Hollywood-Star in Deutschland: Der Weihnachtsstern

08.12.2008 Haus & Garten

Weltweit beliebteste Topfpflanze hat jetzt Hochsaison

Anfang des 20. Jahrhunderts begann der Siegeszug des Weihnachtssterns. Der deutschstämmige Amerika-Auswanderer Paul Ecke kultivierte die mexikanische Wildpflanze auf seiner Farm in Kalifornien. Sein Sohn verkaufte sie als Schnittpflanze zunächst auf dem Sunset- und dem Hollywood-Boulevard in Los Angeles. Seitdem hat die Pflanze eine glanzvolle Weltkarriere gemacht. Allein in Deutschland werden nach Angaben der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen jährlich rund 32 Millionen verkauft. Günther Sprau vom Gartenbauzentrum Straelen (Niederrhein) erklärt, wie die beliebte Pflanze angezogen wird und worauf Käufer achten sollten.

Herr Sprau, wieso blüht der Weihnachtsstern eigentlich im Winter?

Der Weihnachtsstern hat seine Heimat in Mittel- und Südamerika und ist eine Kurztagspflanze. Das heißt, er benötigt Tageslängen von weniger als zwölf Stunden, um blühen zu können. Die Gärtner decken die Jungpflanzen deswegen im Spätsommer zeitweise mit schwarzen Tüchern ab und „verkürzen“ damit deren Tage. Nach sechs bis acht Wochen haben sich dann die Blüten entwickelt. Das sind die erbsengroßen Kügelchen, die von einem Kranz auffällig gefärbter großer Hochblätter umgeben sind. Diese Hochblätter werden oft fälschlicherweise für die Blüten selbst gehalten. In der Natur locken sie Kolibris an, die die Blüten bestäuben. Der Klassiker unter den Weihnachtssternen hat leuchtend rote Hochblätter. Jedes Jahr bringen die Züchter aber neue Kreationen auf den Markt. Die Spanne reicht mittlerweile von Bordeaux über Pink, Apricot, Rosé, Zitronengelb und Cremeweiß bis hin zum zweifarbigen "Marmor"-Look.

Woher kommen die vielen Millionen Weihnachtssterne, die pünktlich zum Advent zum Verkauf angeboten werden?

Die Weihnachtssterne, die bei uns verkauft werden, kommen zum größten Teil aus deutschen Gartenbaubetrieben. Die meisten von ihnen ziehen im Frühjahr und Sommer Beet- und Balkonpflanzen. Ab August stellen sie auf Weihnachtssterne als zweite oder dritte Kultur um. Die Jungpflanzen kommen als bewurzelte Stecklinge von Züchtern und Vermehrern.

Was müssen Gärtner für vitale und kräftige Pflanzen tun?

Lange Nächte sind das A und O. Selbst schwaches Licht in der Nachtphase kann während der Anzucht die Blütenbildung verhindern. Deshalb schaffen Hobbygärtner es nur selten, einen Weihnachtsstern ein zweites Mal zur Blüte zu bringen. Darüber hinaus müssen die Pflanzen richtig gegossen werden. Dauernd „nasse Füße“ mögen sie gar nicht. Dann entwickeln sich Wurzelfäulen. In der Folge werfen die Weihnachtssterne Blätter ab, weil die Blattfläche immer in einem bestimmten Verhältnis zur intakten Wurzelmasse steht. Auch Pilzerkrankungen wie Botrytis sind ein Ergebnis von zu viel Gießwasser. Die Gärtner achten zudem auf Befall mit der Weißen Fliege sowie auf Thripse und Blattläuse. Ware mit der weißen Fliege nimmt kein Händler mehr ab.

Worauf sollte der Käufer eines Weihnachtssterns achten, um lange Freude an der Pflanze zu haben?

Frische Weihnachtssterne erkennt man daran, dass die kleinen Blüten zwischen den Hochblättern knospig bzw. noch nicht abgefallen sind. Gute Voraussetzung für eine lange Blüte bieten gesunde, kräftig aussehende Weihnachtssterne mit dichten, grünen Blättern und ohne sichtbare Beschädigungen. Pflanzen mit hängenden oder eingerollten Blättern und mit ausgetrockneten oder vor Nässe triefenden Wurzelballen sollte man nicht kaufen. Kälte oder Zugluft lassen die Pflanzen schnell ihre Blätter abwerfen. An kühlen Tagen sollten sie deshalb für den Transport in Papier eingepackt werden.

Wie sollten Weihnachtssterne in der Wohnung gepflegt werden?

Die Pflanzen müssen mäßig gegossen werden, am besten mit lauwarmem Wasser. Als Faustregel gilt: Nach dem Gießen darf das Wasser nicht länger als 15 Minuten im Untersetzer oder Übertopf stehen bleiben. Düngen ist während der Blütezeit nicht erforderlich. Weihnachtssterne mögen Raumtemperaturen von 15 bis 20 Grad Celsius und helle Standorte. Zugluft und einen Platz direkt über einem Heizkörper vertragen sie aber nur schlecht. Wer das berücksichtigt, hat mindestens sechs bis acht Wochen Freude am Weihnachtsstern. Botaniker nennen ihn übrigens Euphorbia pulcherima. Das bedeutet soviel wie „Die Schönste der Euphorbien“.