Der Rizinus ist "Giftpflanze des Jahres 2018"

30.01.2018 Haus & Garten

Wunderbaum mit giftigen Samen

2017 initiierte der Botanische Sondergarten Wandsbek zum 14. Mal die Wahl zur Giftpflanze des Jahres. Mit deutlichem Vorsprung landete der Rizinus, auch Wunderbaum oder Palma Christi genannt, auf dem ersten Platz bei der Wahl zur „Giftpflanze des Jahres 2018“. Insgesamt trugen 1369 und damit 24,7 Prozent der gültigen Stimmzettel den Namen der Rizinus-Pflanze. Die Wahlbeteiligung während des insgesamt 200-tägigen Abstimmungszeitraums war überdurchschnittlich hoch. Weitere Nominierte waren die Akelei, der Seidelbast, die Liebesblume sowie die Tomate.

Dekorative Zierpflanze für Parks und Gärten

Die Rizinus-Pflanze (Ricinus communis) gehört zur Pflanzenfamilie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) und stammt aus Indien und dem tropischen Afrika. Während der Rizinus in Südeuropa auch in der freien Natur zu finden ist, wird der dekorative Halbstrauch in unseren Breiten gerne in Parks und Gärten als einjährige Zierpflanze verwendet. Mit einer Höhe und Breite von jeweils bis zu 2 Metern und den großen gefiederten Blättern ist die Pflanze ein echter Hingucker. Erst recht, wenn sie von August bis Oktober die gelben (männlichen) und roten (weiblichen) Blüten an den großen, rispigen Blütenständen trägt. Von den rotbraunen, stacheligen Früchten hat die Rizinuspflanze übrigens ihren Namen: Sie ähneln einer vollgesaugten Zecke, im Lateinischen ricinus. In diesen Kapselfrüchten sitzen die rötlich-braun gefleckten Samen, die für die hohe Giftigkeit des Wunderbaums verantwortlich sind.

Das Gift steckt in den Samen

Die Samenschalen der Rizinus-Pflanze enthalten das Eiweiß Rizin, das bei einer Menge von 0,25 Milligramm tödlich sein kann. So viel Gift liefern bereits wenige Samen. Im Rizinusöl, das schon bei den alten Ägyptern verwendet wurde und seit dem 18. Jahrhundert als Abführmittel dient, ist Rizin nicht enthalten, da es fettunlöslich ist. Heute wird das Öl neben der Anwendung als Arzneimittel in der chemischen Industrie eingesetzt, zum Beispiel zur Herstellung von Kunst- und Klebstoffen, Lacken und Farben. Als Grundstoff für die Kosmetik-Industrie sowie als Brenn- und Schmierstoff spielt Rizinus ebenfalls eine große Rolle. Der bei der Ölpressung zurückbleibende Schrot ist Bestandteil von organischen Düngemitteln.

Vorsicht beim Umgang mit Giftpflanzen

Bei der Rizinus-Pflanze ist zwar einige Vorsicht geboten, besonders bei Kindern, jedoch gibt es grundsätzlich keinen Grund, sie aus Gärten und Parks zu verbannen. Darauf möchte der Botanische Sondergarten Wandsbek mit der alljährlichen Wahl der Giftpflanze des Jahres aufmerksam machen und zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Giftpflanzen anregen. Vorschläge für die „Giftpflanze des Jahres 2019“ können übrigens bis zum 20. Mai 2018 telefonisch oder über ein Online-Formular auf der Webseite des Sondergartens eingereicht werden. Am 1. Juni 2018 beginnt dann die nächste Wahlperiode; die Wahlentscheidung fällt am 15. Dezember 2018.

Die Gewinnerpflanzen der letzten Jahre:

2017: Das Tränende Herz
2016: Der Goldmohn
2015: Der Rittersporn
2014: Das Maiglöckchen
2013: Der Kirschlorbeer
2012: Der Goldregen
2011: Die Eibe
2010: Die Herbstzeitlose
2009: Der Tabak
2008: Die Herkulesstaude
2007: Der Rote Fingerhut