Der Apfel: Karriere von der verbotenen Frucht zur Nummer eins unter den Obstarten

23.10.2014 Schule & Wissen

Große Sortenvielfalt und zahllose Verwendungsmöglichkeiten

A wie Apfel – das Obst steht nicht nur im Alphabet sondern auch in der Verbrauchergunstganz vorn. Im Durchschnitt isst jeder Deutsche 25,9 Kilo pro Jahr. Die Auswahl ist groß: Da findet jeder seine Lieblingssorten. Ernährungswissenschaftler raten, Äpfel nicht zu schälen, sondern nach dem Waschen auf jeden Fall mit Schale zu essen. Damit die Früchte lange lagerfähig bleiben, müssen sie schonend geerntet und anschließend in einen „Winterschlaf“ gelegt werden.

Wissenswert

Weltweit gibt es schätzungsweise 20 000 Apfelsorten. In Deutschland sind es immerhin etwa 1 500. Jede Sorte hat ihr spezielles Aroma und ihre besonderen Eigenschaften. Erwerbsanbauer haben insgesamt knapp 70 Sorten im Sortiment, davon erreichen etwa 30 eine größere Marktbedeutung. Zu den beliebtesten zählen der aromatisch-saftige Elstar, der süß-säuerliche Braeburn, der süße Gala und der feinsäuerliche Jonagold. Der lateinische Gattungsname für unseren Apfel lautet Malus, was übersetzt „schlecht, böse“ bedeutet. Damit beziehen sich die Botaniker auf den biblischen Sündenfall, der die Vertreibung aus dem Paradies zur Folge hatte, keineswegs hingegen auf die inneren Werte. Die sind nämlich hervorragend. Regelmäßiger Apfelverzehr fördert die Gesundheit. Vitamine und Spurenelemente stärken die Widerstandsfähigkeit des Körpers und das Herz. Der Inhaltsstoff Quercetin soll freie Radikale unschädlich machen, Gerbsäure wirkt gegen Entzündungen, Pektin normalisiert die Darmtätigkeit… Diese Aufzählung ließe sich fortführen. Die meisten wertvollen Inhaltsstoffe, Vitamine und Mineralstoffe stecken in beziehungsweise unmittelbar unter der Schale. Gesundheitsbewusste sollten sie also unbedingt nach dem Waschen und Abreiben mitessen.

Herkunft und Ansprüche

Der Apfel ist weltweit in den gemäßigten Klimazonen verbreitet. Seinen Ursprung hat er aber in Zentral- und Westasien. Der Handel der Griechen und Römer brachte die Frucht nach Europa. Im Laufe der Zeit züchteten unsere Vorfahren aus der ursprünglich holzigen, kleinen und sehr sauren Frucht unsere heutigen Sorten. Im Vergleich zu anderen Obstarten benötigt der Apfel im Allgemeinen mittlere bis niedrige Temperaturen und wenig Sonneneinstrahlung, aber viel Wasser. Die Ansprüche unterscheiden sich von Sorte zu Sorte.

Anbau

Während in größeren Gärten oder auf Streuobstwiesen hauptsächlich Hochstämme zu finden sind, setzen die Erwerbsanbauer auf sogenannte Niederstämme. Diese Bäume werden nur etwa zwei Meter hoch und stehen sehr dicht in der Reihe, sodass sie schon nach wenigen Jahren eine Hecke bilden. Damit die Bäume klein bleiben, wird ein schwach wüchsiger Wurzeltrieb („Unterlage“) mit der gewünschte Sorte („Edelreis“) veredelt. Gepflanzt wird im Herbst an frostfreien Tagen, wobei die Veredlungsstelle zehn Zentimeter über dem Boden liegen sollte. Zehn bis zwanzig Mal mehr Bäume als im Hochstammanbau bedeuten auch deutlich größere Investitionen. Doch die rechnen sich: Schon nach zwei bis vier Jahren liefern die Anlagen hohe und gleichmäßige Erträge sowie beste Qualitäten. Ein weiterer Pluspunkt: Auch normalgroße Pflücker benötigen keine Leiter. Hobbygärtner sollten daran denken, dass der Apfel ein Fremdbefruchter ist. Es muss also ein zweiter Baum in der Nähe zeitgleich blühen, damit Früchte entstehen können.  

Pflanzenschutz und Düngung

Ohne gewissenhaften Pflanzenschutz ist ein wirtschaftlicher Anbau nicht möglich. Die Qualitätsanforderungen der Verbraucher sind hoch, und die Liste der schädlichen Pilze, Insekten oder Bakterien ist lang. Apfelschorf, Apfelmehltau, Apfelwickler, Fruchtfäule, Obstbaumkrebs oder Feuerbrand seien als Beispiele genannt. Gut ausgebildete Anbauer beugen je nach Schaderreger mit unterschiedlichen Maßnahmen vor, entfernen befallene Pflanzenteile und setzen gezielt chemische Pflanzenschutzmittel ein. Sie überprüfen regelmäßig die Nährstoffgehalte des Bodens. Stickstoff, Phosphor, Kalium, Kalk und Magnesium zählen zu den wichtigsten Nährstoffen. Überschuss ist dabei ebenso ungünstig wie Mangel. Ein zu reichliches Stickstoffangebot etwa führt zu starkem Wachstum und Stippigkeit

Ernte und Lagerung

Wenn genügend Stärke in Fruchtzucker umgewandelt wurde, ist die Frucht reif. Mit einem Jodtest und einer Farbtabelle lässt sich der optimale Zeitpunkt bestimmen. Äpfel sollten beim Pflücken angehoben und dann vom Trieb abgedreht werden. Nach der Ernte reifen Äpfel nach und verbessern dabei zunächst ihren Geschmack. Später werden sie aber mehlig und verlieren die Saftigkeit sowie ihre Vitamine. Diese Alterung kann durch Lagerung in gasdichten und fast sauerstofffreien ULO- (Ultra Low Oxygen) Kühllagern um mehrere Monate verzögert werden. Die Früchte befinden sich dort in einer Art Winterschlaf. Apfelliebhaber können sich auch mit einem Polyethylen-Beutel behelfen. Einige kleine Löcher hineinstanzen, Äpfel einfüllen und kühl und dunkel lagern. Äpfel in der Obstschale auf dem Wohnzimmertisch ziehen leider auch unappetitliche Fruchtfliegen an. Basilikum- und Mandelholzduft soll diese vertreiben. Alternativ hilft auch eine Falle: Ein Glas mit Essig, Wasser und etwas Spülmittel füllen.

Zahlen

In Deutschland wuchsen 2013 auf 31 647 Hektar Äpfel, die Erntemenge betrug 803 800 Tonnen. Den größten Anteil haben Baden-Württemberg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Der Pro-Kopf Verbrauch lag 2011/2012 bei 25,9 Kilogramm. Damit liegt der Apfel deutlich vor der zweitbeliebtesten Obstart – die Banane kommt gerade einmal auf 10,5 Kilogramm (Quelle: Statistisches Bundesamt).

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