Pilze lassen Pflanzen „rosten“

5 000 Arten von Rostpilzen sind bekannt: Parasiten, die sich meistens auf bestimmte Wirtspflanzen spezialisiert haben, seien es Zier- oder Gemüsepflanzen, Obstbäume oder Getreidearten.

Ob Rosen oder Getreide – Rostpilze sind mit ihrem hohen Vermehrungs- und Schädigungspotenzial bei Hobbygärtnern wie bei Landwirten gefürchtet. Diese Pilze entwickeln sich überwiegend im Gewebe der Pflanzen. An die Oberfläche der grünen Pflanzenteile dringen nur die meist rostbraunen Pusteln. Sie enthalten unzählige Sporen, mit denen sich der Pilz über weite Entfernungen verbreitet und seine jeweilige Wirtspflanze infiziert. Die zunächst punktförmig auftretenden Pusteln an Blättern und Stängeln, führen zu gelblichen und später, beim Absterben der befallenen Gewebeteile, zu dunkelbraunen bis schwarzen Flecken. Je nach Befallstärke und –dauer kann auch die ganze Pflanze eingehen. Schließlich zapft der Pilz ihre Wasser- und Nährstoffleitungen für seine eigene Ernährung an. So verkümmern beispielsweise die Getreidekörner. Es kommt zu den unbrauchbaren Kümmerkörnern. Rostkrankheiten haben in früheren Zeiten – ohne wirksamen Pflanzenschutz - oft zu Hungersnöten geführt.

In Deutschland ist der Gelbrost am gefährlichsten

Rostkrankheiten sind in allen Getreideanbaugebieten der Welt verbreitet. Im milden Klima Mitteleuropas richtet der Gelbrost Puccinia striiformis bei Weizen die größten Schäden an. Dieser Pilz ist auch als Streifenrost bekannt, da sich seine leuchtend orange-gelben Pusteln in Streifen auf Blättern, Spelzen und Grannen ausbreiten. Auch Gerste und Roggen können erkranken. Allerdings entwickelt sich der Gelbrost bevorzugt auf Weizen. Weitere wichtige Rostkrankheiten sind bei uns der Weizen- und der Roggenbraunrost Puccina triticina und Puccina recondita. Beide Pilze bilden zunächst auf den Blättern braune Flecken, die sich im späteren Stadium schwarz verfärben. In wärmeren Regionen ist der Getreideanbau insbesondere durch den Schwarzrost bedroht. Starker Befall lässt die Blätter absterben und Getreidekörner verkümmern.

Langstrecken- „Reisende“

Die Sporen von Rostpilzen sind unglaublich mobil: Von Flugzeugen aus wurden bereits keimfähige Sporen in 4000 m Höhe gefangen, nachgewiesen wurden sie aber auch schon in Höhen von 11 bis 20 Kilometern. Es konnte belegt werden, dass sich Rostsporen über die Luft von Zentralamerika bis nach Kanada und von Nordafrika nach Zentraleuropa verbreiten. Die Belastung der Luft mit den winzigen Sporen kann sehr groß sein: 30 000 Sporen je Kubikmeter Luft sind keine Seltenheit, aber auch 100 000 kommen vor. Ihre Zahl hängt von der Jahreszeit, dem Pflanzenbestand, der Befallsdichte und der Wetterlage ab.

Ansteckungsgefahren

Manche Rostarten, wie z.B. der Weizenschwarzrost, benötigen einen bestimmten Zwischenwirt für ihre Verbreitung. So kann der Weizenschwarzrost nur auf Berberitzen den Sporentyp entwickeln, der anschließend den Weizen infiziert. In den USA, wo der Weizenschwarzrost weit verbreitet ist, wird deshalb dieser Strauch in den bedrohten Gebieten systematisch gerodet. Viele Rostarten, die bei uns von Bedeutung sind, benötigen allerdings keine Zwischenwirte. Der Gelbrost an Weizen wird von bereits erkrankten Getreidepflanzen und von befallenen Pflanzenresten übertragen.

Wie bietet man dem Rost Paroli?

Im Ernstfall helfen gegen Rostkrankheiten nur resistente Sorten und vorbeugende Pflanzenschutzmaßnahmen. Da die Rostpilze im Getreideanbau im Ausfallgetreide überwintern, muss es vor dem Auflaufen der Herbstsaat beseitigt werden. Auch Getreidestoppeln sind eine Infektionsquelle. Sie sollten daher gut untergepflügt werden. Trotz dieser Maßnahmen kann es auf besonders gefährdeten Äckern im Frühjahr notwendig sein, das Getreide vorbeugend mit Pilzbekämpfungsmitteln ( Fungizide ) zu behandeln. Denn wenn der Rost erst einmal zu „blühen“ beginnt, muss er wegen der schnellen Ausbreitung schnell bekämpft werden. Dazu sind in der Regel mehrere Spritzmaßnahmen notwendig, um die gesunden Pflanzen nachhaltig vor einer Infektion zu schützen.