"Magisches" Netzwerk erhält Kulturpflanzen

13.06.2017 Forschung & Technik

Mit MAGIC wird die genetische Vielfalt bei Wintergerste erhöht

Durch „Ramsche“ wertvolle Gene erhalten, das klingt ja geradezu magisch: Mit dem aufwändigen Kreuzungsprogramm MAGIC erweitern deutsche Wissenschaftler die genetische Vielfalt bei Gerste. Die im Lauf des Projekts entstehenden Vielliniengemische können für die Züchtung moderner Sorten verwendet werden, um sie besser an den Klimawandel anzupassen.

Das Institut für Züchtungsforschung an Landwirtschaftlichen Kulturen, ein Teil des Julius Kühn-Instituts (JKI), in Quedlinburg gründete zusammen mit dem Bundessortenamt und weiteren Partnern aus Forschung und Wirtschaft ein bundesweites Netzwerk zur Erhaltung und Anpassung von Kulturpflanzen (NEA-KULT). In einem ersten gemeinsamen Projekt geht es um die Erweiterung der genetischen Vielfalt bei Wintergerste.

Mit bestimmten Kreuzungen „Ramsche“ erzeugen

MAGIC lautet die Kurzbezeichnung eines komplexen Kreuzungsschemas, bei dem über sechs Jahre hinweg 32 Gerstensorten miteinander gekreuzt wurden. Diese Elternsorten weisen in ihren Stammbäumen, die sich zum Teil bis in die 1900er Jahre zurückverfolgen lassen, Zuchtmaterial aus 15 Ländern auf. Aus der Kreuzung dieser 32 Sorten ist nun am JKI eine Population hervorgegangen, bei der in jeder Pflanze Gene aus allen 32 Elternsorten zu finden sind. Populationen dieser Art nennt man „Ramsche“. So wurde durch konventionelle Kreuzungsarbeit eine größtmögliche genetische Vielfalt erzeugt, die Voraussetzung für eine Evolution auf dem Acker ist. Danach wird die MAGIC-Population acht Jahre lang an zwölf Standorten in Deutschland angebaut. Dabei wird die genetische Vielfalt, die diese Gerstenpopulation von ihren 32 Elternsorten ererbt hat, den unterschiedlichen Boden- und Witterungsbedingungen an den verschiedenen Standorten ausgesetzt. Wenn sich die Gerste während des mehrjährigen Nachbaus an die jeweilige Umwelt anpasst, entsteht eine Veränderung in der genetischen Zusammensetzung der Population. Es entstehen an die jeweiligen lokalen Bedingungen angepasste Liniengemische, die man als moderne Landsorten bezeichnen könnte, denn Landsorten sind ebenfalls meist Liniengemische und keine reinen Linien. Diese angepassten Liniengemische dienen dann wieder der Züchtung moderner Sorten in der gegenwärtigen Züchtungsarbeit.

Quelle: JKI-Pressemitteilung vom 3. Mai 2017