Klaus Geckeler wirtschaftet jetzt wieder konventionell

Ökolandbau war für ihn nicht rentabel – alle Bewirtschaftungsverfahren können umweltschonend sein

Seit dem 1. Januar 2015 bewirtschaftet Klaus Geckeler seinen Ackerbaubetrieb wieder konventionell. Der Landwirt aus Düsterntal 40 Kilometer südwestlich von Hildesheim ist mit seiner Entscheidung nicht allein. Pro Jahr kehren 3,3 Prozent der Betriebe laut einer Studie des Thünen-Instituts aus dem Jahr 2013 dem Ökolandbau wieder den Rücken. Geckeler verzichtet auf die nochmals erhöhten Fördermaßnahmen der niedersächsischen Landesregierung. Im Gegenzug kann er aber unter anderem wieder auf die gesamte Bandbreite von Düngern und zugelassenen Pflanzenschutzmitteln zurückgreifen.

Glaubt man zahlreichen Medienberichten, so gibt es nur eine Richtung: hin zu Bio. Bei Ihnen ist das anders. Wie kommt das?

Da muss ich etwas ausholen. 2009 habe ich mich mit meinem 100 Hektar großen Ackerbaubetrieb dem Naturland-Anbauverband angeschlossen. Mir gefiel das Ziel des ökologischen Landbaus, möglichst umweltschonend zu erzeugen. Die höheren Preise für die Ernte haben mich zusätzlich gelockt. Ich bin Unternehmer und muss sehen, dass ich für meine Familie und mich eine sichere Lebensgrundlage schaffen kann. Nach fünf Jahren habe ich aber festgestellt, dass sich die Umstellung nicht gerechnet hat. Zwar fördert die niedersächsische Landesregierung die ökologisch wirtschaftenden Betriebe stärker als noch vor fünf Jahren, doch auch das reicht nicht.

Welche konkreten Ursachen stecken in Ihrem Fall hinter der unbefriedigenden Wirtschaftlichkeit?

Mit dem Mehrpreis für das Getreide konnte ich die nur noch halb so hohen Erträge nicht ausgleichen. Immer wieder verursachten Schaderreger Ertragsausfälle. So im letzten Jahr der Gelbrost, der mit den im Ökolandbau erlaubten Schwefelpräparaten nicht in den Griff zu bekommen war. Kartoffeln konnte ich wegen des starken Drahtwurmaufkommens nicht lukrativ anbauen. In den fünf Jahren ist es mir leider nicht gelungen einen ökologisch wirtschaftenden Viehbetrieb in der Nähe zu finden. Weil wir keine Mineraldünger einsetzen dürfen, mussten die notwendigen organischen Dünger aufwändig von weiter entfernten Betrieben herantransportiert werden. Zudem hat mein Partnerbetrieb ebenfalls rückumgestellt. Ich hätte den beabsichtigten gemeinsamen Kauf einer Rapshackmaschine alleine tragen müssen. Das wäre für mich sehr teuer geworden.

Wie steht es nach der Rückumstellung denn um Ihre Haltung zu einer umweltverträglichen Landwirtschaft?

Die hat sich im Prinzip nicht geändert. Aber ich bin überzeugt, dass ich auch als konventioneller Landwirt umweltverträglich wirtschaften kann. Ich habe mich fünf Jahre intensiv mit dem Ökolandbau beschäftigt, viele Erkenntnisse übertrage ich jetzt. Beispielsweise wie wichtig eine vielseitige Fruchtfolge ist. Wenn ich zudem meine konventionelle Bewirtschaftung nach den gesetzlichen Vorgaben der Guten fachlichen Praxis ausrichte, die Regeln des integrierten Pflanzenschutzes beachte und die Düngung nicht bis zum Letzten ausreize, habe ich ein gutes Gefühl. Leider wird das in der Öffentlichkeit aber nicht so gesehen. Meistens wird Bio mit gut und konventionell mit schlecht gleichgesetzt. In Wirklichkeit sind aber der Betriebsleiter, seine Fähigkeiten und manchmal die äußeren Umstände entscheidend.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Ja, die Unkrautbekämpfung im Getreide ist auf allen Betrieben wichtig. Ökobetriebe striegeln ihre Flächen, konventionelle Betriebe behandeln sie in der Regel mit Pflanzenschutzmitteln. Beide können Fehler machen, die die Umwelt belasten. Auch der Ökobetrieb, der beim Striegeln den optimalen Zeitpunkt erwischen muss. Im Frühjahr 2014 waren allerdings alle Versuche vergeblich, weil das Kraut durch die häufigen Niederschläge direkt wieder angewachsen ist. Vor der Folgekultur musste dann gepflügt werden um die entstandenen Unkrautsamen zu verschütten und deren Wachstum einzugrenzen. Doch das Pflügen braucht viel mehr Diesel und Zeit als eine pfluglose konventionelle Bewirtschaftung, die mit einem gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln möglich gewesen wäre.

Welche Betriebe sind nach Ihrer Meinung in der Lage, dauerhaft ökologische Landwirtschaft betreiben zu können?

Im Idealfall sind das Betriebe mit Viehhaltung, die über gute Vermarktungsmöglichkeiten verfügen. Wer verkehrsgünstig liegt, kann einen Hofladen betreiben. Wenn ich die Erzeugnisse selbst an den Endkunden vermarkte, sind die Erlöse höher als beim Verkauf an Supermärkte oder Discounter. Wichtig ist dann allerdings auch eine zahlungskräftige Kundschaft in der Umgebung. Denn Bioerzeugnisse sind nach wie vor für Hartz 4-Empfänger zu teuer. Eine interessante Kultur wäre auch die Zuckerrübe, falls es einen Verarbeiter in der Nähe gibt. Wer dann noch von der Landesregierung umfangreich unterstützt wird, hat gute Ausgangsbedingungen. Das nötige Know-how und die Überzeugung bei den Betriebsleitern ist natürlich Grundvoraussetzung.

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