Thripse „überfallen“ auch Zimmerpflanzen

12.01.2005 Haus & Garten

Die u. a. als Blasenfüße oder Fransenflügler bekannten Insekten saugen den Saft von allem, was grünt und blüht

Mit silbrig glänzenden Flecken auf den Blättern fängt es an: Thripse durchbohren die Wände von Pflanzenzellen und saugen sie leer. Luft dringt in die leeren Kammern ein und lässt sie weiß und silbrig glänzen. Später verfärben sich die abgestorbenen Pflanzenteile oft braun. Pilze dringen über die geschädigten Pflanzenzellen ein. Sie vollenden das Zerstörungswerk. Thripse verbreiten auch krankheitserregende Viren oder Bakterien. Ein Beispiel ist das Tomatenbronzeflecken - Virus, das ausschließlich durch Blasenfüße auf mehrere Pflanzenarten übertragen wird.

Spuren der Blasenfüße

Bei Orchideen sind manchmal auch die Blüten betroffen – sie werden fleckig und verkrüppeln. Befallene Zwiebeln von Amaryllis, Dahlien, Freesien, Gladiolen und Iris sehen runzelig aus. Befallenes Gemüse reift nicht aus, Blumenkohl wird herzlos. Beim Getreide leidet die Kornentwicklung. Als Ursache für die braun verfärbten Ähren wird fälschlicherweise oft die Spelzenbräune, eine pilzliche Erkrankung, angenommen. Einige Thripse bilden Gallen auf den Blättern wie zum Beispiel Gynaikothrips ficorum. Dieser Thrips lebt auf Ficus-Arten und wurde zu uns mit Zierpflanzen eingeschleppt.

Mit Haftblasen an den Blattunterseiten

Thripse sehen wie kleine schlanke Fliegen aus. Sie sind nur 1 bis 3 Millimeter lang, flach und meistens dunkel gefärbt. Die Mundwerkzeuge bestehen aus einem Saugrohr mit Stechborsten. Mit ihnen durchbohren sie die Zellwände. Den Namen Blasenfüße verdanken die Thripse den Haftblasen an ihren Fußgliedern, die ihnen das Anhaften an den Unterseiten von Blättern ermöglichen. Vor dem Abflug werden die borstenförmigen Haare der Flügel mit Hilfe von Borstenkämmen am Hinterleib in die Flugposition gebracht und mit Borstenkämmen an den Hinterbeinen in Ruheposition gekämmt. Das ausgefranste Aussehen der Borstenflügel brachte den Thripsen auch die Bezeichnung Fransenflügler ein.

Mehrere Generationen im Jahr

Thripse können bei trockener Wärme und einem reich gedeckten Tisch in einem Jahr mehrere Generationen bilden. Auf zeitraubende Partnersuche sind sie nicht zwingend angewiesen, da sich viele Arten auch ungeschlechtlich fortpflanzen können. Die Eier (15 bis 250 Stück) werden entweder mit Hilfe eines Legestachels in das Blattgewebe gelegt oder an den Blattunterseiten befestigt. Von der frisch geschlüpften Larve bis zum ausgewachsenen Insekt vergehen über verschiedene Entwicklungsstadien nur wenige Wochen. Die meisten bei uns verbreiteten Thripse überwintern und verpuppen sich im Boden.

Als Gewittertierchen plagen sie auch die Menschen

Ob Orchidee im Wintergarten, Gemüse im Gewächshaus oder Getreide auf dem Feld; Thripsen schmeckt fast alles. Manche Arten können an allen Pflanzenarten vorkommen, andere sind auf wenige Wirte spezialisiert. Es gibt sogar einige Arten, denen nur Pilzsporen schmecken wie zum Beispiel Phlaeothripse oder die tierische Säfte saugen (Acalothripse). Räuberisch lebende Thripse saugen Blattläusen, Schildläusen, Milben und anderen Blasenfüßen die Lebenssäfte aus. Bei massenhaftem Auftreten sind Gewittertierchen sogar dem Menschen lästig, weil sie in die Augen fliegen. Getreidethripse (Limothrips cerealium) saugen den Schweiß von der Haut auf. Das kann Juckreiz und allergische Reaktionen auslösen. Karnyothrips flavipes sticht die menschliche Haut sogar an, um Blut zu saugen.

In trockenen, warmen Wohnzimmern regelmäßig kontrollieren

Thripse fühlen sich besonders wohl in trockenen und warmen Räumen . Wer regelmäßig seine Zimmerpflanzen kontrolliert – auch die Blattunterseiten, beugt bösen Überraschungen vor. Die hellgrünen Larven sind kaum mit dem bloßen Auge zu erkennen, aber schwarze Kothäufchen sind ein sicheres Indiz. Es empfiehlt sich, mit Verdunstungsschalen die Raumluft etwas anzufeuchten. Dem Hobbygärtner stehen heute Sprays und Stäbchen gegen die Thripse zur Verfügung. Bei diesen Mitteln wird der insektizide Wirkstoff mit dem Gießwasser von den Pflanzenwurzeln aufgenommen und in der ganzen Pflanze verteilt. Die Insekten nehmen ihn mit dem Zellsaft auf.