Die Rotpustelkrankheit wird oft unterschätzt

09.02.2012 Haus & Garten

Der holzzersetzende Pilz gefährdet zahlreiche Gehölzarten

Der Rotpustelpilz hat zwei Gesichter. Als Saprophyt zersetzt er Totholz und erfüllt so wichtige ökologische Funktionen. Als Wund- und Schwächeparasit schädigt er lebende Gehölze. Optimale Wachstumsbedingungen und gezielte Schnittmaßnahmen beugen dem Pilzbefall wirksam vor. Hygienisches Arbeiten und zugelassene Wundverschlussmittel halten die Pflanzen gesund.

Sie sind orangefarben bis lachsrosa, die stecknadelkopfgroßen Fruchtkörper des pilzlichen Erregers Tubercularia vulgaris. Die Fruchtkörper entstehen auf der Rinde abgestorbener, verletzter oder frostgeschädigter Äste und auf dem Schnittholz zahlreicher Laubgehölze, wenn es längere Zeit am Erdboden liegt. Erst unter feuchten Bedingungen quellen die Sporenbehälter (Sporodochien) auf und lassen die Konidien frei, die dann durch Wassertropfen und Wind verbreitet werden. Die Nebenfruchtform Tubercularia vulgaris vermehrt sich ungeschlechtlich und wird der Klasse der Fungi imperfecti zugeordnet. Im Spätsommer, Herbst oder im folgenden Frühjahr bilden sich die zinnoberroten Fruchtkörper der Hauptfruchtform, die so genannten Perithecien, in denen geschlechtliche Sporen (Ascosporen genannt) ausgebildet werden. Die Hauptfruchtform des Rotpustelpilzes Nectria cinnabarina zähltzur Klasse der Schlauchpilze (Ascomycetes). Neben Rindenerkrankungen zeigt sich der Befall auch durch Abwelken von Gehölzteilen, die über den Infektionsstellen liegen. 

Der Pilz tritt häufig als Saprophyt auf. Er zersetzt organische Holzsubstanz und erfüllt so eine wesentliche ökologische Funktion im biologischen Stoffkreislauf. Dass man den Rotpustelpilz oft auf abgestorbenen Holzteilen findet, lässt ihn weniger gefährlich erscheinen als er ist. Er kann nämlich auch parasitär auftreten und von totem auf gesundes Gewebe übergreifen. Als typischer Schwächeparasit dringt er beispielsweise über Wunden in geschwächte, lebende Pflanzen ein. Schnittwunden und andere Verletzungen sind bevorzugte Eintrittspforten für den pilzlichen Erreger. Besondere Gefahr besteht, wenn Heckenpflanzen mit der Heckenschere geschnitten wurden, vor allem im Winter und Frühjahr. Übereinstimmend wird von verschiedenen Autoren berichtet, dass der günstigste Schnittzeitpunkt im Spätsommer liegt. Auch frisch gepflanzte Bäume und Sträucher, die nach der Pflanzung unter Wassermangel leiden, sind „ein gefundenes Fressen“ für den Rotpustelpilz. Wenn der Pilz in den Gefäßen wächst und zum Holzteil vordringt, verfärbt sich dieser grünlich bis bräunlich. Es werden auch Gewebeneubildungen erkennbar, die aber nicht zu Wucherungen, wie beim Obstbaumkrebs, führen. 

Der pilzliche Erreger hat einen großen Wirtspflanzenkreis.

Die Pilzkrankheit wurde in den letzten Jahren vermehrt sowohl in Baumschulen als auch im öffentlichen Grün, vor allem bei frisch gepflanzten Bäumen in Straßen und Grünanlagen beobachtet. Sie befällt unter anderem Laubgehölzarten aus den Gattungen Ahorn(Acer), Rosskastanie(Aesculus), Weißdorn (Crataegus), Hainbuche(Carpinus), Buche (Fagus), Esche(Fraxinus), Walnuss(Juglans), Apfel(Malus), Pflaume (Prunus), Johannisbeere (Ribes), Robinie(Robinia), Vogelbeere(Sorbus), Linde(Tilia) und Ulme (Ulmus).

Da die Krankheit geschwächte Gehölze bevorzugt befällt, leistet schon die optimale Gestaltung der Wachstumsbedingungen einen wesentlichen Beitrag zur wirksamen Vorbeugung. 

Zum Vorbeugungsprogramm gehört:

  • standortgerechte Arten- und Sorten auswählen,
  • Verletzungen beim Transport oder beim Verpflanzen der Gehölze vermeiden,
  • Gehölze niemals ohne Ballen beziehungsweise ohne Einschlag lagern, weil die Wurzeln sonst austrocknen,
  • die Beeinträchtigung der Wurzeltätigkeit durch Bodenverdichtungen oder Staunässe vermeiden,
  • eine optimale Ernährung der Pflanzen gewährleisten; dabei ist Zurückhaltung bei der Stickstoffdüngung geboten;
  • kranke und dürre, abgebrochene oder frostgeschädigte Äste und Triebe sind bis ins gesunde Holz zu entfernen.
  • Das Schnittholz sofort beseitigen, nicht auf dem Boden liegenlassen.
  • Nur scharfe Schnittwerkzeuge verwenden, damit keine Risse oder Quetschungen entstehen.
  • Den Schnitt jeweils auf „Astring“ durchführen; damit  keine Zapfen, als mögliche Eintrittspforten für den Erreger stehen bleiben.
  • Wundverschlussmittel, insbesondere auf größeren Schnittflächen anwenden, um keine Eintrittspforten entstehen zu lassen.

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