Großblütiges Heusenkraut ein besonders wuchsfreudiger Einwanderer

Die invasive Wasserpflanze steht auf der schwarzen Liste

Wenn die Voraussetzungen stimmen, kann das Großblütige Heusenkraut ein Ökosystem aus den Fugen geraten lassen. Die Wasserpflanze sieht zwar nett aus, sie kann aber ganz anders sein. Bei günstigen Bedingungen kann sie Flora und Fauna in langsam fließenden und stehenden Gewässern in kurzer Zeit verändern und die einheimischen Arten verdrängen. Die Pflanze zählt zu den aggressiven invasiven Arten. Aufgrund ihres Verbreitungspotenzials steht der Einwanderer in Deutschland auf der schwarzen Liste. Für Gartenteich und Aquarium sollte man einheimische Arten bevorzugen.

Fundort Niedersachsen

Dr. Andreas Hussner von der Universität Düsseldorf hat Ludwigia grandiflora den Kampf angesagt. Gemeinsam mit dem Julius Kühn-Institut (JKI), dem Landschaftspflegeverband Friesoyther Wasseracht, dem Bundesamt für Naturschutz und dem Landkreis Leer arbeitet er daran, sie in einem Altarm der Leda in Niedersachsen vollständig auszurotten. Die Pflanze stammt aus Südamerika. In Deutschland ist sie in der Leda auffällig. Eine zweite Stelle wurde 2011 in Baden-Württemberg entdeckt.

Krautige Pflanze mit gewaltiger Wuchskraft

Das Großblütige Heusenkraut ist eine krautige, wurzelnde und mehrjährige Wasserpflanze. Die im Wasser schwimmenden Stängel können bis zu sechs Meter lang werden. An und über der Wasseroberfläche bilden sich längliche, lanzettliche Blätter und gelbe Blüten. Die Pflanze wächst bis zu einem Meter in die Höhe. Sie vermehrt sich überwiegend vegetativ, aber auch über Samen, die in ihren Fruchtkapseln heranreifen.

Heusenkraut lässt anderen Pflanzen und Lebewesen im Wasser kaum eine Chance

Das Kraut mag es sonnig und warm. In Niedersachsen findet es keine optimalen Wachstumsbedingungen vor. Trotzdem hat sie sich dort so breit gemacht, dass die Bekämpfung geboten erscheint. Ludwigia grandiflora kann ein stehendes Gewässer in zwei bis drei Jahren vollständig zuwuchern. Die Pflanze bildet zwar im Wasser wenig Biomasse, dafür an der Oberfläche umso mehr. Wenn die Blätter die Wasseroberfläche bedecken, dringt kein Licht mehr ins Wasser. Die Photosynthese der Wasserpflanzen fällt dann aus. Dadurch entsteht Sauerstoffmangel, und fast alles, was vorher im Gewässer gelebt hat, stirbt ab. In fließenden Gewässern verlangsamt die Pflanzenmasse an der Wasseroberfläche die Fließgeschwindigkeit. Stehende Gewässer können verschlammen. Eine Studie aus Belgien belegt laut Hussner, dass an manchen Stellen keine heimischen Pflanzen mehr zu finden sind. Auch die Vielfalt der Tierarten nimmt ab.

Das Großblütige Heusenkraut kann auf harten und weichen Untergründen gedeihen. „Die Bekämpfungsmaßnahmen muss man immer auf den Standort abstimmen. Im weichen Untergrund ist es am besten, die Pflanze mit den Wurzeln auszuziehen.“ In steinigen oder sandigen Böden werden die Pflanzen mit einem Wasserstrahl aus dem Grund gespült und von der Oberfläche abgefischt.

Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht erlaubt

„Das Ausbreitungspotenzial ist gewaltig. Aber ich gehe davon aus, dass wir es schaffen, die Art in der Leda wieder los zu werden“, sagt Hussner. 2004 wurde das Großblütige Heusenkraut dort erstmals entdeckt. 2008 wurden die Behörden informiert. 2011 wurde ein Managementplan entwickelt. Mit Unterstützung des JKI forscht Hussner nach effektiven Wegen zur Bekämpfung. Da der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland in Gewässern nicht erlaubt ist, zogen 2013 erstmals Mitarbeiter der Friesoyther Wasserwacht die Pflanzen dem Wasser. In diesem Jahr wird die Aktion wiederholt. Hussner ist zuversichtlich, die Pflanze so unter Kontrolle zu bringen. Erfolgreich bekämpft wurde die Pflanze in Frankreich (2007), Großbritannien (2007 und 2010) und der Schweiz (2009).

Aquarien nicht achtlos in der Natur entleeren

Wenn die Standortbedingungen stimmen, kann Ludwigia grandiflora sich prächtig vermehren. Dazu reicht schon ein achtlos samt Wasserpflanzen in die Natur entleertes Aquarium. Auch über Pflanzenteile, die im fließenden Gewässer treiben, kann das Kraut neue Areale erobern, und Enten und Gänse können es „auf dem Luftweg“ verbreiten. „In Frankreich bekommt man Ludwigia fast nicht mehr in den Griff“, erklärt der Wissenschaftler. Neben der direkten Bekämpfung empfiehlt Hussner vorbeugend aktiv zu werden. „Wir müssen die Bevölkerung sensibilisieren und den Handel oder den Tausch mit der Art unterbinden“, sagt Hussner. Im Gartenteich oder im Aquarium sollten attraktive heimische Pflanzen bevorzugt werden.

Als Zierpflanze nach Europa eingereist

Als Zierpflanze fand das Heusenkraut seinen Weg von Südamerika nach Europa und wurde 1823 erstmals im Bestand des botanischen Gartens von Montpellier in Frankreich registriert. 1835 war das Heusenkraut in botanischen Gärten in Deutschland angekommen. 1950 tauchte es zum ersten Mal in einem Naturgewässer bei Kirn in Rheinland-Pfalz auf, offenbar ohne dort besonders unangenehm aufzufallen. Mittlerweile steht der Neophyt in Frankreich, Belgien, Spanien, Italien, den Niederlanden und der Schweiz unter Beobachtung.

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