Ganz schön anspruchsvoll: Tabak als Kulturpflanze

23.06.2009 Schule & Wissen

Die Tabakpflanze braucht nährstoffreichen Boden, viel Wasser, Wärme und Pflanzenschutz von der ersten Stunde an.

Ist der Tabak gesund, fällt nicht nur die Ernte gut aus. Die Landwirte schätzen ihn auch, weil er den nachfolgenden Kulturen einen fruchtbaren und unkrautfreien Boden hinterlässt. Allerdings benötigt die Tabakpflanze besonders viel Pflege und Schutz. Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg, Außenstelle Rheinstetten Forchheim ist auf den Schutz des Tabaks spezialisiert. Es empfiehlt den Tabakpflanzern Integrierten Pflanzenschutz, von der Anzucht der Setzlinge bis zum Schutz vor pilzlichen Krankheiten und Virus-Infektionen auf dem Acker.

Gesunde Setzlinge sind ein Muss

Tabaksetzlinge werden in einer Nährlösung in Styroporschalen herangezogen. Wärme und Feuchtigkeit bieten Schadpilzen ideale Entwicklungsmöglichkeiten. Deshalb werden die Behälter vor der Aussaat desinfiziert und der Nährlösung geringe Mengen an Fungiziden und Insektiziden zugefügt. Sie stärken die Widerstandskraft der Setzlinge auch nach dem Auspflanzen auf dem Acker.

Mit Hacke und Herbiziden gegen Unkraut

Beim Auspflanzen muss der Boden unkrautfrei sein. Sonst überwuchern schnellwüchsige Gräser oder Ackerunkräuter die Pflänzchen. Später halten die großen Tabakblätter das Sonnenlicht vom Boden fern und verhindern selbst, dass Unkraut gedeiht. Früher war das Hacken der Tabakkulturen mühselige Handarbeit. Heute hacken Maschinen, sofern nicht Herbizide diesen Arbeitsgang überflüssig machen.

Pilzliche Krankheiten bedrohen Tabakkulturen

„Blauschimmel ist in Deutschland das Hauptproblem im Tabakanbau“, sagt Dr. Norbert Billenkamp, Leiter des Sachgebiets Tabak am LTZ Augustenberg. Der Blauschimmel (Peronospora tabacina) breitet sich bei feuchtwarmer Witterung epidemieartig aus. In Deutschland trat er erstmals in den 60er Jahren auf, was zu einem Einbruch des Tabakanbaus führte. Erst seit es wirksame Fungizide gibt, verlor der Schadpilz seinen Schrecken. Lange Zeit wurde der Blauschimmel mit dem Wirkstoff Metalaxyl bekämpft. Inzwischen ist er dagegen resistent geworden. Daher empfehlen die Pflanzenschutzexperten vom LTZ Augustenberg zwei oder besser mehrere andere Wirkstoffe im Wechsel einzusetzen.

Weitere Blattkrankheiten des Tabaks sind Alternaria alternata und der echte Mehltau (Erysiphe cichoracearum). Sie können zu großen wirtschaftlichen Schäden führen, wenn sie nicht konsequent mit Fungiziden bekämpft werden.

Zu den Erregern von Stängelkrankheiten des Tabaks zählen Phytophtora- und Sclerotinia -Pilze. In Deutschland verursacht der Schadpilz Sclerotinia sclerotiorum beim Erntegut die Rippenfäule, Dachbrand genannt. Zum Schutz pflanzen Landwirte Tabak im Wechsel mit Getreide und Mais, da der Pilz diese Pflanzen nicht befällt und so regelrecht ausgehungert wird.

Schadinsekten übertragen Viruskrankheiten

Auch vor Blattläusen und Thripsen muss der Tabak geschützt werden. Sie übertragen Viruskrankheiten wie das Kartoffel-Y-Virus (PVY) und das Gurkenmosaikvirus CMV. Beide können den Tabak schwer schädigen. Insektizide schützen zwar vor einer Vermehrung dieser Schädlinge auf den Tabakpflanzen, nicht aber vor der Ansteckung über zufliegende Insekten. Die Pflanzenschutzexperten in Forchheim testen derzeit so genannte Barrierestreifen: Sie pflanzen fünf Meter breite Streifen aus Sonnenblumen oder Senf zwischen Kartoffeläckern und Tabak. Wenn die zufliegenden Blattläuse die Pflanzen im Barrierestreifen anstechen, verlieren sie ihre schädliche Fracht. Vom Kartoffel-Y- Virus befreit richten sie im Tabakfeld keinen Schaden mehr an.