Asiatischer Marienkäfer und heimischer Siebenpunkt-Marienkäfer im Wettstreit

Kopf an Kopf-Rennen oder Sieg nach Punkten?

Jeder kennt ihn, jeder liebt ihn: den roten Marienkäfer Coccinella septempunctata mit den sieben Punkten auf dem Rücken. Er ziert viele Mitbringsel in Souvenirläden und ist zusammen mit dem vierblättrigen Kleeblatt und dem Schornsteinfeger ein bekannter Glücksbringer. Seit ein paar Jahren hat er aufdringlichen Besuch aus Asien bekommen.

Das große Krabbeln

Der Asiatische Marienkäfer, Harmonia axyridis, ist als invasive Art in Europa inzwischen flächendeckend verbreitet. 2007 traten die orangefarbigen Käfer mit den vielen Punkten erstmals in Weinbaugebieten massenhaft auf. In den folgenden Jahren lehrten sie auch viele Hausbesitzer das Fürchten, überwinterten sie doch in Scharen in Kellern, wenig benutzten Hausarbeitsräumen oder anderen kühlen Zimmern. Sowohl der heimische als auch der Asiatische Marienkäfer sind als gefräßige Blattlaus- und Reblausvertilger bekannt und gelten  in Wein, Obst und Getreide als Nützlinge.

Eindringling? Eine Frage der Sichtweise

Zunächst wurde der „fremde“ Marienkäfer als invasive, also als eine den heimischen Marienkäfer bedrängende Art angesehen. Der Einwanderer scheint auf den ersten Blick widerstandsfähiger und gefräßiger. Außerdem vermehrt er sich schneller als der Siebenpunkt-Marienkäfer. Forscher des Julius Kühn-Institutes (JKI) haben in einem Forschungsvorhaben 2010 nachgewiesen, dass er besser mit Krankheitserregern fertig wird, weil sein Blut, die Hämolymphe , eine bis zu 1 000-fach stärkere Wirkung gegen Bakterien und Pilze hat. Daraufhin haben sich die Wissenschaftler intensiv mit dem Zuwanderer beschäftigt. Eine Doktorarbeit zeigte, dass der Asiatische Marienkäfer in Wein- und Obstanlagen die am häufigsten gefundene Marienkäferart ist. Bei allen Freilanduntersuchungen, die bis ins Jahr 2012 andauerten, fanden sich allerdings keine Anzeichen dafür, dass der heimische Marienkäfer durch die invasive Art verdrängt würde. Der bisher im Weinbau dominante heimische Siebenpunkt-Marienkäfer ist in seiner natürlichen Umgebung sehr konkurrenzstark. In Nord-Amerika gilt er als invasive Art. Er war in den Untersuchungen des Julius Kühn-Instituts stets die zweithäufigste Art und gerade 2013 oft häufiger anzutreffen als sein asiatischer Konkurrent.

(K)ein Geschmackserlebnis: Schaden und Nutzen

Wenn die Trauben für den Wein gepresst werden, gehen naturgemäß auch Käfer, die in den Trauben sitzen, durch die Presse. Die von den Winzern gefürchtete Geschmacksbeeinträchtigung, der „Marienkäferton“, erwies sich aber als deutlich schwächer als zunächst befürchtet. Presseberichte, wonach bereits ein einziger Asiatischer Marienkäfer „genügt, um hundert bis tausend Liter Wein zu ruinieren“, konnten die JKI-Forscher eindeutig widerlegen. Die geschmacklich erkennbare Schwelle im Wein lag für 50 Prozent der Testpersonen bei vier bis fünf Käfern pro Kilogramm bei der Rebsorte Riesling. Interessant sind weitere Ergebnisse, die eindeutig belegen, dass die gleiche Anzahl heimischer Siebenpunkt-Käfer sogar einen intensiveren Fehlton im Wein verursacht. Für den Weinbau in Deutschland zeigen die Ergebnisse, dass der asiatische Marienkäfer eine Doppelrolle als Nützling und Schädling zugleich spielen kann, wobei er als Schädling bisher kaum in Erscheinung getreten ist. In Obstbaukulturen oder im Getreide sind beide Marienkäfer die Feinde schädlicher Insekten wie Getreideblattlaus, Blutlaus, Mehlige Apfelblattlaus oder Hopfenlaus.

Prima Klima: Wer von der Erderwärmung profitiert

In Kooperation mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) untersuchten Wissenschaftler des JKI in einem anderen Forschungsvorhaben, wie sich der Klimawandel auf beide Käfer auswirkt. Die Forscher simulierten realistische Tagestemperaturverläufe in den Klimakammern am JKI-Standort in Kleinmachnow. Die nun vorliegenden Ergebnisse legen nahe, dass bei einer durchschnittlichen Temperaturerhöhung um drei Grad der heimische Siebenpunkt-Marienkäfer in Sachen Futterverwertung die Nase vorn hat. Beide Käferarten kommen mit den erhöhten Temperaturen gut klar und fressen mehr. Sie unterscheiden sich jedoch in der Art und Weise, wie sie das „Mehr an Energie“ nutzen. So wie es aussieht, verfolgen sie unterschiedliche Strategien. Während der rote Siebenpunkt-Marienkäfer nur einmal im Jahr, im Frühsommer, Nachwuchs bekommt, und sich dann nur noch Fettreserven für die Winterruhe anfrisst, wollen die orangefarbigen Käfer mehrere Generationen hervorbringen. Deshalb investieren besonders die Weibchen des Asiatischen Marienkäfers alle Energie in die Vermehrung. Welcher Käfer in seiner Leistungsfähigkeit als Nützling die Nase vorn hat, vermögen die Wissenschaftler noch nicht zu sagen, dazu sind weitere Untersuchungen nötig.

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