Frostschäden: Austrieb abwarten, erfrorene Teile entfernen, Pflanzen „verwöhnen“

22.03.2012 Haus & Garten

Viele Pflanzen haben unter der kurzen, aber kalten Winterfrostperiode gelitten

Der plötzliche eisige Februarfrost hat in vielen Gärten Spuren hinterlassen. Manche Schäden sind nicht wieder gut zu machen. In vielen Fällen lohnt es sich aber, die Pflanzen zu beobachten und mit gezielter Düngung wieder aufzupäppeln. Frostschäden werden nicht nur durch die maximalen Tiefsttemperaturen verursacht, sondern hängen auch von den Abhärtungsvorgängen in der Pflanze ab. Diese richten sich nach dem vorangegangen Witterungsverlauf. Wenn die Pflanzen Zeit haben, sich durch physiologische und biochemische Veränderungen auf die Kälte einzustellen, verkraften sie tiefe Temperaturen besser. Aber auch ob bei Frosteinbruch Schnee liegt oder nicht, kann ein entscheidender Faktor sein. Die Winterhärte einzelner Pflanzenzarten ist also immer nur relativ zu bewerten.

Eine regnerische und warme Witterungsperiode die im Dezember bis zu den letzten Januartagen des Jahres 2012 herrschte, hat den Pflanzen keine Zeit gelassen, sich beispielsweise durch eine Erhöhung der Zellsaftkonzentration – und damit einer Senkung des Gefrierpunktes – auf den plötzlichen Temperatursturz einzustellen. Besonders die extrem niedrigen Nachttemperaturen haben die Pflanzen auf eine harte Probe gestellt. Schutzstoffe, wie Zucker und Proteine , die in der Zelle synthetisiert werden, fördern die Frostwiderstandsfähigkeit. Dies funktioniert am besten, wenn sich die Pflanzen langsam an tiefe Temperaturen gewöhnen können. Zu den Frostresistenz-Strategien der Pflanzen gehören auch die Verringerung des Wassergehalts der Gewebe sowie Veränderungen in der Zusammensetzung von Membranen.

Da vor der Kältewelle milde Witterung herrschte, waren umfassende Winterschutzmaßnahmen nicht angebracht. Sonst hätten Anhäufeln, Mulchen mit verschiedenen Materialien, Bedecken mit Schilfmatten, Nadelgehölzreisig oder Einpacken mit Vlies und Jutesäcken manchen Schaden verhindern können. Wer nach Einsetzen des Frostes nicht sofort am ersten Tag, sondern erst im Laufe der Starkfrostperiode einen Winterschutz angebracht hat, wird nur mehr eingeschränkte Wirkungen erzielt haben. Auch Schnee hätte einen guten Schutzmantel abgeben können, aber der fehlte fast überall in Deutschland. Experten nennen das Kahlfrost. 

Schäden über und unter der Erde

Da durch die vorangegangenen Regenfälle der Boden nass war und der Frost tiefer eingedrungen ist, ist mit Wurzelschäden insbesondere bei flach wurzelnden Pflanzen zu rechnen. Die Austriebsschäden zeigen sich erst im Frühjahr. Immergrüne Pflanzen, wie verschiedene Nadelgehölze, Christrosen, Bambus oder Kirschlorbeer, einzelne Rhododendron-, Euonymus-, Schneeheide- und Lavendelheidearten sowie austreibende Blumenzwiebeln oder wintergrüne Stiefmütterchen und Bartnelken zeigten schon Ende Februar starke Frostschäden am Laub.

Winterfröste mit sehr niedrigen Temperaturen führen an Stämmen von Gehölzen zu Frostrissen. Risse in der Rinde sowie ein Aufreißen des Holzes bei älteren Stämmen und Ästen können auch die Folge von Spannungen nach starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht oder Temperaturunterschieden zwischen besonnter und sonnenabgewandter Seite der Gehölze sein. Sie entstehen vor allem an der Südwestseite der Stämme. 

Bei Obstgehölzen beugt ein Weißanstrich solchen Stammschäden vor. Bei Ziergehölzen wird aus ästhetischen Gründen in der Regel darauf verzichtet. Gegen direkte Sonneneinstrahlung und damit gegen Frosttrocknis oder Frostrisse hilft zumindest bei kleineren Gehölzen das Beschatten gefährdeter Partien. Man kann sie mit Schilfrohrmatten einbinden oder mit Nadelgehölzreisig bedecken.

Für Pflanzen, die zwar geschädigt sind, aber überlebt haben, gilt es nun bis zum Austrieb zu warten und die frostgeschädigten Pflanzenteile zu entfernen. Bei guter Wasser- und Nährstoffversorgung können sich diese Pflanzen wieder gut regenerieren.

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