Erntedank – Kartoffelhahn, Thanksgiving und N'cwala

02.10.2013 Schule & Wissen

Menschen aller Nationen und Kulturen danken für eine gute Ernte

Mit seiner etwa 5 000-jährigen Geschichte ist das Erntedankfest eines der ältesten Feste überhaupt. Auch heute erinnert Erntedank vor allem daran, dass gute Ernten keineswegs selbstverständlich sind. Es ruft uns die Bedeutung der Landwirtschaft und der Arbeit der Landwirte in Erinnerung. Menschen auf der ganzen Welt bedanken sich für ihre Ernten – auf unterschiedliche Art. Und da die Erntezeit vom Klima abhängt, gibt es keinen einheitlichen Termin für Erntedank. Eine kleine Rundreise  durch Erntedankbräuche.

Noch vor rund 100 Jahren lebten über 80 Prozent der deutschen Bevölkerung auf dem Land und von der Landwirtschaft. Gute Ernten waren überlebenswichtig, denn im Winter und Frühjahr wurde die Ernte des Sommers verzehrt. Auch heute hängt unsere Versorgung von den Ernten ab. Längst sind es nicht mehr nur die Felder vor unserer Haustür, unser „tägliches Brot“ kommt aus aller Welt. Auch heute noch hängen die Ernteerträge von der Natur und ihren Launen ab. Witterung, Schädlinge, Krankheitserreger, Unkrautkonkurrenz und Verlust von Ackerboden und Nutzfläche beeinflussen das Ergebnis den ständig verbesserten Anbaumethoden zum Trotz bis heute.

Erntebräuche – Kartoffelhahn, Erntekrone und Almabtrieb

Ackerbau und Viehzucht waren bei uns noch bis in die Mitte des 20 Jahrhunderts überwiegend schwere, anstrengende Handarbeit. Vor allem zur Erntezeit brauchte man viele Helfer. War die Ernte eingebracht, feierten alle Beteiligten nicht nur Erntedankgottesdienste, sondern auch Feste. In vielen Gegenden Deutschlands wird Erntedank bis heute feierlich begangen. Eine Tradition ist der „Kartoffelhahn“. Als die Kartoffeln noch von Hand geerntet wurden, riefen die Erntehelfer "Mir han scho de Hahn!", wenn sie fertig waren. Dann wusste der Bauer, dass er nun einen oder auch mehrere Hähne für das gemeinsame Festessen bereitstellen musste.

Erntepuppen aus Stroh zu Ehren des Getreides gibt es bis heute: Riesige Puppen aus Strohballen zieren viele Ortseingänge. Mancherorts binden die Erntehelfer aus den letzten Strohgarben eine Strohpuppe, die als Opfergabe auf dem Feld bleibt oder sogar verbrannt wird. Andere Bräuche sind der Erntedankumzug sowie Erntekrone oder –kranz. In diese Kronen oder Kränze werden übrigens am Gründonnerstag gesammelte Kränze aus Blumen und Kräutern eingeflochten. Sogar der Almabtrieb in den Bergen gehört zu den Erntebräuchen als Ausdruck des Dankes für gesundes Vieh. Volksfeste, Jahrmärkte und Hoffeste beziehen sich auf Erntedank.

Traditionelle Erntedankgerichte sind zum Beispiel in Schottland der 'Hotch-potch', eine gehaltvolle Suppe aus frischem Fleisch und feinem Gartengemüse. In Cornwall werden 'Cornish Pasties' gereicht, handgroße Pasteten mit einer Füllung aus Fleisch und Gemüse. Undenkbar ist Tanksgiving, das nordamerikanische Erntefest, ohne Truthahn, „Cranberry-Sauce“ und „Pumpkin-Pie“ (Kürbiskuchen).

Der Urspung liegt in vorchristlicher Zeit

Seine Wurzeln hat das Fest in vorchristlichen Religionen. Bereits im Judentum und bei den alten Römern wurden die Gaben der Erde gefeiert. Auch Griechen und Ägypter dankten ihren Fruchtbarkeitsgöttern mit Opfergaben für ihre Ernte. Und die Germanen, genauer die Sachsen, huldigten in der Woche nach Herbstbeginn dem germanischen Gott Wotan. Unser heutiges Erntedankfest haben wir wahrscheinlich von den Römern übernommen, die schon seit dem dritten Jahrhundert nach Christus Erntedank feierten.

Erntedank in den Weltreligionen

Beim jüdischen Laubhüttenfest werden Hütten gebaut und mit Erntefrüchten dekoriert. Im Islam findet man im Fastenmonat Ramadan und bei dem anschließenden Fest Anklänge an Erntedank. Im Hinduismus heißt das Fest „Makar Sankrant“ und dauert zehn Tage. Die Gläubigen gedenken des gerechten und wohltätigen Königs Mahabali, der nach seinem Opfertod sein Volk auf der Erde besucht haben soll.

Nationalfeiertag Thanksgiving

Das amerikanische Thanksgiving, gefeiert am vierten Donnerstag im November, ist eine noch recht junge Tradition. Der Ursprung dieses Nationalfeiertags liegt in einem gemeinsamen Fest der Pilgerväter mit den Indianern im Jahr 1621. Die Indianer wurden eingeladen, weil sie den Kolonisten im Winter mit Lebensmitteln ausgeholfen und sie gelehrt hatten, wie man Mais anbaut.

Alte und neue Feste

In Japan feierte man früher das shintōistische Ritual "Niinamesai", das heißt Kosten des neuen Reises. An diesem Tag opferte der Kaiser den Göttern einen Teil der neuen Reisernte. Heute feiert man stattdessen "Kinrô Kansha no Hi", den Tag des Dankes für die Arbeit. In China und in Taiwan gibt es Mondfeste zu Ehren der Verstorbenen und zugleich auch als Erntedank. Das alte China feierte sein Erntefest, Chung Ch'ui, in der Vollmondnacht, die auf den 15. Tag des 8. Monats fällt, da man diesen Tag für den Geburtstag des Mondes hielt.

Ein Erntefest ganz anderer Art ist das traditionelle N'cwala, das unter anderem in Swasiland, Sambia und in Simbabwe gefeiert wird. Nach alten Riten und Tänzen danken die Menschen den Ahnen für die Ernte und erbitten ihren Segen für die kommende. Als Höhepunkt des mehrtägigen Festes wird ein Ochse geschlachtet. Das Opfertier soll gute Erträge garantieren.

So unterschiedlich das Brauchtum in den verschiedenen Regionen und Ländern auch sein mag, eines ist überall gleich: Am Erntedankfest bedanken sich die Menschen für die Früchte der Erde und würdigen nicht zuletzt die Arbeit der Bauern und Landwirte.

Termine, Termine, Termine

In Deutschland wurde 1972 von der katholischen Bischofskonferenz der erste Sonntag im Oktober als Tag für das Erntedankfest bestimmt. In evangelischen Kirchen wird der Erntedanktag am ersten Sonntag nach dem Michaelstag am 29. September als Festtag begangen. Und in den USA gilt seit Präsident Roosevelt der vierte Donnerstag im November als Termin für den Thanksgiving Day.