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Umwelt & Verbraucher
02.08.2012

Feuerbrand-Alarm in der Kernobstsaison 2012

Feuerbrand-Erstbefall auf Apfel (Gala). Foto: Agroscope

Besonders im Schweizer Kanton Thurgau und in Brandenburg wütet das Bakterium

Feuerbrand ist eine meldepflichtige Pflanzenkrankheit, die im Kernobstanbau zu großen Ausfällen führt und die Existenz von Obstbetrieben bedroht. Bislang ist es trotz intensiver Forschung noch nicht gelungen, bei der Bekämpfung ganz auf antibiotikahaltige Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Im Frühjahr 2012 breitete sich der Erreger nahezu flächendeckend im Schweizer Kanton Thurgau aus. Dort mussten auf sechs Hektar 18 000 Obstbäume gerodet werden. Nach leichten Rückgängen der Erkrankung 2011 hatten dort die meisten Obstbauern der Region auf Empfehlung des kantonalen Pflanzenschutzdienstes auf den Einsatz des wirksamen Antibiotikums Streptomycin verzichtet. Auch in Brandenburg leiden erstmals seit Jahren Kernobstanlagen unter dem Feuerbrand-Erreger.

Feuerbrand – ein gefährliches, hochinfektiöses Bakterium

Der Feuerbrand gilt als die gefährlichste Krankheit von Kernobst sowie verwandter Wild- und Ziergehölze. Besonders in den letzten beiden Jahrzehnten hat er in Süddeutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol große Schäden angerichtet. Das stäbchenförmige, begeisselte und fakultativ anaerobe* Erregerbakterium Erwinia amylovora gelangt über Vögel, Insekten, Gartengeräte, Kleidung und Hände auf die Bäume. Sogar Regen und Wind übertragen es. Die Infektionsgefahr ist bei Temperaturen über 18 Grad Celsius, während der Blüte oder an Wunden der Rinde am höchsten. Bei Temperaturen zwischen 23 und 30 Grad Celsius kann sich das Bakterium optimal entwickeln. Typische Merkmale der Feuerbrandkrankheit sind die meist dunkelbraun bis schwarz gefärbten Stiele der abgestorbenen Blüten und Blätter an den erkrankten Zweigen und die häufig auffallend dunkel gefärbten Hauptadern der Blätter. Infizierte Blüten und Triebe vertrocknen. Das Gewebe verfärbt sich braun oder schwarz. Erkrankte Triebspitzen krümmen sich hakenartig ab. Über natürliche Öffnungen zum Beispiel in der Blüte, über Wunden und manchmal über Triebe gelangt das Bakterium in die Pflanze und vermehrt sich in den Hohlräumen zwischen den Pflanzenzellen (Interzellularen) und in den Leitungsbahnen (Xylem). Das Bakterium überwintert in der Grenzzone zwischen krankem und gesundem Rindengewebe.

Wirksame Prävention mit dem Antibiotika Streptomycin

Zur Vorbeugung des Feuerbrands ist in einigen EU-Ländern das Antibiotikum Streptomycin erlaubt. Auf die Blüte ausgebracht kann es das Infektionsrisiko um rund 80 Prozent reduzieren. In Deutschland erteilt das Bundesamt für Verbraucherschutz seit 2003 bei hoher Gefahr Sondergenehmigungen für den Einsatz. Auf Streuobstwiesen sowie in Hausgärten darf das Antibiotikum nicht eingesetzt werden.

Befallene Triebe und Äste müssen bis weit in das gesunde Holz hinein zurückgeschnitten und vernichtet werden. Nach jedem Schnitt sind die Werkzeuge sorgfältig zu desinfizieren. Bei starkem Befall müssen die Bäume gerodet werden – dies kann auch ganze Obstanlagen betreffen. Um die Infektion nicht zu verbreiten, muss das Holz an Ort und Stelle verbrannt oder in dicht geschlossenen Behältern fachgerecht entsorgt werden.

Alternative Bekämpfung ohne Antibiotika zeigt erste Erfolge

Ziel der Pflanzenschutzpolitik in Deutschland ist, die Anwendung von Antibiotika möglichst ganz einzustellen. Daher testet das Julius Kühn-Institut seit 1998 in Freilandversuchen, wie Feuerbrand ohne Antibiotika bekämpft werden kann. Die  Versuchsanlage liegt isoliert, fernab von Obstanbaugebieten. Jährlich stehen den Forschern über 400 Bäume zur Verfügung, davon infizieren sie einige gezielt mit dem Bakterium. Gute Ergebnisse lieferten in den vergangenen Jahren biologische Alternativen wie der Gegenspieler des Feuerbrand-Erregers, Erwinia tasmaniensis. Das Prüfmittel LMA zeigte mit einem zehn bis 15 Prozent geringeren Wirkungsgrad als Streptomycin das beste Ergebnis. Bislang ist das Mittel jedoch noch nicht zugelassen. Eine vom Bund seit 2003 geförderte Strategie zur Bekämpfung des Feuerbranderregers ohne Antibiotika geht 2012 zu Ende.

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