Phytobac für sauberes Wasser: Mikroorganismen reinigen Restflüssigkeiten

25.02.2015 Forschung & Technik

Das Phytobac-System ist für Betriebe mit großem Waschbedarf eine interessante Alternative zur Feldreinigung von Pflanzenschutzgeräten und zur Vermeidung von Punkteinträgen

Wenn Pflanzenschutzmittel in Gewässer geraten, sind zu 60 Prozent sogenannte Punkteinträge die Ursache. Punkteinträge entstehen zum Beispiel, wenn beim Befüllen des Spritztanks etwas verschüttet wird und über den Hofablauf in Gewässer gelangt. Das soll nicht sein. Deshalb fördern die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln In zahlreichen Nachhaltigkeitsinitiativen Gewässerschutz, Umweltschutz und Biodiversität. Das Phytobac entstand im Rahmen der Bayer-Nachhaltigkeitsinitiative „Heute für morgen“. Darin unterstützt das Unternehmen verschiedene Projekte zum Gewässerschutz.

Hans-Joachim Duch, Bayer CropScience, hat an der Entwicklung mitgewirkt. Er erklärt, wie das Verfahren zum Gewässerschutz beitragen kann.

Herr Duch, was ist ein Phytobac?

Landwirte und Gärtner reinigen ihre Pflanzenschutzgeräte auf dem Feld. Das ist der Standard und so auch gesetzlich verankert. Für Betriebe, die häufig ihre Pflanzenschutzgeräte reinigen, kann das Phytobac -System eine interessante Ergänzung  zur Feldreinigung sein. Das Phytobac fängt das bei der Reinigung von Pflanzenschutzgeräten und anderen landwirtschaftlichen Maschinen anfallende Waschwasser auf dem Hof auf und reinigt es. Die wichtigsten Bestandteile sind eine dichte Waschplatte, ein Zwischentank für die von der Platte abfließenden Flüssigkeiten und ein Phytobac-Behälter. Dieser ist mit Ackerboden und Strohhäcksel gefüllt und wird nach und nach mit dem Inhalt aus dem Zwischentank berieselt. Der Boden bindet eventuell vorhandene Pflanzenschutzmittelreste. Mikroorganismen bauen sie ab. Sauberes Wasser verdunstet.

Reinigt der Landwirt andere Maschinen oder fällt auf der Waschplatte ausschließlich Regenwasser an, wird dieses Wasch- oder Regenwasser über einen Ölabscheider mit einem Umstellhahn in den Hofablauf oder in ein Biotop umgeleitet.

Das hört sich ja ganz einfach an

Ist es vom Prinzip her auch. Natürlich gehört ein wenig Technik dazu. Wie zum Beispiel ein Tensiometer, das die Bodenfeuchte im Phytobac-Behälter misst. Die Mikroorganismen haben nämlich ihren Lieblingsbereich. Liegt die Feuchtigkeit darüber oder darunter, fällt ihre Leistung ab. Dementsprechend müssen Betriebe, bei denen viel Waschwasser anfällt, die Behälter groß dimensionieren. Die meisten Betriebe kommen mit fünf bis zehn Quadratmetern Oberfläche aus. Denn über jedem Quadratmeter verdunsten rund 300 Liter Wasser jährlich. Wachsen Pflanzen auf dem Boden, verdunsten sogar 500 bis 600 Liter.

Wieso ist das Phytobac eine Ergänzung zur Feldreinigung?

Pflanzenschutzgeräte müssen ständig gereinigt werden. Von innen, wenn Landwirte die eingesetzten Mittel wechseln, und von außen, wenn sie anhaftende Spritzrückstände entfernen und ihre Geräte einwintern möchten. Das erledigen die Praktiker üblicherweise auf dem Feld. Dort verteilen sie das Waschwasser auf eine große Fläche. Die Mikroorganismen im Boden bauen die Rückstände ab und das Oberflächenwasser bleibt unbelastet. Ein Phytobac ermöglicht es, diese Arbeiten auf dem Hof durchzuführen. Der Landwirt kann einen Hockdruckreiniger nutzen, der üblicherweise auf dem Feld nicht zur Verfügung steht. Wer also häufig reinigt, profitiert vom Phytobac. Die Waschplatte kann natürlich auch genutzt werden, um darauf die Spritze mit Wasser und Pflanzenschutzmitteln zu befüllen. Falls dort beim Einfüllen ein paar Tropfen Pflanzenschutzmittel oder Flüssigdünger danebengehen, fängt das Phytobac sie auf und reinigt sie. Das Risiko, dass Verschmutzungen über den Hofablauf in die Kanalisation und von dort aus in Oberflächengewässer gelangen, sinkt auf nahezu null.

Kommt es denn wirklich auf jeden Tropfen an?

Ja, es kommt wortwörtlich auf jeden Tropfen an. In der Trinkwasserverordnung und in den Bestimmungen für Oberflächengewässer sind die Grenzwerte für Pflanzenschutzmittel sehr niedrig angesetzt. Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Wenn sich ein großer Tropfen eines Wirkstoffs in einem zwei Meter breiten, einen halben Meter tiefen und zehn Kilometer langen Bach verteilt, ist der Grenzwert bereits erreicht. Einträge aus Punktquellen zu vermeiden, ist ein wichtiger Beitrag zum Gewässerschutz .

Wer profitiert davon?

Die Umwelt und die Gesellschaft, denn das Wasser sollte so sauber wie möglich bleiben. Aber auch die Landwirtschaft und wir Hersteller von Pflanzenschutzmitteln. Wenn es keine Probleme mit Pflanzenschutzmitteln in Gewässern gibt, dann können wir die Mittel langfristig nutzen und zu einer effizienten Produktion erschwinglicher Nahrungsmittel und Energiepflanzen beitragen.

Wie teuer ist so ein Phytobac?

Rund 5.000 bis 10.000 Euro sind für eine Anlage fällig. Die Kosten richten sich nach der Größe. Mit der niederländischen Firma Beutech-Agro gibt es einen Partner, der die Anlagen schlüsselfertig errichtet, je nach erforderlicher Größe in fünf Quadratmeter großen Modulen. Die Investition lässt manchen erst einmal schlucken, aber demnächst könnte sich das ändern. Die Mikroorganismen im Phytobac können nämlich auch Ölreste abbauen. Wenn der Gesetzgeber das berücksichtigt und dadurch kein zusätzlicher Ölabscheider in den Wasserablauf eines Waschplatzes eingebaut werden muss, sinken die Kosten um 3.000 bis 5.000 Euro.

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