Aufruf zur Wahl der "Giftpflanze des Jahres 2017"

06.12.2016 Haus & Garten

Vom Junior bis zum Senior und vom Laien bis zum Fachmann können alle abstimmen

Noch bis zum 15. Dezember 2016 kann jeder bei der Wahl zur „Giftpflanze des Jahres 2017“ seine Stimme abgeben. Helge Masch vom Botanischen Sondergarten Wandsbek – Initiator, Organisator und Auswerter in Personalunion – beantwortet dem IVA-Magazin Fragen rund um die Wahl und zu den Besonderheiten von Giftpflanzen.

Wie ist vor 13 Jahren die Idee zur Wahl der „Giftpflanze des Jahres“ entstanden?

Vor dem Jahr 2004 habe ich über viele Jahre eine Ausstellung zur „Natur des Jahres“ zusammengestellt und Giftpflanzen-Führungen angeboten. Plötzlich war mir klar, es fehlt die „Giftpflanze des Jahres“. Zuerst mussten wir Regeln für die Wahl aufstellen und eine Internetseite entwickeln. Dann konnte es losgehen!

Was ist Ihr Ziel mit der jährlichen Wahl? Wie ist die Resonanz?

Ich möchte ohne erhobenen Zeigefinger Kenntnisse zu einer schwierigen Pflanzengruppe weitergeben. Absolut missverstanden fühle ich mich, wenn aufgrund der Wahl Pflanzen aus den Gärten entfernt werden.

Wer kann über die „Giftpflanze des Jahres“ abstimmen?

Alle Personen vom Junior bis zum Senior und vom Laien bis zum Fachmann sind bei der Abstimmung willkommen. Es geht nicht um richtig oder falsch! Ich freue mich über jeden, der sich mit der Wahl oder auch mit den Vorschlägen für 2017 beschäftigt.

Für unentschlossene Wähler: Haben Sie einen Tipp, wie man seinen persönlichen Favoriten auswählt?

Folgen Sie Ihrem Bauchgefühl: Was haben Sie selbst noch nicht gewusst? Was wissen wohl andere nicht? Was sollte jeder wissen?

In diesem Jahr steht erstmals die Kategorie „Nahrungspflanze“ zur Wahl. Was ist der Hintergrund?

Nahrungspflanzen waren schon immer Bestandteil der bisherigen vier Kategorien. Jedoch kamen immer Rückfragen wie: „Tomaten sind doch nicht giftig, oder?“. Mit der Einführung der Kategorie „giftige Nahrungspflanzen“ wollen wir darauf aufmerksam machen, dass es eine Vielzahl von Nahrungsmitteln gibt, die von Pflanzen mit giftigen Inhaltsstoffen stammen, und zum Teil erst durch die richtige Zubereitung essbar werden.

Haben Sie eine Prognose, wer sich den Titel holt?

Vermutlich wird nicht die giftigste, sondern die schönste Pflanze das Rennen machen. Bei den vergangenen Abstimmungen lag ich – bis auf den Tabak – immer daneben.

Was fasziniert Sie persönlich an den giftigen Pflanzen?

Giftpflanzen protzen nicht mit ihrer Stärke bzw. ihrem Abwehrmechanismus. Man sieht ihnen ihre Giftigkeit nicht an, sie sind unscheinbar. Darüber hinaus sind nicht immer alle Pflanzenteile giftig und auch nicht zu jeder Zeit. Man kann lange recherchieren – noch nie hat eine Pflanze von sich aus angegriffen, Mensch oder Tier haben immer den ersten Schritt getan und haben die Linie absichtlich oder unabsichtlich überschritten.

Was raten Sie jungen Eltern oder Tierbesitzern für den Umgang mit Giftpflanzen?

Das Aneignen von Pflanzenkenntnissen! Genauso wie Kinder es lernen müssen, sich im Straßenverkehr zurechtzufinden, sollten sie auch in die Geheimnisse der Natur eingeführt werden.

Welche Giftpflanzen können sich Besucher im Botanischen Sondergarten Wandsbek ansehen?

Die Liste der Pflanzen mit giftigen Inhaltsstoffen ist lang. Viele dieser Pflanzen wachsen in Gärten, Parks und in der Natur. So ist es auch im Sondergarten.

Gibt es dazu Informationen oder spezielle Führungen?

Ja, wir bieten Führungen für Jedermann, aber zum Beispiel auch für Schulklassen an.

