Über die Lagerfähigkeit von Kernobst

11.01.2018 Haus & Garten

Anbau und Kulturbedingungen haben Einfluss auf die Lagerdauer

Die Wintersorten des Kernobstes, auch Lagersorten genannt, können bei entsprechendem Lagern von Januar bis Ostern, je nach Bedingungen manchmal noch länger, schmackhaft sein und die Zeit bis zur neuen Obsternte aus dem Garten (Erdbeeren, Süßkirschen) verkürzen. Häufig ist die Lagerdauer in einzelnen Jahren jedoch nicht so lange. Die gleiche Sorte ist mitunter in verschiedenen Regionen unterschiedlich gut bzw. lange haltbar. Es gibt viele Faktoren, die die Haltbarkeit der Früchte beeinflussen. Einige, insbesondere anbautechnische und klimatische Faktoren stellen wir vor.

Lichtmangel, beispielsweise durch zu dichte Pflanzungen oder unzureichende Kronenpflege, wirkt sich über einen verminderten Zucker- und Säuregehalt nachteilig auf die Lagerfähigkeit der Früchte aus. Zudem sind solche Früchte auch anfälliger für verschiedene parasitäre Fäulniserreger.

Einen Grundstein für das spätere Lagerverhalten legt man schon mit der Wahl der Pflanzunterlage. Die Unterlagen beeinflussen nicht nur die Wuchsstärke der Bäume, sondern auch die Fruchtgröße und Fruchtqualität sowie Ertragsbeginn und -menge der Apfelsorten. Sorten auf stark wachsenden Unterlagen, zum Beispiel M 11, A 2 oder Sämling, können später gepflückt werden als solche auf schwach wachsenden Unterlagen, wie zum Beispiel M 9, M 26 und M 27. So werden beispielsweise für die stark wachsenden Sorten „Pink Lady“ („Cripps Pink“), „Elstar“ oder „Boskoop“ solche schwach wachsenden Unterlagen empfohlen.

Auch bei Birnen reifen die Sorten auf Sämlingsunterlagen später aus. Hier kann die frühere Reife auf der Quittenunterlage vor allen Dingen in klimatisch ungünstigen Gebieten von Vorteil sein. Leider wird nicht bei allen Obstbäumen auf den Etiketten die verwendete Veredlungsunterlage angegeben.

Ein weiterer Faktor ist der Boden. Apfelsorten, die auf sandigen Böden stehen, reifen eher aus als solche auf lehmigen Böden. Die gleichen Sorten müssen hier eher gepflückt werden. Beobachtet wurde, dass Äpfel von schweren Böden bei ungünstigen, kühlen und nassen Sommer- und Herbstmonaten nicht immer die physiologische Pflückreife erreichen. Die Folge ist schlechterer Geschmack und eine erhöhte Anfälligkeit für nichtparasitäre Lagerkrankheiten. So ist zum Beispiel „Cox Orange“ und seine Auslese „Holsteiner Cox“ anfällig für die Stippigkeit. Äpfel aus wärmeren Klimagebieten sind allgemein schlechter haltbar als solche aus kühleren, aber sonnenscheinreichen Gegenden. Die in großer Wärme gewachsenen Früchte unterliegen auf dem Lager einem schnelleren Alterungsprozess. Deshalb ist es eine alte Regel der Obstbauern, dass Äpfel von sogenannten Grenzstandorten die besten Qualitäten haben. Das ist auf einen höheren Trockensubstanzanteil, mehr Zucker und Zellulose zurückzuführen. Deshalb sind Früchte von den Gebirgslagen besser als solche aus Ebenen. Bei den Birnen reifen allerdings die Früchte nur bei einem günstigen Herbstklima richtig aus.

Nicht zu vernachlässigen ist der Einfluss von Kulturmaßnahmen auf die Lagerfähigkeit der Früchte. Das sind vor allem Bewässerung, Düngung und Kronenpflege. Störungen im Wasserhaushalt der Pflanzen, wie beispielsweise nasskalte Witterungsabschnitte nach Trockenperioden, können die Stippigkeit bei Äpfeln fördern. Solche Früchte sind dann nicht lagerfähig und in Geschmack und Qualität stark beeinträchtigt. Durch einen ausreichend mit Humus versorgten Boden kann man allgemein eine gleichmäßige Wasserversorgung erreichen. Trotzdem können die Witterungsverhältnisse und Ansprüche der Obstarten eine zusätzliche Bewässerung notwendig werden lassen. Allerdings sollte man in der Phase des Erreichens der Pflückreife der Früchte darauf verzichten.

Für das Lagern sind mittlere Fruchtgrößen am besten geeignet. Deshalb ist in jedem Fall auf ein harmonisches Ernähren der Bäume, das einseitiges Überbetonen eines Nährstoffs ausschließt, zu achten. Beim Düngen muss ein besonderes Augenmerk auf die Versorgung der Pflanzen mit Stickstoff und Kalium gelegt werden. Stickstoff ist zwar ein wichtiger Pflanzennährstoff, durch dessen Überangebot werden aber zu große, schlecht ausreifende, grüne Früchte gebildet. Sie haben zudem nur eine geringe Festigkeit ihres Fruchtfleischs. Das begünstigt ein verstärktes Auftreten der Stippigkeit, Gloeosporium-Fäule und der nichtparasitären Schalenbräune sowie der Glasigkeit des Kernhauses.

Kalium führt zu gut ausgefärbten Früchten mit festem Fruchtfleisch, sodass nichtparasitäre Lagerkrankheiten weniger auftreten. Aber auch hier ist ein Überangebot zu vermeiden, denn ein Missverhältnis zwischen Kalium, Kalzium und Magnesium führt zu der nichtparasitären Stippigkeit. Wer aber auf optimale Kulturbedingungen (harmonische Ernährung, am besten nach den Ergebnissen einer Nährstoffanalyse des Bodens, regelmäßige Kronenpflege und ausgeglichene Wasserversorgung) achtet, wird hier weniger Schwierigkeiten bekommen.

Mit dem optimalen, sortentypischen Pflückzeitpunkt werden weitere Voraussetzungen für eine lange Haltbarkeit der Früchte geschaffen. Dabei ist zu beachten, dass Pflückreife und Genussreife zwei unterschiedliche Termine sind. Sowohl zu früh als auch zu spät geerntete Früchte halten sich schlechter. Bei zu früher Ernte kann es leicht zu Schalenbräune kommen. Eine zu späte Ernte kann die Fleisch- und Kernhausbräune begünstigen. Anfällig hierfür ist zum Beispiel „Boskoop“. Für die Kernhausbräune empfindlich ist auch die Sorte „Braeburn“. Bei den meisten Apfelsorten scheint sich die zu späte Ernte nachteiliger auszuwirken als eine etwas zu zeitige Ernte. Das häufig als Reife angesehene Braunverfärben der Kerne ist kein für alle Sorten zutreffendes Merkmal. Viele Herbstsorten sind schon oft pflückreif, bevor sich die Kerne bräunen. Auf den Reifevorgang hat die Jahreswitterung einen großen Einfluss. Für den Hobbygärtner ist die subjektive Methode anwendbar, dass die Pflückreife erreicht ist, wenn sich die Äpfel oder Birnen beim nach oben biegen des Fruchtstiels leicht vom Fruchtholz lösen. Für manche Sorten kann auch eine Aufhellung der Grundfarbe, wie beispielsweise beim „Golden Delicious“, in Richtung Gelb ein Hinweis auf die Reife sein.