Haselnussanbau: Erfolg mit Wissen, Erfahrung und Mechanisierung

Eine lohnende pflanzenbauliche und wirtschaftliche Alternative

Als Dauerkultur bringt die Haselnuss 40 Jahre lang Ertrag. Dazu müssen allerdings von Anfang an die Weichen richtig gestellt werden. Standort, Sorten, Bestandspflege, Pflanzenschutz, Düngung, Erntemechanisierung, Nachernteaufbereitung und nicht zuletzt der Absatz – alles muss stimmen.

„Der Trend geht zur Haselnuss“, titelt die „Augsburger Allgemeine“, und das Gartenlexikon begrüßt im Internet „einen alten Bekannten mit leckeren Früchten“. Allein in Bayern umfasst die Anbaufläche von Haselnüssen (Corylus avellana) aus der Familie der Birkengewächse (Betulaceae) mittlerweile rund 260 Hektar. 65 Landwirte betreiben hier Haselnussanbau.

Tiefgründiger, humusreicher Boden bevorzugt

Es gibt genügend Sorten, darunter viele lange bekannte. Aus aller Welt wird die Sortenvielfalt laufend angereichert. Die Nuss hat eine harte Schale und einen Kern mit dünnem Häutchen. Früchte trägt der Haselstrauch im Herbst und zwar nur am jungen Holz, das seit dem Frühjahr herangewachsen ist. Mehrere Nüsse bilden einen Fruchtstand.

„Hell, sonnig, aber nicht zu heiß oder windig sollte der Standort sein“, rät Carola Nitsch, Projektleiterin Haselnussanbau in Bayern im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten  (AELF) Fürth. Der fünf bis sieben Meter hohe baumförmige, starkwachsende Busch mag keine Staunässe. Er bevorzugt tiefgründige, humusreiche Böden. Die Hasel lässt sich auf vielerlei Weise vermehren. Carola Nitsch zählt Absenker , Ableger, Abrisse sowie Veredelungen auf Baumhasel auf.

Der pflegeleichte Haselstrauch

Zum Anbau erläutert Carola Nitsch: „Gepflanzt wird wurzelnackte Ware, einjährig als 50 bis 80 Zentimeter lange Rute oder zweijährige Ware, die ein kräftigeres Wurzelwerk hat.“ In Plantagen mit Sträuchern stehen pro Hektar 400 bis 500 Pflanzen nord-südlich ausgerichtet oder quer zum Hang. Winterschutzmatten, Jutegewebe, Vliesgewebe sowie Bänder und Kordeln schützen die Stämme vor Winterschäden. Die Bäume werden an Pfählen befestigt. Wurzelschosser sind Konkurrenten zum Hauptstamm und müssen entfernt werden. Dabei ist Abhacken oder Abreißen besser als Schneiden.

Hygiene in der Anlage ist oberstes Gebot

Haselnussbohrer, Gallmilben, Frostspanner und Blattwespenlarven entwickeln einen großen Appetit auf die Nüsse und das Laub. Der Fruchtfäule verursachende Pilz Monilia kann die Pflanzen stark schädigen. Fraßschäden durch Eichhörnchen, Mäuse und Vögel kommen hinzu. Zur Vorbeugung empfehlen sich Sitzstangen für Greifvögel sowie eine rasche Ernte der heruntergefallenen reifen Nüsse. Über den Winter sollten keine Nüsse in der Anlage liegenbleiben.

Bakterien wie Pseudomonas und Xanthomonas rufen Erkrankungen hervor, die den Knospenaustrieb hemmen und die Blätter welken lassen. Diesen kann man mit gesundem Jungpflanzenmaterial vorbeugen. Es hat sich auch bewährt, befallene Sträucher zurückzuschneiden. Der Haselstrauch dankt eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung.

Viel Aufmerksamkeit für das empfindliche Erntegut

Ab dem zehnten Standjahr liefert die Pflanze den ersehnten „Vollertrag“. Beraterin Carola Nitsch beziffert ihn durchschnittlich mit 3,5 bis vier Tonnen je Hektar. Spezielle Haselnusserntemaschinen erledigen die Erntearbeit. An abschüssigen Flächen lohnt es sich, die Früchte in Netzen aufzufangen. Experten sprechen von „Ernte mit Netzunterspannung“.

Unmittelbar nach der Ernte reinigen die Haselnussanbauer die Nüsse von Steinen, Erde und Pflanzenresten, um sie anschließend mit starken Umluftgebläsen auf fünf bis sieben Prozent Feuchtigkeit herunter zu trocknen. So nehmen die hochfetthaltigen Nüsse keinen Schaden. Um auf der sicheren Seite zu sein, rät Carola Nitsch von vornherein, die Sorten zu wählen, die sich für die gewünschte Absatzart am besten eignen. Zu unterscheiden sind der Verkauf der Nuss in der Schale an den Verbraucher, die Lieferung an regionale Backwarenhersteller und der Absatz an die weiterverarbeitende Industrie, vom Süßwaren- bis zum Backzutatenhersteller.

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