Weizen: Nummer eins in Deutschland, weltweit Rang drei

15.08.2012 Schule & Wissen

Ein Portrait der bedeutenden Kulturpflanze Weizen in zwei Teilen – Teil 1: Bedeutung, Biologie und Anbau

Wenn im Hochsommer die Mähdrescher über die Äcker rollen, ist der Weizen reif. Das vielseitige Getreide ist in Deutschland die flächenmäßig bedeutendste Kultur und eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel. Er wird als Winter- und als Sommerweizen angebaut. In den letzten 100 Jahren haben sich die Weizenerträge in Deutschland verfünffacht – dank moderner Technik und intensiver Anbaumethoden mit integriertem Pflanzenschutz und bedarfsgerechter Düngung.

Bedeutung:

Auf rund 3,3 Millionen der insgesamt 11,9 Millionen Hektar großen deutschen Ackerfläche wuchs im Jahr 2011 Weizen. Weltweit belegte das Getreide Platz drei hinter Mais und Reis. Die Ernte wird überwiegend zu Mehl für die Brot- und Backwarenherstellung sowie als Tierfutter genutzt. Die Liste der Lebensmittel auf Weizenbasis ist lang. In der Industrie dient Weizenstärke als Grundstoff zur Herstellung von Papier, Kleister und Kosmetika sowie im Brenn- und Brauwesen. Aus Weizen und anderen landwirtschaftlichen Kulturen wird außerdem Bioethanol gewonnen, das Benzin beigemischt wird (Beispiel E10).    

Aspekte der Biologie:

Biologisch gehört der Weizen zur Familie der Gräser. Eine Pflanze kann einen Haupttrieb und je nach Wachstumsbedingungen mehrere Seitentriebe mit jeweils einer Ähre bilden. Diese Entwicklungsphase heißt Bestockung . Weizen ist ein Selbstbefruchter – die Blüten bestäuben sich selbst. Abhängig von Faktoren wie Bestandsdichte, Art und Sorte, Stickstoff-Gabe zum Schossen und Saatzeitpunkt können in Mitteleuropa im Juli oder August rund 40 Körner pro Ähre geerntet werden.  

Die Körner bestehen unter anderem aus dem Mehlkörper der von einer stärkefreien, eiweißhaltigen Wabenschicht (Aleuronschicht) umgeben ist, die den Mehlkörper von der Schale trennt, Keimling und Schalen. Helle Mehle der Type 405 werden fast ausschließlich aus dem Mehlkörper gewonnen. Je mehr Schale und Keimling ins Mehl gelangen, desto dunkler und mineral- und ballaststoffreicher wird es. Die Typenbezeichnung und der ernährungsphysiologische Wert steigen. 

Winterweizen benötigt einen Kältereiz (Vernalisation), damit die Pflanze schossen (austreiben) und Blüten und Körner bilden kann. 40 bis 56 Tage mit Temperaturen zwischen null und fünf Grad Celsius reichen aus, um von der Wachstums- in die Fortpflanzungsphase zu gelangen. Deswegen wird Winterweizen auch im Herbst gesät. Sommerweizen hingegen kommt ohne Kältephase aus. Nach der Aussaat im März oder April holt er den Entwicklungsvorsprung des Winterweizens wieder auf und kann ebenfalls im Juli oder August geerntet werden. Allerdings bringt er in Normaljahren deutlich weniger Ertrag und wird deshalb in geringerem Umfang angebaut.

Anbau: Die Qual der Wahl

Weizen stellt im Vergleich zu anderen Getreidearten wie Gerste und Roggen hohe Ansprüche an den Standort. Gute Erträge sind in wintermilden Regionen möglich, obwohl er je nach Sorte bis zu minus 20 Grad Celsius verträgt. Er benötigt wegen seiner verhältnismäßig geringen Wurzelmasse und seines hohen Wasserverbrauchs nährstoffreiche Böden mit hoher Wasserhaltefähigkeit. Lößlehm- und Schwarzerdeböden sind ideal. Eine langsame Abreife bei gemäßigten Temperaturen und guter Wasserversorgung im Juni und Juli ist ebenfalls positiv. 

Weizen steht in der Fruchtfolge häufig nach Raps, Kartoffeln oder Zuckerrüben. Wird mehrere Jahre hintereinander auf der gleichen Fläche Weizen angebaut, können sich Krankheiten die mit Stoppelresten übertragen werden wie Halmbruch, oder auch Gräser wie Ackerfuchsschwanz stark vermehren und den Ertrag gefährden.

Unter rund 400 verschiedenen Weizensorten können und müssen deutsche Weizenanbauer die richtige Sorte für ihren Standort auswählen. Dabei gilt es viele verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Ist sie beispielsweise für einen trockenen Standort geeignet oder wird sie auch in kühlen Anbauregionen noch reif? Hat sie eine geringe Anfälligkeit für die vorherrschenden Krankheiten und erfüllt sie die Qualitätsanforderungen der Verarbeiter? Bei der Verwertung für die menschliche Ernährung beispielsweise spielen die Mahlqualität als äußere sowie die Backqualität als innere Qualität eine wichtige Rolle. Über die Bestimmung der Backfähigkeit werden dann Qualitäts-, Brot- und Keksweizen unterschieden. Die richtige Sorte ist der Schlüssel zum Erfolg. Regionale Landessortenversuche helfen, das Spektrum einzugrenzen. Ebenso die beschreibende Sortenliste, in der die Sorten in ihren Eigenschaften beschrieben werden und die vom Bundessortenamt herausgegeben wird.

Winterweizen säen die Anbauer von September bis Dezember in zwei bis drei Zentimetern Tiefe aus. Bei früher Saat, gesundem Saatgut, Sorten mit ausgeprägter  Seitentriebsbildung, guter Saattechnik sowie ausreichend feinem und feuchtem Saatbett reichen 250 Körner, bei schlechteren Bedingungen steigt die Saatstärke auf bis über 400 Körner pro Quadratmeter an. Um zu ermitteln, wie viele Körner pro Quadratmeter ausgesät werden, muss man eine Reihe von Faktoren berücksichtigen. Dazu gehören die angestrebte Zielbestandsdichte, der Beährungskoeffizient , die Tausendkornmasse (TKM), die Minderkeimfähigkeit sowie Feldaufgangs- und Überwinterungsverluste. Hinweise zu Saatzeiten und Saatstärken sowie zur Aussaatberechnung hält die Beratung bereit.

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