbau

Die Salatgurke wächst bei uns überwiegend im Gewächshaus. Darin steuert der Gärtner Beleuchtung, Bewässerung, Belüftung und Heizung entsprechend den Ansprüchen der Pflanze, um Früchte mit optimaler Qualität ernten zu können. Einlegegurken werden ab Mai im Freiland ausgesät. Gurken sind einjährige Pflanzen, die auf dem Boden oder kletternd etwa 1 bis 4 Meter lang wachsen. Wichtig ist eine gute Wasserversorgung. Trockenheit verursacht Wachstumsstockungen und bittere Früchte.

Pflanzenschutz und Düngung

Bei Gurken stark verbreitet sind Pilzkrankheiten wie Falscher Mehltau oder die Fusarium-Welke. Spinnmilben und Weiße Fliege sowie Gurkenmosaikvirus oder die Bakterielle Gurkenwelke machen den Anbauern ebenso zu schaffen. Je nach Schaderreger helfen gezielte chemische Pflanzenschutz -Maßnahmen, unempfindliche Sorten oder mehrjährige Anbaupausen. Gurken zählen zu den sogenannten Starkzehrern. Für eine gute Ernte sind bedarfsgerechte Gaben an organischen oder mineralischen Düngern erforderlich.

Ernte und Lagerung

Die Ernte der Gewächshausgurken zieht sich bis auf die Wintermonate über das ganze Jahr. Freilandware hat ungefähr von Mitte Juni bis Mitte September Saison. Werden die ersten Gurken relativ früh geerntet, vergrößert sich der nachfolgende Fruchtansatz. Grundsätzlich erfolgt die Ernte, wenn die Gurken die gewünschte Größe erreicht haben. Bei Einlegegurken werden alle drei bis sieben Tage die richtigen Sortierungen herausgepflückt. Gurken sind kälteempfindlich. Sie sollten deswegen nicht im Kühlschrank, sondern am besten bei einer Raumtemperatur von rund 15 Grad gelagert werden.

Zahlen

Im Jahr 2016 wuchsen Einlegegurken in Deutschland auf 2368 Hektar mit einem Ertrag von 875 Dezitonnen pro Hektar. Salatgurken beanspruchten zwar nur 202 Hektar, erreichten aber einen Ertrag von 2309 Dezitonnen pro Hektar (Quelle: Destatis). Das Fruchtgemüse rangiert hinter Tomaten, Möhren und Zwiebeln auf Platz vier der Top-10-Gemüsearten in Deutschland. 2016 wurden bei uns 4,8 Kilogramm pro Kopf verzehrt (Quelle: AMI). Die weltweit größten Produzenten sind China, Türkei, Iran und USA.