Grüne Gentechnik: Chancen überwiegen Risiken

11.10.2012 Forschung & Technik

Fünf Jahre, 30 Projekte: das Schweizer Forschungsprogramm NFP 59

Von der Grünen Gentechnik gehen weder Gesundheits- noch Umweltgefahren aus. Zu diesem Ergebnis kommt das Nationale Forschungsprogramm „Nutzen und Risiken der Freisetzung von gentechnisch veränderten Pflanzen“ (NFP 59) in der Schweiz. Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen haben in 30 Forschungsprojekten fünf Jahre lang Nutzen und Risiken Grüner Gentechnik unter die Lupe genommen. Sie beleuchteten dabei ökonomische und ökologische Auswirkungen und darüber hinaus soziale, rechtliche und politische Fragestellungen. Die Grüne Gentechnik bringt der Schweizer Landwirtschaft demnach derzeit kaum wirtschaftliche Vorteile. Für die Zukunft sehen die Wissenschaftler jedoch durchaus Potenziale, zum Beispiel bei steigendem Schädlingsdruck oder bei neuen gentechnisch veränderten Pflanzen mit kombinierten Merkmalen wie Herbizid- und Krankheitsresistenz. Zur Bewertung der Vor- und Nachteile solcher Pflanzen seien Freilandversuche unerlässlich.

Seit vielen Jahren ist die Grüne Gentechnik in der Schweiz umstritten. Bereits 2005 entschieden sich die Schweizer für ein fünfjähriges Anbau-Moratorium. Zwischenzeitlich wurde dies bis 2013 verlängert. Dennoch sollte mit Hilfe des NFP 59 analysiert werden, welche Probleme, aber auch welchen Nutzen der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen mit sich bringen könnte. Zudem sollte geklärt werden, ob Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik in der klein strukturierten Schweizer Landwirtschaft nebeneinander möglich ist. 

Biosicherheit im Fokus

Bei insgesamt elf der 30 Projekte standen mögliche Umweltrisiken im Vordergrund. In keinem dieser Forschungsvorhaben traten Umweltrisiken zu Tage, die speziell auf die Gentechnik zurückzuführen oder für die Schweiz spezifisch wären. Das bestätigen die Ergebnisse von weltweit über 1 000 Studien, die im Zuge des Programms ausgewertet wurden. Nachteilige Effekte, wie die Schädigung von Nicht-Zielorganismen, Resistenzen bei Schadorganismen, Beeinträchtigungen der Biodiversität und die Entstehung unerwünschter Unkräuter durch erhöhten Herbizideinsatz, sind nicht typisch für die Gentechnik. Sie können auch bei konventionell gezüchteten Pflanzen auftreten und sind meist auf Fehler im Anbaumanagement zurückzuführen. 

Keine Sonderbehandlung gentechnisch veränderter Pflanzen

Bei der Risikobewertung sollten stets die Eigenschaften einer Sorte im Vordergrund stehen, nicht das Züchtungsverfahren, so die Empfehlung aus dem NFP 59. Gentechnisch veränderte Pflanzen sollten mit konventionell gezüchteten Pflanzen verglichen werden. Eine Sonderbehandlung gentechnisch veränderter Pflanzen erweise sich aus wissenschaftlicher Sicht zunehmend als fragwürdig, denn neue gentechnisch veränderte Pflanzen ließen sich oft kaum von konventionell gezüchteten Pflanzen unterscheiden. 

Keine gesundheitliche Gefahr für Mensch und Tier

Die Analyse wissenschaftlicher Studien und Langzeitbeobachtungen findet keinerlei Hinweise auf Gefahren für Mensch und Tier durch Grüne Gentechnik. Die Wissenschaftler bewerteten vorhandene Studien. Dabei gingen sie davon aus, dass Menschen und Tiere in der Schweiz nicht anders als in anderen Ländern auf gentechnisch veränderte Pflanzen reagieren.

Die Wissenschaftler rechnen mit positiven Effekten durch die Nutzung Grüner Gentechnik. So kann der Anbau von Bt-Mais die Belastung der Lebens- und Futtermittel mit Mykotoxinen senken. Diese Pilzgifte entstehen durch Schimmelpilze vor allem auf kranken Pflanzen. Vielversprechend sind auch gentechnisch veränderte Pflanzen der zweiten Generation. Bei ihnen werden Inhaltsstoffe so verändert, dass sie beispielsweise gesundheitliche Probleme lindern. So profitieren Zöliakie-Patienten von einer Verringerung der Gluten- Proteine in Getreide. Gentechnisch veränderte Pflanzen der dritten Generation etwa werden für die Herstellung von Arzneimitteln genutzt. 

Ob solche Beispiele dazu beitragen, die Akzeptanz der Gentechnik zu verbessern? Bislang können sich die meisten Verbraucher keinen direkten Nutzen durch gentechnisch veränderte Lebensmittel vorstellen. Im Gegenteil: Grüne Gentechnik gilt als „risikobehaftet“. Die Mehrzahl der Verbraucher würde die Produkte nicht kaufen. Das könnte sich ändern, wenn ein Zusatznutzen wie zum Beispiel günstige Preise oder längere Haltbarkeit erkennbar wäre. Es könne also angenommen werden, dass gentechnisch veränderte Pflanzen, welche die Umwelt weniger belasten, zu einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen oder gesundheitliche Vorteile aufweisen, auf eine größere Akzeptanz stoßen würden, so die Zusammenfassung der Metastudie. 

Hohe Kosten und Mehraufwand beziehungsweise Flächenverluste durch die Einhaltung vorgeschriebener Mindestabstände zu ökologisch und konventionell bewirtschafteten Flächen machen den Anbau von gv-Pflanzen für Landwirte unattraktiv. Solche Kosten lassen sich laut NFP 59 durch sogenannte Produktionszonen senken. Solche Zonen, in denen sich die Landwirte auf eine Landwirtschaftsform einigen, existieren beispielsweise in Portugal. An einem wesentlichen Schritt in Richtung Wirtschaftlichkeit wird noch geforscht: Wenn es in Zukunft gelingt, Eigenschaften wie Herbizid- und Krankheitsresistenz zu kombinieren, werden gentechnisch veränderte Pflanzen wirtschaftlich deutlich interessanter als heute.  

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