"Der Acker ist schön grün – aber nicht mit der Kulturpflanze!"

Landwirt Nino Meine verzichtet in einem Schaufenster auf Pflanzenschutz

Die Idee hinter „Schau ins Feld!“: Landwirte wählen einen Acker an öffentlichen Wegen aus, verzichten auf einem begrenzten Abschnitt auf Pflanzenschutzmittel und bewirtschaften den Rest des Feldes im Rahmen der guten fachlichen Praxis. Die unbehandelten Flächen sollen veranschaulichen, wie wenig von der Ernte übrig bleibt, wenn der Landwirt keine Pflanzenschutzmittel gegen Nahrungskonkurrenten, Schädlinge und Pilze ausbringt. Profil Online sprach mit Landwirt Nino Meine aus Marklendorf, warum er an der Aktion teilnimmt.

Herr Meine, stellen Sie sich und Ihren Betrieb einmal kurz vor:

Mein Name ist Nino Meine, ich bin Landwirt im Heidekreis in Niedersachsen. Wir bewirtschaften einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 105 Hektar, davon 30 Hektar Grünland und 75 Hektar Ackerland. Diese teilen sich auf in 50 Hektar Gersten- und Weizenvermehrung für einen Getreidezüchter, 10 Hektar Energiemais für die Biogasanlage und 15 Hektar mit der Agrar-Umweltmaßnahme Ackerwildkräuter. Auf dem Grünland stellen wir Pferdefutter zum Verkauf her. Außerdem haben wir noch einen Lohnbetrieb, wir dreschen für andere Landwirte und machen ihre Bodenbearbeitung mit dem Grubber oder der Scheibenegge. Unsere Flächen sind sehr sandig, sie liegen in einem Endmoränengebiet in der Südheide. Deswegen müssen wir intensiv beregnen, damit wir zufriedenstellende Erträge haben.

Wie sind Sie denn auf die Aktion Pflanzenschutz-Schaufenster gestoßen?

Ich habe darüber im Internet gelesen. Da habe ich mir gedacht, „da machst du mit“. Ich finde die Aktion gut, weil die Bevölkerung ja immer mehr Wert auf die Herkunft der Lebensmittel legt, und man so zeigen kann, wie wichtig der Pflanzenschutz ist und dass wir Landwirte nicht einfach nur „Gift versprühen“.

Was haben Sie denn für eine Fläche genommen und warum?

Ich habe eine Maisfläche ausgewählt. Man sieht beim Mais sehr schön, was passiert, wenn nichts passiert. Der Mais hat eine langsame Jugendentwicklung, das bedeutet, die Beikräuter und Gräser wachsen schneller als die Maisblätter und überwuchern ihn rasch. Ein weiterer Grund ist, dass die Fläche direkt an einem Radweg an der Bundesstraße 214 liegt. So können viele Leute das Hinweisschild sehen und wir erreichen damit eine breite Öffentlichkeit.

Was sieht man denn im Moment?

Tja, der Acker ist schön grün, aber nicht mit der Kulturpflanze, sondern mit dem giftigen Jakobskreuzkraut, mit der wilden Kamille, mit Melde und anderen Unkräutern. Sie konkurrieren mit dem Mais um Nährstoffe und Wasser und kosten Ertrag bei der Kulturpflanze. Das Schaufenster zeigt sehr gut, wie es wäre, wenn wir keine Pflanzenschutzmittel mehr anwenden würden.

Was führen Sie denn normalerweise für Pflanzenschutzmaßnahmen durch?

Das kommt darauf an. Wir Landwirte bringen ja nicht einfach so Pflanzenschutzmittel aus, sondern überlegen genau, auf welchen Flächen wir welche Maßnahmen vornehmen. Im Grünland haben wir zum Beispiel an manchen Stellen viele Binsen, die für die Pferde nicht gut verwertbar sind und keinen Futterwert haben. Auch der Ampfer entwickelt sich rasch zur Plage, wenn man nichts unternimmt. Vom Jakobskreuzkraut gar nicht zu reden, das ist für Pferde, Rinder und Schafe auch im getrockneten Zustand giftig. Im Ackerbau haben wir es beispielsweise mit Stiefmütterchen, Knöterich oder Klettenlabkraut zu tun. Ackerfuchsschwanz ist in dieser Region weniger ein Problem, Windhalm aber schon. Deswegen bringe ich im Getreide je nachdem, wie viel Unkräuter und Ungräser auftreten, entweder im Herbst oder im Frühjahr gezielt ein Herbizid gegen die jeweiligen Problemunkräuter aus. Im Getreide werden auch Fungizide gegen Pilzkrankheiten verabreicht, denn ich will ja schließlich gesundes Getreide an den Züchter liefern. Treten zum Beispiel Blattläuse oder Getreidehähnchen, das sind kleine gefräßige Blattkäfer, auf, dann bringe ich, wenn die Schadschwelle überschritten ist, ein Insektizid aus. Im Mais nehme ich nach dem Auflaufen des Maises eine Herbizidmaßnahme vor. Was passiert, wenn diese unterbleibt, können wir jetzt am Pflanzenschutz-Schaufenster gut sehen.

Herr Meine, vielen Dank für das Gespräch!

Wir sind gespannt, wie sich das Schaufenster im Lauf des Sommers weiter entwickelt.

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