Schweizer Esskastanien werden Opfer eines Pilzes

Der Pilz ist zwar allgegenwärtig, doch in diesem Jahr hat der Blattfleckenerreger überhandgenommen.

Um 80 Prozent hat ein Pilz die diesjährige Esskastanienernte im Tessin einbrechen lassen. Der pilzliche Blattfleckenerreger nutzte das nasse Frühjahr 2008, um sich bis nach Norditalien auszubreiten. Im nächsten Jahr kann die Kastanienernte unter günstigeren Witterungsbedingungen aber wieder bedeutend besser ausfallen. Bleibende Schäden hat dagegen ein anderer Pilz in den USA angerichtet: Der Erreger des Kastanienrindenkrebses zerstörte im letzten Jahrhundert innerhalb von 30 Jahren die ausgedehnten Bestände der Kastanienbäume im Osten des Landes fast vollständig.

Für Tessiner Verarbeiter bedeutet die „desaströse“ Ernte einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden. Nur zehn statt der gewohnten 50 Tonnen „Maroni“, wie die Früchte der Kastanienbäume in der Schweiz heißen, waren verfügbar. In Deutschland brauchen wir jedoch nicht auf unsere heißen Maronen, auf Vermicelles und andere Leckereien zu verzichten. Die jährliche Weltproduktion in China, Korea, der Türkei, in Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Rumänien und Griechenland beträgt etwa 500 000 Tonnen. Deutschland deckt 50 Prozent seines Bedarfs aus Italien und 30 Prozent aus Frankreich.

Was bewirkt der schädliche Pilz?

Der Pilz Mycosphaerella maculiformis lässt die Blätter der Kastanienbäume mitten im Jahr austrocknen. Dadurch erhalten ihre Früchte keine Nährstoffe. Sie bleiben klein, reifen nicht richtig aus und fallen verfrüht mit dem stacheligen Fruchtbecher vom Baum.

Übrigens: Die Esskastanie Castanea ist nicht mit der Rosskastanie Aesculus verwandt. Erstere gehört zur Familie der Buchengewächse, letztere zur Familie der Rosskastaniengewächse.