Pyrethroidresistenz bei Rapsschädlingen breitet sich aus

06.05.2010 Forschung & Technik

Antiresistenzstrategien sind notwendig

Dem Rapsglanzkäfer (Meligethes aeneus) soll es an den Kragen gehen. Auf einer Fläche von rund 275 000 Hektar rechnen Experten für 2010 in Winter- und Sommerraps mit starkem Befall durch den schwarzen Käfer, der sich mit Vorliebe über Rapspollen hermacht. Dabei frisst der Käfer Löcher in die Blütenknospen. Den Landwirten droht schwerer wirtschaftlicher Schaden, da sich bei starkem Befallsdruck kaum Schoten mit Samen entwickeln können.

Die Bekämpfung ist schwierig, denn der Rapsglanzkäfer hat eine Resistenz gegen die über Jahre gängigen Pflanzenschutzmittel aus der Wirkstoffgruppe der Pyrethroide entwickelt. Aufgrund der Anpassungsfähigkeit der kleinen Tiere führen Anwendungen mit Pyrethroiden nicht mehr zum gewünschten Erfolg. Ähnliches scheint auch für den Rapserdfloh (Psylliodes chrysocephala) zu gelten. In Mecklenburg-Vorpommern brachten Labortests in zwei aufeinanderfolgenden Jahren Resistenzen des Rapserdflohs gegenüber Pyrethroiden ans Licht. Erfahrungen in der Praxis haben die Testergebnisse bestätigt. Nun drängen Experten darauf, verschiedene Pflanzenschutzmittel aus unterschiedlichen Wirkstoffgruppen einzusetzen, damit sich die Schädlinge nicht auf einen Wirkstoff einstellen und Resistenzen entwickeln können.

Insektizide mit unterschiedlichen Wirkmechanismen einsetzen

Seit 2006 führen Wissenschaftler des Julius Kühn-Institutes (JKI) ein bundesweites Resistenzmonitoring für Rapsglanzkäfer durch. Dabei arbeiten sie unter anderem mit den Pflanzenschutzdiensten der Bundesländer zusammen. Aufgrund der systematischen Beobachtungen empfehlen die Experten des Ausschusses Pflanzenschutzmittelresistenz für 2010 eine flächendeckende Anti-Resistenzstrategie, berichtet Dr. Udo Heimbach vom Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland im JKI.

Dabei verfolgt man das Ziel, der Anpassungsfähigkeit der Rapsglanzkäfer entgegenzuwirken, in dem man abwechselnd Insektizide mit unterschiedlichen Wirkmechanismen einsetzt. Neben den Pyrethroiden stehen dazu auch Mittel der Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide sowie nach den neuesten Genehmigungen für 2010 auch Organophosphate und Oxadiazine zur Verfügung.

Diese Pflanzenschutzmittel sollten gezielt nach den Empfehlungen des Ausschusses Pflanzenschutzmittelresistenz eingesetzt werden. Ausschlaggebend für die Auswahl des Mittels und die Dosierung sind die Stärke des Befalls mit Käfern aber auch Larven, das gleichzeitige Auftreten anderer Rapsschädlinge sowie der Zeitpunkt der Behandlung. Zur Bekämpfung des Rapserdflohs gibt es diese Möglichkeiten nicht. Im Augenblick existieren zu den Pyrethroiden keine Alternativen. Die Saatgutbehandlung erbringt bislang nur Teilerfolge.

Heimbach legt Wert darauf, dass die Bekämpfung auf der guten fachlichen Praxis basiert. Schwellenwerte, Aufwandmenge, Ausbringtechnik und -termin sind ausschlaggebend für den Erfolg gegen die Resistenzentwicklung.