Walderhaltung durch Pflanzenschutz: Hilferuf bei Politik angekommen

19.09.2014

Magdeburg - Rund 150 Waldbesitzer demonstrierten am 17. September in Gardelegen (Sachsen-Anhalt) bei einer Protestveranstaltung unter dem Motto „Walderhaltung durch Pflanzenschutz“ lautstark gegen die behördliche Blockade des Pflanzenschutzes im Wald, damit der Waldvernichtung durch Schadinsekten im Zuge des Klimawandels entgegengewirkt werden kann. Die Waldbesitzer richteten einen Forderungskatalog an die Politik, die ihrerseits Bereitschaft zur Soforthilfe zusagte.

Um drei Hauptforderungen geht es im Kern:

  1. Übertragung der Zuständigkeit für Fragen von Forstschutz durch Pflanzenschutz und für den Einsatz von Luftfahrzeugen auf die Bundesländer.
  2. Der Einsatz effektiver Mittel zum Pflanzenschutz im Wald muss auch künftig regulär mit Bodengeräten und Luftfahrzeugen möglich sein, um akut gefährdete Wälder vor dem Absterben zu retten.
  3. Realitätsferne Auflagen jenseits von EU-Regelungen, wie die Beschränkung des Pflanzenschutzes auf höchstens 50 Prozent eines von Schadinsekten und/oder Pilzen befallenen Waldgebiets, darf es nicht länger geben.

 

Seine Solidarität mit den vom Wald lebenden Familien bekundete Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister, Hermann Onko Aeikens: „Wir können es nicht zulassen, dass unser Wald von diesen Schädlingen kahl gemacht wird.“ Er begrüßte den „konstruktiven Vorschlag“, Kompetenzen von der Bundesebene, wo Entscheidungsträger nicht immer die notwendige fachliche Gesamtschau besäßen, auf die Landesebene und Behörden vor Ort zu verlagern.

 

Dr. Ralf Petercord, Leiter Sektion Waldschutz im Deutschen Verband Forstlicher Forschungsanstalten, kritisierte fachfremde Sichtweisen des Umweltbundesamts (UBA). Er verurteilte außerdem die Art und Weise, wie Naturschutzverbände aus dem Thema Pflanzenschutz Kapital schlügen, etwa indem sie PR-Fotos mit Kindern während Pflanzenschutzanwendungen initiieren. Forstleuten warf er vor, bislang zu wenig über das Problem aufgeklärt zu haben.

Petra Crone, forstpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, sagte: „Wir brauchen eine Vielfalt an Pflanzenschutzmitteln, um auch im Wald Erträge zu sichern und die Vielfalt von Flora und Fauna zu garantieren.“

Alois Gerig, Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft und Berichterstatter für Wald und Forstwirtschaft, sprach sich für praktikable Regelungen aus und für ein Ende des „Behörden-Hickhacks“.

Für die Linksfraktion stellte Katrin Kunert fest, dass man sich „in Bezug auf den Eichenprozessionsspinner in den vergangenen Jahren immer wieder für eine praxisnahe Zulassung und Applikation unterschiedlicher Wirkstoffe eingesetzt“ habe.

Die drei Bundestagsabgeordneten befürworteten schnellstmögliche Runde-Tisch-Gespräche. „Je eher desto besser“, unterstrich Ministerialdirigent Axel Heider vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL).

>> Original-Pressemitteilung

Quelle: http://www.perspektive-mittelstand.de
Autor: Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt e. V.