Artischocke, das vielseitig verwendbare Distelgewächs

Eine Zier im Garten, eine Delikatesse auf dem Teller

Disteln verbinden wir allgemein mit wehrhaft stacheligen Pflanzen mit spitzen Dornen, denen man beim Spaziergang besser aus dem Weg geht. Landwirte sehen Disteln auch nicht gern auf ihren Feldern und Wiesen, weil sie sich im wahrsten Sinne des Wortes wie Unkraut ausbreiten. Eine distelartige Pflanze jedoch mögen viele Leute gern. Sie ist sowohl als Zierde im Garten bekannt, als auch als leckeres Gemüse und delikate Vorspeise: die Artischocke.

Die Pflanze war schon bei den alten Ägyptern und in Rom als edles Feingemüse bekannt, heute teilt sich die Artischocke (Cynara cardunculus oder Cynara scolymus) den Anspruch der „Königin der Gemüse“ mit dem Spargel. Die distelähnliche Pflanze aus der Familie der Korbblütler kann bis zu zwei Meter groß werden und nimmt dann einen Durchmesser von einem Meter ein.

Leicht bitteres „Blütenstandsgemüse“

Artischocken werden wie Blumenkohl oder Brokkoli zu den Blütenstandsgemüsen gezählt. Wir essen die grünen, noch unreifen Knospen, die fleischigen Teile der Schuppenblätter und die Blütenböden. Die „Artischockenherzen“, die gerne als Vorspeise gegessen werden, sind die verdickten Teile der Kelchblätter. Neben frischem Gemüse kann man Artischocken auch in Essig und Öl eingelegt kaufen, Artischockenherzen gibt es sowohl eingelegt als auch tiefgefroren im Handel. Heute sind Artischocken das ganze Jahr über frisch erhältlich. Roh trocknen sie allerdings schnell aus und sollten deswegen möglichst bald als Salat oder Gemüse serviert werden. Vor dem Essen des Blütenbodens muss allerdings das „Heu“, die unter den Blüten liegenden Härchen, entfernt werden. Klassisch werden die ganzen Knospen mit Stielansatz in Salzwasser mit einem Spritzer Zitronensaft gekocht.

Verdauungsfördernde Wirkung

Die Artischocke wirkt Appetit anregend und verdauungsfördernd und beeinflusst den Fettstoffwechsel. Der Bitterstoff Cynarin kann den Cholesterinspiegel senken, weil er für einen erhöhten Cholesterinverbrauch bei der Gallensäuresynthese sorgt und die Neubildung von Cholesterin in den Leberzellen hemmt. In Reformhäusern werden zu diesem diätetischen Zweck auch Artischockensaft oder Mariendistelsaft als Lebertonikum angeboten.

Aus aller Welt

Wenn wir frische Artischocken im Gemüseregal des Einzelhandels kaufen, dann kommen diese meist aus Italien, Frankreich oder Spanien. Weltweit gesehen sind die USA, Argentinien und Ägypten noch große Anbaugebiete. Inzwischen werden Artischocken aber auch in vielen Regionen Deutschlands angebaut, vor allem in den milden Anbaugegenden in Rheinhessen und der Südpfalz. Geerntet werden die etwa faustgroßen, geschlossenen Blütenköpfe. Geschlossen deshalb, weil nach dem Öffnen die Blüte erscheint. Der Erntezeitpunkt ist dann überschritten. Die wilde Verwandte der Artischocke, die Cardy, ist eigentlich eine Zier-Artischocke. In der Schweiz ist sie aber ein bekanntes und beliebtes Gemüse. Feinschmecker kennen beispielsweise „Cardon épineux genevois“ als „Genfer Cardy“.

Gemüseanbau

Als ursprünglich aus Nordafrika und dem Mittelmeerraum stammende, Wärme liebende Pflanze dankt die Artischocke einen tiefgründigen sonnigen, windgeschützten Standort mit guter Nährstoffversorgung. In der Regel wird die Artischocke zweijährig angebaut. Im ersten Jahr bildet sie eine Blattrosette, ab dem zweiten Jahr treibt aus der Blattrosette ein Stängel mit Blütenständen aus. An geeigneten Standorten erscheinen die Blüten auch schon im ersten Jahr. Die Oberseite der Blätter ist nur spärlich behaart, die Unterseite ist dagegen mit einem dichten weißen Haarkleid versehen. Artischocken haben sehr kräftige und lange Wurzeln. Im großflächigen Anbau achten die Landwirte darauf, dass keine anderen Korbblütler, wie zum Beispiel Sonnenblumen, auf die Artischocke folgen und Fruchtfolgekrankheiten so vermieden werden. Zum Fressen gern hat die Schwarze Bohnenblattlaus die fleischigen Blätter und siedelt sich gleich in großen Kolonien auf den Artischocken an, um sofort Eier abzulegen. Ein anderer hungriger Fressfeind ist die Wühlmaus, die ebenfalls in Scharen auftritt und die Ernte misslingen lassen kann.

Zierde im heimischen Garten

Gartenbesitzer pflanzen die Artischocke weniger als Feingemüse zum Essen, sondern wegen ihres ausgefallenen Aussehens und hohen Zierwerts an. Die gelappten blau-grauen bis grau-grünen Blätter und die purpur-violetten bis blauen Blütenknospen machen einen imposanten Eindruck. Bekannte Sorten heißen zum Beispiel Green Globe, Purple Romagna, Orlando, Camus de Bretagne, Castel, Violetto di Toscana, Große Grüne, Grüne von Laon oder Imperial Star. Artischocken lassen sich aus Samen anziehen oder auch vegetativ vermehren. Sie brauchen viel Platz, den sie dann dem Gärtner aber mit imposantem Wachstum und leuchtenden Blüten danken.