Unstatistik des Monats: Gen-Mais tötet

01.10.2012

Mit der „Unstatistik des Monats“ (www.unstatistik.de) hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und der Vizepräsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI),  ,,,,, Thomas Bauer, jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen.

Für die Professoren ist die Unstatistik des Monats September die Meldung, dass genmodifizierter Mais Krebs erzeugen soll. Ein Wissenschaftlerteam um den Franzosen Gilles-Eric Séralini hatte berichtet, dass bei Ratten, die über einen längeren Zeitraum mit genmodifiziertem Mais gefüttert worden waren, schwere gesundheitliche Schäden aufgetreten sind. Insbesondere starben diese Ratten häufiger als andere an Krebs. Damit sei die genetische Modifikation des Futters als Verursacher von Krebs identifiziert. 

In vielen deutschen Medien wurde die Meldung recht unkritisch übernommen und als „alarmierend“ verbreitet. Minister der französischen Regierung sollen die EU zum Handeln aufgefordert haben. Die Meldung ist aber aus Sicht der Statistik nur als Unfug zu bezeichnen, sagen die drei Wissenschaftler. Denn die Anzahl von Ratten, die binnen eines gegebenen Zeitraums an Krebs versterben, schwanke sehr stark. Außerdem hätte die französische Forschergruppe nur zehn Tiere in der Kontrollgruppe der nicht mit Gen-Mais gefütterten Tiere untersucht. Aufgrund dieser sehr geringen Zahlen könnten Unterschiede in der Krebsmortalität sehr leicht allein durch Zufall auftreten. Sie seien im Sinne der mathematischen Statistik „nicht signifikant“, also nicht aussagekräftig genug, um auf einen ursächlichen Zusammenhang schließen zu können. Dies lasse sich anhand statistischer Tests nachweisen; aber das könne auch jeder daran erkennen, dass die Gruppe von Ratten, welche mit dem höchsten Anteil an Gen-Mais gefüttert wurden, tatsächlich die höchste (!) Überlebensrate hatte. 

Die Professoren verdeutlichen dies mit einer Analogie: Drei von zehn Bundesbürgern sterben derzeit an Krebs. Greift man beliebig zehn Bundesbürger heraus, sterben aber nur selten genau drei davon an Krebs. Die tatsächliche Zahl der Krebsfälle schwanke dabei zwischen null und zehn. Wenn man wissen möchte, ob das Essen von Bonbons die Krebssterblichkeit erhöht, aber nur zehn Bürger untersucht, die keine Bonbons essen, dann könne es leicht sein, dass von diesen zehn nur zwei an Krebs sterben. Daraus ließe sich aber nicht schließen, dass Bonbons die Sterblichkeit um 50 Prozent (von zwei auf drei) erhöhen. 

Genau dieser Fehler wurde aber bei der Gen-Mais Studie gemacht, so die Wissenschaftler. 

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Telefon +49 30 82406-0
Prof. Dr. Walter Krämer, Telefon +49 231 755-3125

Quellen
>> Informationsdienst Wissenschaft e. V. (idw)
>> Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e. V. (RWI)

Weitere Hintergrundinformationen zum Thema

Wissenschaftliche Bewertung der Veröffentlichung von Séralini et al.  durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR):

>> Pressemitteilung
>> Stellungnahme (PDF, 61 KB)