Blütenthrips – Schaderreger an über 200 Zierpflanzen

12.11.2009 Forschung & Technik

Der kalifornische Blütenthrips liebt Rosen und breitet sich in deutschen Gewächshäusern aus

Ganzjährig milde Temperaturen und ein reiches Nahrungsangebot sind für den Schädling ideal. Kann er sich ausbreiten, verursacht er beträchtliche Schäden, denn befallene Blüten sind kaum verkäuflich. Gartenbaubetriebe setzen auf den integrierten Pflanzenschutz: Mit einer rechtzeitigen Insektizid-Behandlung und dem anschließenden Einsatz von Nützlingen beugen sie größeren Verlusten vor.

Auf der Suche nach neuen Methoden

Von Wind und Wetter keine Spur: Im Gewächshaus des Pflanzenschutzdienstes Fünfhausen bei Hamburg herrschen rund ums Jahr angenehme Temperaturen. Hier erforscht Elisabeth Götte neue Bekämpfungsmethoden gegen den kalifornischen Blütenthrips (Frankliniella occidentalis). Mit Lupe und Pinzette sucht sie in duftigen Blüten nach den winzigen Schädlingen. Sie haben sich in den letzten Jahren zu den bedeutendsten Schaderregern an Zierpflanzen entwickelt und machen auch vor der Königin der Blumen nicht halt. Das Problem: Allein mit Insektiziden ist dem Blütenthrips kaum beizukommen. Er ist so klein, dass er nur oberflächlich Zellsaft saugt. Systemische Präparate, die in den Leitungsbahnen der Pflanzen unterwegs sind, erreichen ihn nicht. Da er sich in der Blüte versteckt ist er auch vor Kontaktmitteln gut geschützt. Gegen manche Insektizide ist er zudem resistent. Nur eine rechtzeitige Insektizid-Behandlung mit anschließendem Nützlingseinsatz ist erfolgversprechend.

Rosen bevorzugt

„Mittlerweile sind die Hälfte aller Rosenkulturen infiziert“ sagt die Expertin. Schnittrosen werden in Norddeutschland überwiegend unter Glas angebaut; ein Viertel der deutschen Schnittrosen werden hier produziert. Meistens gelangen die Schädlinge mit Jungpflanzen in die Gewächshäuser. Haben sie sich dort einmal eingenistet, ist ihnen kaum mehr beizukommen. Bis zu acht Jahre nutzen die Gärtner die edlen Pflanzen, die den Winzlingen genügend Verstecke bieten, berichtet Elisabeth Götte, „Wir müssen mit ihnen leben und versuchen, die Schäden möglichst gering zu halten“.

Am liebsten Blüten

Die Schäden an den Blüten sind unübersehbar: helle Flecken, braune Blattränder und Verwachsungen. Schon bei zwei Thripsen pro Blüte sieht man die Schäden mit bloßem Auge. Neben Rosen sind mehr als 200 Pflanzenarten betroffen, darunter Gerbera, Chrysanthemen, Alpen- und Usambaraveilchen, Dahlien, Begonien und Gloxinien. Der Blütenthrips überträgt auch ein Virus, das die Bronzefleckenkrankheit auslöst.

Winzlinge wollen Wärme

Der kalifornische Blütenthrips ist zwischen 1,2 und 1,9 Millimeter groß. Die Larven sind gelbweiß; die ausgewachsenen Insekten haben einen hellen Kopf und ein helles Bruststück sowie einen dunklen Hinterleib. Ihre Flügel sehen ausgefranst aus, was Thripsen auch den Namen Fransenflügler einbrachte. Bis zu 300 Eier legt ein Weibchen in trockenen Spalten und Nischen an den Pflanzen oder im Boden. Je höher die Temperaturen, desto schneller die Vermehrung: Bei 15 Grad vergehen 44 Tage von der Eiablage bis zum Schlupf des adulten Insekts. Bei 20 Grad halbiert sich die Entwicklungszeit auf 21 Tage und bei 27 Grad genügen dem Blütenthrips 14 Tage. Starken Frost im Freiland überlebt der Thrips nicht. Beheizte Gewächshäuser, wie sie im Schnittblumenanbau typisch sind, bieten ihm ideale Bedingungen.

Nützling gegen Schädling: Wer frisst wen?

Wissenschaftler und Berater setzen im Kampf gegen den Blütenthrips auf die Raubmilbe (Amblyseius cucumeris). Das Prinzip ist einfach: Die Nützlinge fressen die Schädlinge und können in Gewächshäusern gezielt eingesetzt werden. Beim Blütenthrips funktioniert der Einsatz von Raubmilben allerdings auch nur dann, wenn es noch nicht zu viele Schädlinge gibt. Das liegt zum Einen daran, dass die Raubmilben polyphag sind, das bedeutet, sie ernähren sich von allerlei Kleinlebewesen sowie von Pollen. Die Thripse werden zwar auch von Amblyseius cucumeris gefressen, sind aber nicht deren Hauptnahrungsquelle. Zum Anderen sind die Raubmilben nur in der Lage, die kleinen Erstlarven der Thripse zu erbeuten, nicht aber die wehrhafteren älteren Larvenstadien und die adulten Thripse. Sind besonders viele Thripse im Bestand, drehen sie möglicherweise sogar den Spieß um: „Wir vermuten, dass auch Blütenthripse zu Räubern werden“, sagt Elisabeth Götte. „Wenn es zu viele Thripse gibt, fressen sie ihrerseits Gelege der Raubmilben.“ Dabei stützt sich die Expertin auf Beobachtungen, dass Thripse die Eier von Spinnmilben aussaugen.

Ohne Schutz bleibt nur die Vernichtung

Neue Strategien zielen darauf ab, rechtzeitig genügend Nützlinge in den Gewächshäusern einzusetzen. Dabei helfen auch neue Methoden der Hersteller von Pflanzenschutzmitteln. Ohne Schutz müssen die Gärtner die gesamten Blüten einer Ernte (Flor*) abschneiden und vernichten. Damit die Plage nicht überhand nimmt, und weil die Rosen zum Teil so stark geschädigt sind, greifen die Rosenerzeuger derzeit im Norden zweimal jährlich auf diese drakonische Maßnahme zurück.