Agritechnica: Konjunkturlokomotive Landtechnik

15.11.2017 Forschung & Technik

Gold- und Silbermedaillen für Top-Neuheiten

Die Weltleitmesse für Landtechnik hält, was sie versprochen hat: Ein Neuheiten-Feuerwerk erwartet die Besucher noch bis zum 18. November auf dem Messegelände in Hannover. Darunter sind ein vollelektrischer Traktor, ein autonomer Maschinenschwarm oder ein sich selbst einstellender Mähdrescher. Gute Laune gibt es auch bei den Anbietern, die gute Umsätze verbuchen.

Der Trend zur Elektromobilität ist in der Landwirtschaft angekommen. Auf der Agritechnica 2017 präsentiert ein Hersteller zum Beispiel den ersten vollelektrischen Traktor. Dieser leistet 50 KW und verrichtet mit einer einzigen Akkuladung vier Stunden lang mittelschwere Arbeiten. Der abgasfreie und geräuscharme Betrieb macht ihn besonders für den Einsatz in geschlossenen Räumen wie Ställen oder in Innenstädten interessant. Eine Expertenkommission prämierte dieses zukunftsweisende Konzept mit einer Silbermedaille.

Megatrend Digitalisierung

Insgesamt wurden für die 320 eingereichten Neuheiten zwei Gold- und 29 Silbermedaillen vergeben. Bei einem genaueren Blick auf die Ausgezeichneten spiegelt sich der Megatrend in der Landtechnik wieder: Elektronische Systeme treiben die Innovationen immer weiter voran. Sie machen die Arbeit präziser, automatisieren Prozesse, erhöhen die Sicherheit und den Arbeitskomfort für den Anwender und bringen Vorteile für Umwelt und Gesellschaft.

Ein Hingucker ist in diesem Zusammenhang MARS, der erste kommerzielle Maschinen-„Schwarm“ für Arbeiten auf dem Acker. Ausgehend von der Überlegung, dass mehrere kleine Maschinen Ähnliches leisten können wie eine große Maschine, präsentiert ein Hersteller 40 Kilogramm leichte Roboter für die Maisaussaat. Der Landwirt befüllt sie mit Saatgut und „setzt“ sie auf dem Acker aus. Über diese Neuheit wird nicht nur in der Expertenkommission, sondern auch am Stand in der Messehalle heftig diskutiert. Der Skepsis der Landwirte steht die Begeisterung der Ingenieure gegenüber. Dennoch wurde auch diese Neuheit mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. Die Zukunft wird zeigen, ob und wo die Schwarmtechnologie Fuß fassen wird.

Effizienter Pflanzenschutzeinsatz

Eine weitere Silbermedaille ging an SwingStop. Hierbei handelt es sich nicht um einen Tanz, sondern um eine Technik, die Pflanzenschutzmittel besser auf der Zielfläche verteilt. An Pflanzenschutzgeräten besteht auf unebenem Untergrund und beim Beschleunigen oder Bremsen auf dem Acker das Problem, dass die bis über 30 Meter breiten Gestänge vor- und zurückschwingen und die ausgebrachte Menge auf der Zielfläche schwankt. SwingStop dämpft die Gestängebewegungen weitestgehend und gleicht Restschwingungen dadurch aus, dass die Ausbringungsmenge jeder einzelnen Düse am Gestänge blitzschnell elektronisch reguliert wird. So können Pflanzenschutzmittel hocheffizient eingesetzt werden.

Mähdrescher immer cleverer

Spannend für die Getreideanbauer ist ein Mähdrescher, der sich vollautomatisch und selbstlernend einstellt. Im Fokus steht dabei der Dreschvorgang, bei dem die Körner von Stroh und Spreu getrennt werden. Hier müssen mehrere Vorgänge ständig aufeinander abgestimmt werden, um besonders bei wechselnden Kornfeuchten oder unterschiedlichen Kulturen stets die optimale Druschleistung zu erzielen. Weil das selbst sehr erfahrenen Landwirten nicht immer gelingt, war diese Neuheit der Expertenkommission eine Goldmedaille wert.

Mit entsprechender Ausstattung kann der Mähdrescherfahrer seine Maschinendaten wie zum Beispiel Diesel-Verbrauch, Standort und Ernteertrag an den Landwirt oder andere Adressaten senden. Leider gibt es aber zwischen Geräten, Software und Herstellern nach wie vor Kompatibilitätsprobleme. Um sie zu überwinden, wird mit AGRI-Router eine universelle Datenaustauschplattform vorgestellt. Sie soll sämtliche Beteiligte an der Wertschöpfungskette verbinden, die betrieblichen Abläufe vereinfachen und die Wirtschaftlichkeit verbessern. AGRI-Router ist für diese Neuheit mit einer Silbermedaille belohnt worden.

Hohe Produktionsauslastung

Technische Innovationen und gute Verkaufserlöse in der Landwirtschaft kurbeln die Umsätze der Landtechnikhersteller an. Die deutschen Hersteller erwarten 2017 ein Wachstum von 4 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. Die Fabriken waren im Frühjahr im Mittel für erstaunliche drei Monate ausgelastet. Ein Wert, der zuletzt im Ausnahmejahr 2013 erreicht wurde.

Pflanzenschutz-Special

Auf der Agritechnica 2017 beteiligen sich außerdem insgesamt 14 Aussteller an einem Gemeinschaftsstand, einem Special mit dem Titel „Zukunft Pflanzenschutz“ – Verantwortung braucht Ideen. In Halle 15 am Stand G32 präsentieren die Aussteller ihre Entwicklungen zum Thema Pflanzenschutz . Mechanischer oder chemischer Pflanzenschutz ist entscheidend für einen erfolgreichen Pflanzenbau. Pflanzenschutz sichert die effiziente und ausreichende Produktion gesunder Nahrungsmittel und landwirtschaftlicher Rohstoffe. Der IVA ist Teil des „Pflanzenschutz-Specials“. Seine Themen am Stand sind unter anderem Biodiversität, Gewässerschutz oder die Mitmach-Aktion „Schau ins Feld!“.