Jahrespressekonferenz 2014 / IVA: Überregulierung in Europa bremst Innovationen aus

Frankfurt/Main 12.05.2014

Erneut steigende Umsätze auf deutschem Pflanzenschutzmarkt

Im dritten Jahr in Folge konnten die Hersteller und Anbieter von Pflanzenschutzmitteln ihre Umsätze auf dem deutschen Markt steigern. Der Nettoinlandsumsatz im Direktgeschäft zwischen Industrie und Großhandel belief sich 2013 auf 1,506 Milliarden Euro, was einer Steigerung von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr (1,401 Mrd. Euro) entspricht. Diese Zahlen meldete der Industrieverband Agrar e. V. (IVA) heute anlässlich seiner Jahrespressekonferenz in Frankfurt.

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Im Pflanzenschutzbereich dämpft der Druck einer sich immer weiter verschärfenden Regulierung, insbesondere durch neue Vorgaben aus Brüssel, die Euphorie über das Umsatzwachstum des Vorjahres. „Es sind noch keine Bäume in den Himmel gewachsen; gerade im Pflanzenschutzbereich sehen wir mit einiger Besorgnis auf die kommenden Jahre. Die Zulassungen für zahlreiche Wirkstoffe laufen aus, und eine überzogene Regulierung auf EU-Ebene blockiert die Wiederzulassung und die Entwicklung neuer Substanzen“, kommentierte IVA-Präsident Helmut Schramm. „Wenn es so weiter geht, stehen die Landwirte in Deutschland über kurz oder lang ohne moderne Pflanzenschutzmittel da. Dies hätte weit reichende Folgen für die Produktivität und die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Landwirtschaft, aber auch für die Verbraucherpreise“, so Schramm.

Während sich die EU gerne als Wachstumsmotor präsentiert, tritt sie nach Ansicht Schramms im Pflanzenschutzbereich ständig auf die Innovationsbremse. Beispielhaft nannte er die derzeit diskutierte Leitlinie für die Risikobewertung von Pflanzenschutz­mitteln für Bienen. „Ob diese Leitlinie zu mehr Bienenschutz führt, darf man durchaus bezweifeln. Dass sie durch überzogene Anforderungen die Entwicklung und Einführung neuer Insektizid-Wirkstoffe für Europa behindert, ist dagegen offenkundig, da einige der Vorgaben schon rein technisch nicht zu bewältigen sind“, erläuterte der IVA-Präsident.

Als Beispiel nannte er neue Regeln für Feldstudien, die in dem Leitlinienentwurf festgelegt sind. Um eine einzige Feldstudie nach den Vorstellungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA durchzuführen, braucht es ein Versuchsareal von 448 Quadratkilometern. „Für eine einzige Feldstudie würde man in Zukunft eine Fläche benötigen, die fast doppelt so groß ist wie Frankfurt am Main oder etwa halb so groß wie Berlin. Dieser Schildbürger-Streich aus Brüssel wird dazu beitragen, dass den Landwirten künftig noch weniger moderne Insektizid-Wirkstoffe zur Verfügung stehen werden“, monierte Schramm.

Ähnliche Ansätze zur Überregulierung sieht der Wirtschaftsverband bei den Versuchen der EU, eine einheitliche Definition für endokrine Disruptoren (hormonschädliche Stoffe) zu entwickeln. Die besonders strengen Zulassungsregeln im Pflanzenschutzbereich mit so genannten Ausschlusskriterien (Cut Offs) hätten zur Folge, dass neun der zehn wichtigsten Getreidefungizide vom Markt verschwinden könnten. Im Kartoffelanbau würde die Hälfte der heute zugelassenen Produkte verschwinden, ohne dass Ersatz verfügbar wäre.