Winterschnitt – wann, wie und wieviel schneiden?

19.02.2015 Haus & Garten

Obstbaumschnitt ist auch Pflanzenschutz

Es gibt immer etwas zu tun. Für manche Gartenbesitzer ist gerade das der Grund Obstbäume zu pflanzen und zu pflegen. Manche schrecken jedoch davor zurück, gerade im kalten Winter zur Astschere zu greifen und Äpfel, Birnen und Pflaumen in Form zu bringen. Gewusst wie kann schon eine Hilfe sein. Es gilt das „Wann“, das „Wie“, und das „Wieviel“, und besonders den Pflanzenschutz im Auge zu behalten. Und natürlich sollte man schädliche Eingriffe vermeiden.

Obstbaumschnitt ist auch Pflanzenschutz

So trocknen die Blätter und Früchte bei lichten Baumkronen schneller ab, und trockenes Laub wird nicht so leicht von Pilzkrankheiten befallen. Im Januar und Februar ist die richtige Zeit, um Obstbäume zu schneiden, empfehlen amtlich bestellte Obstbauberater. Dann sind die unbelaubten Bäume in der Winterruhe und gestatten so den Durchblick. Aber Vorsicht, bei starkem Frost sollte man die Bäume in Ruhe lassen, um Schäden zu vermeiden. Wenn aber die Schere zum Einsatz kommt, heißt es: „Nicht schnippeln, sondern herzhaft schneiden“. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen hat acht praxisnahe Ratschläge für den Freizeitgärtner herausgegeben.

Witterung und Temperatur

Die empfohlene Untergrenze für den Schnitt beträgt minus fünf Grad Celsius. Plus fünf Grad Celsius sind ideal. Regen und Schnee beim Schnitt wirken sich ungünstig aus.

Nicht schnippeln, schneiden

Nicht hier und da ein bisschen was wegnehmen, sondern ganze Astpartien herausnehmen. Je weniger Schnittstellen, desto weniger Wunden muss der Baum verkraften. Damit keine langen Stümpfe zurückbleiben, kappt man die Äste am besten direkt an der verdickten Stelle am Ansatz, dem Astring.

Handarbeit

Kleinere Äste mit einem Durchmesser von bis zu fünf Zentimetern nicht mit der Motorsäge abschneiden. Eine Astschere verletzt das Gewebe nämlich deutlich weniger. Dickere Äste schafft das Handgerät aber nicht. Man sollte es nicht soweit kommen lassen.

Krone formen

Weil diese Wuchsform der natürlichen Entwicklung des Baums am nächsten kommt, wird am häufigsten die sogenannte „Pyramidalkronenform“ gewählt. Die Krone ist rund und hat drei bis vier Leitäste sowie eine Stammverlängerung. Auf diese Weise wird der Baum am besten von der Pflanzung an Jahr für Jahr geformt.

Auslichten

Die Krone ist nicht nur in Form zu halten, sondern so zu bearbeiten, dass sie locker wächst, damit die Früchte genügend Sonne bekommen. Triebe, die nach innen und zu steil nach oben wachsen, werden entfernt. Liegen Äste übereinander oder behindern sich, werden die überzähligen abgeschnitten.

Auf das Verhältnis achten

Damit Obstbäume Früchte ausbilden können, brauchen sie ein gutes Verhältnis von Wachstum und Erholung. Bei den meisten Obstbäumen wachsen die Früchte an den zwei bis drei Jahre alten Zweigen. Junge Triebe ganz außen am Ast lässt man so lange wachsen. Bei älteren Bäumen, die lange nicht geschnitten wurden, nimmt man abgestorbene Äste heraus. Alle Äste, die nach innen in die Baumkrone oder nach unten wachsen, werden abgeschnitten. Sogenannte Wasserschosser – das sind die steil nach oben gerichteten Triebe – müssen entfernt werden.

Heilmittel im Winter

Nach Auskunft der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen müssen selbst größere Schnittwunden nicht mit einem Wundverschlussmittel behandelt zu werden. Andere Experten raten dagegen, ein Verschlussmittel aufzubringen, wenn ein Baum im Winter während seiner Ruhephase geschnitten wird. Es schützt die Schnittstelle vor herumfliegenden Sporen und Krankheitserregern.

Schnitt verpasst – was nun?

Es kann besser sein, den Baumschnitt während des Wachstums durchzuführen, denn dann kann der Baum die Wunden besser schließen. Wenn die Witterung also einen Strich durch die (Schnitt-)Rechnung macht oder der Hobbygärtner keine Zeit hatte, lässt sich das Versäumte im zeitigen Frühjahr noch nachholen.

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