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Forschung & Technik
22.11.2022

Züchtungsfortschritt bringt Umweltschutz

Zwei Fußabdrücke vor dem Hintergrund von Versuchsparzellen mit Weizensorten symbolisieren, dass der Züchtungsfortschritt zum Klimaschutz beiträgt, durch Reduktion des CO2-Fußabdrucks. Collage Zetzsche-Wolck/JKI

Moderne Getreidesorten haben einen kleineren CO2-Fußabdruck

Alte Sorten haben nur Vorteile? Von wegen. Der Züchtungsfortschritt in der Getreidezüchtung hat nicht nur den Ertrag erhöht, sondern auch die Umwelt entlastet. Das sagt eine Studie des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Kleinmachnow/Groß Lüsewitz zusammen mit der Uni Hohenheim und dem Bundessortenamt in Quedlinburg, die den CO2-Fußabdruck moderner und älterer Weizen- und Roggensorten verglichen hat.

Die Landwirtschaft ist sowohl „Täter“ als auch „Opfer“ des Klimawandels. Mit rund 8 Prozent der deutschen Treibhausgas-Emissionen trägt sie zum Klimawandel bei. Gleichzeitig leidet sie wie kein anderer „Industriezweig“ unter Trockenheit und Dürre. Angepasste Sorten sind also das Gebot der Stunde, um eine klimaschonende Pflanzenproduktion zu gewährleisten. Doch wie sehen klimaeffiziente Sorten genau aus? Forschende des JKI haben gemeinsam mit Partnern des Bundessortenamts und der Universität Hohenheim erstmals den Beitrag des Züchtungsfortschritts bei Roggen und Weizen zur Verringerung des CO2-Fußabdrucks über mehr als 30 Jahre quantifiziert. „Im Vergleich zu den Sorten, die in den 1980er Jahren auf den Markt kamen, weisen die heutigen Weizen- und Roggensorten einen um 13 bis 23 Prozent niedrigeren CO2-Fußabdruck auf“, berichtet Ludwig Riedesel vom JKI-Fachinstitut für Strategien und Folgenabschätzung in Kleinmachnow.

Durch die Züchtung pilzresistenter Sorten seien die CO2-Emissionen besonders stark in den Anbauvarianten ohne Einsatz von Fungiziden gesunken. „Der Beitrag der Pflanzenzüchtung zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität und zur globalen Ernährungssicherung ist in zahlreichen Studien belegt. Inwieweit der Züchtungsfortschritt jedoch auch geholfen hat, die Klimawirkung der Landwirtschaft zu reduzieren, war bisher so nicht untersucht worden“, weist Dr. Til Feike von der JKI-Stabsstelle Klima auf die Besonderheit der Studie hin.

Mit der „Lebenszyklusanalyse dem CO2-Fußabdruck auf der Spur

Die Forschenden untersuchten 27 652 Kombinationen aus Sorte (Genotyp), Umweltbedingungen und Anbaumaßnahmen (Management) beim Weizen und 10 523 verschiedene Kombinationen beim Roggen. Diese wurden mittels Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment; LCA) und gemischter Modelle untersucht und kamen zu dem Ergebnis, dass die Treibhausgas-Emissionen je Hektar aufgrund gestiegener Erntemengen und damit verbundener höherer Ernterückstände und Lachgasemissionen zwar über die Jahrzehnte leicht gestiegen sind, dies jedoch durch die steigenden Hektarerträge mehr als ausgeglichen wird, sodass die Emissionen je Kilogramm Getreide geringer geworden sind und der CO2-Fußabdruck besser geworden ist. „In unserer Studie konnten wir für Roggen im Vergleich zu Weizen um circa 20 Prozent geringere Treibhausgas-Emissionen je Hektar und einen um circa 8 Prozent geringeren CO2-Fußabdruck nachweisen“, sagt Dr. Bernd Hackauf, Züchtungsforscher am JKI-Standort Groß Lüsewitz. „Die landwirtschaftlichen Betriebe nehmen verbesserte Sorten von sich aus in ihr Produktionsportfolio auf, ohne dass extra durch die Politik aus Steuergeldern finanzierte Anreize geschaffen werden müssen“, sagt Dr. Feike. Anders als bei anderen Klimaschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft entstünden folglich keine volkswirtschaftlichen Kosten. Das mache die Züchtung neuer Sorten mit niedrigerem CO2-Fußabdruck zu einer sehr effektiven Klimaschutzmaßnahme.

Quelle: JKI

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