Graben oder nicht graben?

09.11.2005 Haus & Garten

Die Zeit der Bodenbearbeitung im Garten beginnt nach der Ernte im Oktober/November und sollte vor Weihnachten abgeschlossen sein.

Wenn nach dem Abschluss der Gartensaison im Herbst die Beete umgegraben werden, kann Frost auf die groben Schollen einwirken und sie lockern (Frostgare). Mit dieser rauhen, groben Oberfläche nimmt der Boden außerdem viel Winterfeuchtigkeit auf. Beim Graben sind möglichst alle Wurzelunkräuter und Steine auszulesen. Sobald der Boden im Frühjahr abgetrocknet ist, werden die groben Winterschollen zerkleinert und der Boden wird eingeebnet.

Es spricht vieles dafür, vor allem Gartenbeete mit schweren, tonreichen Böden im Herbst umzugraben. In den etwa 25 cm tief gelockerten Boden können dann Regen und Tauwasser eindringen. Frost sprengt die groben Schollen und lockert sie auf natürliche Weise. Der Fachmann spricht von Frostgare . Sie trägt zum guten Luft- und Wasserhaushalt bei. Ebenso sinnvoll ist das Graben, wenn die Krume für frisch in Kultur zu nehmende Böden vertieft werden soll.
Vor dem Pflanzen empfindlicher Tiefwurzler und mehrjähriger Kulturen ist allerdings manchmal eine zwei- oder dreispatenstichtiefe Lockerung angesagt.

Einem nassen Boden bekommt das Graben nicht

Voraussetzung für das Graben ist natürlich ein einigermaßen trockener Boden. Bei einem nassen Boden würden durch das Graben schädliche Verdichtungen entstehen, es käme nicht zur Bodengare . Auf leichten, also sandigen Böden kann dagegen oft auf die „tiefe Herbstfurche“ verzichtet werden. Sie sind von Natur aus lockerer und besser durchlüftet. Im Frühjahr erwärmen sie sich deswegen zügiger, trocknen allerdings auch schneller aus. Im Normalfall reicht bei ihnen eine Lockerung mit der Grabegabel oder eine flache Bodenbearbeitung mit dem Vierzahn. Er sollte, genauso wie der Spaten mit einem T-Griff ausgestattet sein.

Nicht alle Pflanzenreste eignen sich zum Eingraben

Mit dem Spaten läßt sich auch organische Substanz in den Boden einbringen. Allerdings gilt es bei Pflanzenresten zu unterscheiden. Diplomgartenbau-Ingenieur Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde empfiehlt: „Mit bodenbürtigen Pilzen wie Kohlhernie und Sclerotinia befallene Pflanzen müssen auf jeden Fall aus dem Garten entfernt werden.“ Unkritisch seien hingegen Laub und Pflanzenreste, die mit an der Bodenoberfläche überwinternden Pilzen befallen sind. „Grauschimmelfäule, Sternrußtau und Rostpilze werden durch das Untergraben vernichtet.“ Das weitere Wachstum von Unkräutern könnte zudem durch Graben gestoppt werden. Im Frühjar ließe sich dann in einen „sauberen“ Boden einsäen.

Kompost sollte nicht zu tief untergegraben werden. Thomas Wagner begründet dies so: „Im Unterboden ist weniger Luft vorhanden. Bei Sauerstoffmangel kommt es statt der gewünschten Verrottung zu Fäulnis.“ Deshalb sind viele Gärten über Winter mit einer Mulchschicht aus nur flach oder gar nicht eingearbeiteter Gründüngung, wie zum Beispiel Phacelia, oder mit Stallmist bedeckt.

Bodenbearbeitung beeinflusst Bodenlebewesen

Mikroorganismen und Bakterien entwickeln sich überwiegend in den obersten 5 bis 10 Zentimeter Boden. Sie helfen unter anderem, die Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar zu machen. Wird diese biologisch aktive Schicht nach unten gewendet, dauert es eine Zeit, bis sich die Bodenbewohner wieder im Oberboden ansiedeln. Auch aus diesem Grund ist davon abzuraten, im Frühjahr tief umzugraben. Die Bearbeitungstiefe darf höchstens 10 cm betragen, da sonst Wasserverluste die Folge sind. In der Nähe von mehrjährigen Zierpflanzen und Gehölzen sollte mit Rücksicht auf deren Wurzeln nur flach aufgelockert werden. Dabei können Laub und Kompost eingearbeitet werden.

Traummaße 30 : 40 : 30

Zur guten Bodenstruktur trägt auch Düngung bei. Kalk wirkt nicht nur über den pH-Wert auf die Verfügbarkeit von Nährstoffen, sondern stabilisiert zusätzlich die Krümelstruktur. Hobbygärtner sollten auf eine bedarfsgerechte Versorgung ihrer Böden achten. Das Verhältnis Boden zu Wasser zu Luft beträgt in einem normalen Boden 50 : 25 : 25 Prozent. Schöpft der Hobbygärtner alle beschriebenen Maßnahmen aus, kann es auf 30 : 40 : 30 verbessert werden. Der Boden hat ein gutes Gedächtnis und ist nachtragend. Deshalb lohnt es sich, sorgfältig mit ihm umzugehen. Denn nur ein gesunder Boden ermöglicht eine gute Ernte.