Süße Beeren lieben es sauer

Heidelbeeren stellen eigene Anforderungen an den Standort

Mitten im Sommer haben sie Saison, die Heidelbeeren. Die kleinen, blauen Früchte mauserten sich in den vergangenen Jahren in Deutschland zu einem überaus beliebten Obst. Auf den Tisch kommen vor allem die Kulturheidelbeeren. Die Beeren gelangten von Nordamerika zum deutschen Verbraucher. Sie stammen nicht von den in Europa heimischen Heidelbeeren, Blau- oder Waldheidelbeeren ab, sondern werden seit 1909 in Nordamerika aus amerikanischen Wildsorten gezüchtet.

Entfernte Verwandte

Die heimischen Heidelbeeren und die Kulturheidelbeeren sind nach Angaben des Bundes deutscher Heidelbeeranbauer nur ganz entfernt miteinander verwandt. Der Verwandtschaftsgrad der beiden Beeren liegt demnach etwa bei dem von Pflaumen und Kirschen. Das erklärt auch die Unterschiede. Beide Früchte haben zwar eine feste blaue Schale, doch nur die heimischen Waldheidelbeeren färben ab. Das Fruchtfleisch der Kulturheidelbeeren ist hell, sie sind größer und weisen nur wenige Kerne auf. Der Botaniker Wilhelm Heermann testete in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts amerikanische Züchtungen auf ihre Eignung auf deutschen Standorten. Dem Pionier gebührt der Dank der Beerenfreunde.

Viele verschiedene Formen

Die einheimische Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) stammt aus der Familie der Heidekrautgewächse. Sie ist auch als Mollbeere, Wild- oder Waldbeere, Bickbeere oder Moosbeere bekannt. Die Pflanzen werden etwa 50 Zentimeter groß. Die Sträucher wachsen auf nährstoffarmen Böden am besten. Die blauen, grau bereiften Früchte entwickeln sich aus den Blüten im Spätsommer. Die Früchte der Kulturheidelbeeren sind deutlich größer, die Pflanzen meist auch. Durch Züchtung mit den Arten, die in den USA und Kanada heimisch sind, entstanden viele unterschiedliche Formen und Sorten. Manche Pflanzen wie die Highbush Blueberries schießen bis zu fünf Metern in die Höhe. Halbhohe Formen werden bis zu zwei Meter hoch. Die niedrigbuschigen hingegen erreichen nur höchstens 70 Zentimeter.

Die Beeren lieben es sauer

Die Kulturheidelbeeren wachsen nicht auf jedem Boden. Sie lieben es sauer. Die Pflanzen brauchen einen sauren, humosen, nährstoffarmen und feuchten Boden. Der pH-Wert sollte bei etwa vier liegen. Die Sträucher bevorzugen sonnige und möglichst windgeschützte Standorte. Es darf aber auch nicht zu heiß werden, weil die Pflanzen sonst austrocknen könnten. Nässe behagt ihnen ebenfalls nicht, Staunässe als Flachwurzler schon gar nicht.

Am liebsten ist den Pflanzen ein naturbelassener Boden. Geeignete natürliche Standorte finden sich allerdings nicht so häufig. Deshalb wird der Anbau auch auf weniger geeigneten Standorten erprobt. Passen die Bedingungen nicht, geraten die empfindlichen Pflanzen in Stress. Schädlinge und Krankheiten breiten sich dann gerne aus. Diverse, durch Pilze hervorgerufene Erkrankungen, wie beispielsweise Botrytis, die Anthraknose oder Monilia können auftreten. Die Heidelbeerblattlaus fühlt sich vor allem in Junganlagen wohl. Auch Engerlinge, Vögel oder Mäuse finden an den Beeren Gefallen.

Heidelbeeren sind begehrt

Die Deutschen verzehren immer mehr der süßen Früchte. 2013 stieg die Anbaufläche um sieben, die Erntemenge sogar um 17 Prozent. Mit einer Anbaufläche von inzwischen 2 000 Hektar und einer Erntemenge von etwas über 10 000 Tonnen sind die Heidelbeeren die meist geernteten Strauchbeeren in Deutschland, noch vor den schwarzen, roten und weißen Johannisbeeren und den Himbeeren. Weltweit sind die Nordamerikaner Marktführer. 2006 lag die Anbaufläche in den USA bei rund 22 000 Hektar, in Europa waren es knapp 5 000, davon 1 800 Hektar in Deutschland. Ein Wachstumsmarkt also.

Nicht nur lecker, sondern auch schön

Die Heidelbeere hat zu jeder Jahreszeit etwas zu bieten, deshalb ist sie auch als dekorativer Zierstrauch im Garten beliebt. Im Frühjahr treiben die jungen Blätter, wenig später folgen die weißlichen Blüten, die Krügen ähnlich sehen. Im Spätsommer wachsen die blauen Früchte, und im Herbst verfärben sich die Blätter leuchtend gelb und rot. Sie eignen sich auch zum Anbau in Kübeln, wenn es gelingt, die speziellen Bodenwünsche der Kulturheidelbeeren zu erfüllen. Dafür empfiehlt es sich, eine Mischung aus reichlich Torf, Sand und Waldboden oder ein Substrat für Rhododendren oder Azaleen, die wie die Heidelbeeren zu den Heidegewächsen gehören, in das Pflanzloch oder den Kübel zu geben.

Gesundheit

Heidelbeeren werden in der Literatur oft als „Wunderbeeren“ bezeichnet. Das liegt vor allem an den besonderen gesundheitlichen Wirkungen, die den Anthocyanen zugeschrieben werden. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es nicht. Wer keine Wunder erwartet, interessiert sich vielleicht eher für die nachweisbaren Inhaltsstoffe: 100 Gramm frische Beeren enthalten nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) unter anderem 80 Milligramm Kalium, 10 Milligramm Calcium, zwei Milligramm Magnesium, 15 Milligramm Phosphat und 20 Milligramm Vitamin C. Wohl bekomm`s.

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