Der Botanische Sondergarten Wandsbek feiert 2016 sein 90-jähriges Bestehen. Dazu gratuliert das IVA-Magazin herzlich. Gibt es besondere Aktionen zum Jubiläum und Informationen über die Geschichte des Sondergartens?

Herzlichen Dank. Ja, im Sommer hatten wir ein großes Geburtstagspicknick mit den Parkbesuchern veranstaltet. Auf unserer Webseite versuchen wir die 90-jährige Geschichte des Gartens in Bildern zu beschreiben.

Vielen Dank für das Interview, Herr Masch. Wir wünschen dem Botanischen Sondergarten Wandsbek viele interessierte Besucher, eine rege Beteiligung bei der Wahl zur Giftpflanze des Jahres und Ihnen weiterhin viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer Ideen.
 

Und das sind die fünf Kandidaten zur Wahl der „Giftpflanze des Jahres 2017“:

Kandidat in der Kategorie „Einjährige Pflanze“: Hanf

Der gewöhnliche Hanf (Cannabis sativa) stammt aus Zentralasien und wird mittlerweile weltweit angebaut. Er wächst in der Natur vier bis sechs Meter hoch. Hanf findet Verwendung in der Medizin, als Rauschmittel oder auch als Nutz-Hanf. Alle Bestandteile der Pflanzen sind giftig, besonders das Harz der weiblichen Pflanze. Das darin enthaltene Tetrahydrocannabidol beeinflusst das Zentralnervensystem des Menschen.

Kandidat in der Kategorie „Gehölz“: Europäische Stechpalme

Ilex aquifolium ist die einzige in Mitteleuropa heimische Stechpalme. Sie wird oft als Hecke oder Ziergehölz angepflanzt, wächst aber auch in Wäldern. Die reifen roten Beeren sind in größeren Mengen sehr giftig. Nach dem Verzehr von 20 bis 30 Stück kann es zu Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen kommen. Aber auch die in den Blättern enthaltenen Saponine sind giftig.

Kandidat in der Kategorie „Staude“: Tränendes Herz

Das Tränende Herz (Lamprocapnos spectabilis) ist eine aus China stammende Gartenzierpflanze. Als Angehörige der Mohngewächse ist die Staude mit den herzförmigen Blüten in allen Teilen giftig, besonders aber die Wurzeln. Austretender Pflanzensaft kann Kontaktallergien hervorrufen, der Verzehr kann gar zu schweren Vergiftungen führen. Bei der Gartenarbeit sollten daher Handschuhe getragen werden.

Kandidat in der Kategorie „Kübelpflanze“: Dieffenbachie

Dieffenbachia ssp. ist in der Karibik und Brasilien beheimatet. Bei uns ist sie als Zimmerpflanze oder Zierpflanze in tropischen Parks beliebt. Ihr Gift führt bei oralem Verzehr zum Anschwellen der Schleimhäute und der Zunge. Daher wurde es schon zu Zeiten der Sklavenhaltung verwendet, um unliebsame Zeugen vorübergehend zum Schweigen zu bringen. In kleineren Dosen können die Pflanzenteile zu zeitlich begrenzter Unfruchtbarkeit bei Mensch und Tier führen.

Kandidat in der Kategorie „Nahrungspflanze“: Kaffee

Der Kaffeestrauch (Coffea arabica) ist in den Tropen kultiviert. Aus den weißen Blüten des Baumes bilden sich rote Steinfrüchte, welche meist zwei Kaffeebohnen enthalten. Diese enthalten etwa 1,2 Prozent Coffein. Um sich an Coffein aus Kaffee zu vergiften, müsste ein erwachsener Mensch mit 70 Kilogramm Körpergewicht etwa 250 Tassen Kaffee trinken. Jedoch kann auch eine geringere Menge Kaffee das zentrale Nervensystem beeinflussen und zu innerlicher Aufregung, Herzklopfen oder Schlaflosigkeit führen.

Das sind die Gewinner der vergangenen Jahre:

2016: Kalifornischer Mohn
2015: Der Rittersporn
2014: Das Maiglöckchen
2013: Der Kirschlorbeer
2012: Der Goldregen
2011: Die Eibe
2010: Die Herbstzeitlose
2009: Der Tabak
2008: Die Herkulesstaude
2007: Der Rote Fingerhut
2006: Das Pfaffenhütchen