Versponnene Apfel-Blattbüschel und Triebe

16.03.2017 Haus & Garten

Wenn Schmetterlingsraupen spinnen

Schon zeitig im Frühjahr werden die Apfelbäume von Schädlingen heimgesucht, die sich in Gespinsten verstecken und damit auch vor direkten Pflanzenschutz-Maßnahmen geschützt sind. So ist mancher Gartenfreund verwundert, wenn sich die Knospen nicht entfalten und die jungen Blätter wie verklebt erscheinen oder in weißen Gespinsten die Blätter völlig weg gefressen werden. In diesen Fällen sind die Raupen der Knospenwickler und der Apfelbaumgespinstmotte am Werk, die den Winter am Gehölz an geschützten Stellen überdauert haben.

Versponnene Blattbüschel         

Im Frühjahr können besonders Apfelbäume vom Roten und Grauen Knospenwickler befallen werden. Die in Gespinsten in Rindenrissen und Astgabeln überwinterten Jungraupen verlassen ab Ende März/Anfang April ihre Winterquartiere und bohren sich in Blüten und Blattknospen ein, die sie zerstören. Später fressen sie auch an den Blüten und sitzen in den austreibenden Blattbüscheln. Diese spinnen sie mit winzigen Fäden zusammen, sodass sich die Blätter nicht entfalten können. In jedem solcher Gespinste lebt nur eine Raupe. Sie ist entweder rötlich-braun beim Roten Knospenwickler oder dunkelgrün bis grau beim Grauen Knospenwickler gefärbt. Manchmal dringen die Raupen auch in den Trieb ein, was man daran erkennen kann, dass die Blatt- oder Blütenbüschel welken.

Kaltes Frühjahrswetter verzögert die Zuwanderung der Raupen aus den Winterquartieren. Die Raupen des Grauen Knospenwicklers werden 18 bis 20 Millimeter lang und verpuppen sich schon im Mai/Juni, die des Roten Knospenwicklers erreichen eine Länge von 9 bis 12 Millimetern und verpuppen sich erst im Juni/Juli zwischen zusammen gesponnenen Blättern. Nach etwa zwei Wochen erscheinen die Schmetterlinge und legen ihre Eier auf Blättern und jungen Trieben ab. Nach einer weiteren Woche schlüpfen die Raupen. Die Jungraupen können schon schädlich werden. Sie verursachen einen Skelettierfraß an Blättern und fressen auch unter einem angesponnenen Blatt an der Fruchtoberfläche. Im Herbst begeben sie sich an die Überwinterungsorte und spinnen sich dort ein. Außer Apfel gelten auch Birne, Kirsche und Pflaume als Wirtspflanzen.

Gezielte Gegenmaßnahmen sind allgemein nicht erforderlich, da sie bei der Bekämpfung anderer Wicklerarten am Apfel mit erfasst werden.

Gespinste in der Baumkrone

Im Frühjahr werden an Apfelbäumen die austreibenden Knospen durch die kleinen gelblichen Raupen der Apfelbaumgespinstmotte von innen her zerfressen. Mit zunehmendem Austrieb der Bäume fressen die Tiere im Schutz feiner Gespinste an den Blättern. Nach Schabe- und Lochfraß skelettieren sie schließlich die ausgetriebenen Blätter von deren Oberseite her. Bei weiterer Entwicklung der Raupen werden von ihnen große Gemeinschaftsgespinste angelegt, die einen ganzen Ast, bei starkem Befall auch Teile der Baumkrone schleierartig überziehen können. In ihnen fressen gesellig zahlreiche Tiere. Ein starker Befall kann sogar zum teilweisen Kahlfraß der Bäume führen. Obwohl sich die kahl gefressenen Zweigpartien im Sommer wieder begrünen, ist auch im Folgejahr mit Ertragseinbußen zu rechnen. Der Schädling tritt örtlich und nicht in gleicher Stärke regelmäßig in jedem Jahr auf, wobei er durch warmes, niederschlagsarmes Sommerwetter begünstigt wird. In den vergangenen Jahren war ein langsam zunehmendes Auftreten des Schädlings im Streuobstanbau oder in Kleingärten zu beobachten.

Die gesellig fressenden Raupen werden etwa 1,5 Zentimeter lang, sind gelblich, gelb-grau bis grau-grün gefärbt und tragen auf dem Rücken zwei Reihen schwarzer Punkte. Von Juni bis Juli findet man die Puppen des Schädlings in den Gespinsten. Nach drei bis fünf Wochen schlüpfen die bis 2 Zentimeter Spannweite großen, 7 Millimeter langen, weiß-grau gefärbten Falter, deren Vorderflügel schwarz gepunktet und die Hinterflügel gefranst sind. Die Eier legen sie im Zeitraum von Juli bis August/September an dünnen Apfelzweigen ab. Sie werden dachziegelartig nebeneinander gelegt und mit einem verhärtenden Sekret bedeckt. Jedes Weibchen legt bis zu 80 Eier. Das Eigelege ist bis 4 Millimeter lang. Die anfangs weißlichen und später gelblich-braunen Gelege sind bei den winterlichen Fruchtholzuntersuchungen mit bloßem Auge zu erkennen. Noch im Herbst schlüpfen die Raupen. Diese winzigen Eiräupchen bleiben aber unter dem Schutz der Sekretschicht und überwintern hier. Als kritischer Befallswert ist 1 Gelege auf 1 Meter Fruchtholz anzusehen. Neben Apfelbäumen werden von diesem Schädling auch Weiß- und Rotdorn sowie vereinzelt selbst Quitten-, Aprikosen- und Pfirsichbäume befallen.

Eine gezielte Bekämpfung mit handelsüblichen Präparaten ist nur sehr zeitig erfolgreich, wenn noch keine größeren Gespinste gebildet wurden. Sind bereits ausgedehnte Gespinste vorhanden, ist es bei den Spritzungen schwierig, dass diese von der Spritzbrühe genügend durchdrungen werden. Falls es die Größe der Gehölze gestattet, kann ein Herausschneiden und Vernichten der Gespinste mit den Raupen bei geringem Befall und Niederstamm-Baumformen erfolgversprechend sein.

Beliebte Beiträge

Umwelt & Verbraucher 04.12.2017

Boden des Jahres 2018: Der Alpenboden

Forschung & Technik 28.11.2017

Forschungsziel Trockenstresstoleranz

Schule & Wissen 23.11.2017

Auberginen müssen reif sein

Haus & Garten 21.11.2017

Baum des Jahres 2018: Die Ess-Kastanie

Forschung & Technik 15.11.2017

Agritechnica: Konjunkturlokomotive Landtechnik

Haus & Garten 30.11.2017

Reden Sie mit Ihren Zimmerpflanzen!?

Forschung & Technik 07.12.2017

Strom aus Tomaten?